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Erneuerbare Energien : Älteren Windrädern droht in Hessen das Aus

  • -Aktualisiert am

Der Windkraft in Hessen geht die Puste aus: 2019 sind noch keine neuen Anlagen gebaut worden. Bild: dpa

Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Hessen stößt auf Schwierigkeiten. Und noch immer sind in diesem Jahr keine Anlagen gebaut worden. Woran liegt das?

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          Noch bevor das Kabinett den von der Regionalversammlung beschlossenen Plan für erneuerbare Energien in Südhessen genehmigt hat, zeigt sich, wie begrenzt seine Bedeutung für den tatsächlichen Ausbau der Windkraft ist. Schon Ende Juli teilte Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen) mit, dass in diesem Jahr in Hessen noch keine Windkraftanlage in Betrieb genommen und nur eine einzige genehmigt worden sei. Aber es kommt noch eine andere Schwierigkeit hinzu. Bis zum Jahr 2024 werden nach Angaben der Landesregierung knapp 300 Anlagen aus der Förderung durch das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) fallen. Wenn Räder oder Parks danach nicht mehr profitabel sind, könnte dies zur Stilllegung führen.

          Die Betreiber könnten aber auch auf die Idee kommen, die Anlage durch modernere zu ersetzen, die mit einer höheren Leistung auch ohne Subvention noch Gewinne abwerfen. Doch das ist nur in wenigen Fällen möglich. Denn nur zwanzig Prozent der Windräder, die aus der EEG-Förderung fallen, stehen in den Windvorranggebieten, die die Regionalversammlung jetzt beschlossen hat.

          Die anderen 80 Prozent der veralteten Anlagen dürfen zwar weiterlaufen, aber nicht von neuen ersetzt werden. Die FDP-Fraktion im Landtag hat zu der Thematik eine parlamentarische Anfrage gestellt. Aus der Antwort des Wirtschafts- und Energieministers Tarek Al-Wazir (Die Grünen) geht hervor, dass beispielsweise im Landkreis Vogelsberg 124 Anlagen aus der Förderung herausfallen. Davon stehen 99 außerhalb einer Windvorrangfläche.

          Neue Geschäftsmodelle möglich

          In solchen Konstellationen könnten auch neue Geschäftsmodelle entstehen, erklärt ein Sprecher des Ministeriums. In der Nähe von Bremen beispielsweise habe ein Windpark, der aus der Förderung falle, trotzdem eine Zukunft. Mit dem Strom versorge sich künftig das in der Nähe liegende Mercedes-Werk.

          Im Übrigen ist nicht die Zahl der Windräder entscheidend, sondern die Menge des produzierten Stroms. Die knapp 300 aus der Förderung fallenden Anlagen entsprechen nach den Angaben des Ministeriums einer Leistung von knapp 340 Megawatt. Zum Vergleich: Die Gesamtleistung betrug in Hessen am Ende des vergangenen Jahres 2163 Megawatt. Die neuen Anlagen können nach den Angaben des Ministeriums bis zu zehn Mal so viel Strom erzeugen wie die alten. Außerdem hätten sie wesentlich längere Laufzeiten. „Es sind noch zahlreiche Projekte in der Pipeline“, sagt der Sprecher des Ministeriums. Anlagen mit 1145 Megawatt seien schon genehmigt, aber noch nicht in Betrieb. Teilweise werden sie beklagt.

          „Installierte Leistung“

          Die „installierte Leistung“ habe sich in Hessen in den zurückliegenden fünf Jahren um 90 Prozent, im Bund aber nur um 53 Prozent erhöht, rechnet das Ministerium vor. Von einer „Aufholjagd“ Hessens ist die Rede, aber auch von einer „dramatischen Entwicklung“ in ganz Deutschland. Nach einer aktuellen Erhebung des Bundesverbands Windenergie wurden noch nie so wenige Windräder in Betrieb genommen wie derzeit. Al-Wazir konstatiert ein „Versagen der Bundesregierung beim Vorantreiben der Energiewende“. Ein Gipfeltreffen, zu dem Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vor einer guten Woche unter anderen auch Al-Wazir nach Berlin eingeladen hatte, blieb ohne greifbare Ergebnisse. In Hessen fordert unterdessen der Verband kommunaler Unternehmen von der Landesregierung deutlich mehr Einsatz. Es reiche nicht aus, nur zwei Prozent der Landesfläche für die Windkraft zur Verfügung zu stellen, meint Ralf Schodlok, der Vorsitzender des Verbandes in Hessen. Die Landesregierung müsse die Rahmenbedingungen verbessern, wenn das Land das in der Koalitionsvereinbarung verankerte Ziel erreichen wolle, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden.

          Während Unternehmen und Verbände bezweifeln, dass dieses Ziel zu überhaupt erreichen ist, geht es den Mitgliedern der Grünen nicht weit genug. Mit deutlicher Mehrheit proklamierte ein Parteitag Anfang September in Königstein das Ziel, Hessen bis 2035 klimaneutral zu machen. Es sei schon ein Erfolg dass man das Jahr 2050 in die Koalitionsvereinbarung hinein verhandelt habe, hob Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen) hervor. Ihre eindringliche Bitte, den Menschen nichts vorzumachen, schlugen die meisten der 400erschienenen Mitglieder in den Wind.

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