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Aus für Mainkai-Sperrung : Ende der autofreien Zeit

Auslaufmodell: Vom Dienstag an müssen Radfahrer und Fußgänger weichen – der Mainkai wird wieder an den Autoverkehr zurückgegeben. Bild: Wonge Bergmann

Bis 8 Uhr an diesem Dienstagmorgen ist der Mainkai in Frankfurt noch für Autos und Motorräder gesperrt. Dann werden die Betonpoller entfernt, die Ampeln neu geschaltet – und der Verkehr rollt wieder. Längst nicht jedem gefällt das.

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          Die Zeiten, über den Römerberg hinweg bis zum Eisernen Steg ungehindert zu flanieren, im Mainkai-Café draußen ohne Verkehrslärm zu frühstücken, auf direktem Weg vom Historischem Museum zur Untermainbrücke in Frankfurt zu radeln, die sind von diesem Dienstag an, vorbei. Nach 13 Monaten wird die Sperrung des Mainkais aufgehoben, die Straße für den Autoverkehr wieder freigegeben. Damit endet der einjährige „Verkehrsversuch“, auf den sich CDU, SPD und Grünen im Römer in ihrer Koalitionsvereinbarung verständigt hatten.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um ihn fortzusetzen, fehlt die politische Mehrheit: SPD und Grüne wollen den motorisierten Verkehr von dem 900 Meter langen Straßenabschnitt dauerhaft ausschließen, die CDU will das nicht. Damit ist von Dienstag an am nördlichen Mainufer wieder alles wie zuvor: Nicht einmal einen rot markierten Streifen für Radfahrer wird es geben, dafür drei Fahrspuren für Autos und Lastwagen.

          Das autofreie Mainufer ist in der Stadt so umstritten gewesen wie weniges zuvor. Gegner wie die Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“ bejubeln die Aufhebung der Sperrung und sprechen von einem „Aufatmen“ für die Bewohner der Innenstadtteile wie dem nördlichen Sachsenhausen, die seit Jahrzehnten schon unter der höchsten Verkehrsbelastung litten und nun auch noch zusätzlich den Mainkai-Verkehr hätten erdulden müssen.

          Befürworter wie die Grünen haben dagegen am Montagabend noch mit einer „Main-Kai-Night“ darauf hingewiesen, dass sich der gesperrte Straßenabschnitt zwischen dem grünen Mainufer und der Innenstadt zu einem „bunten Ort städtischen Lebens“ entwickelt habe und für die Menschen zurückerobert worden sei. Die Klimaschutz-Aktivisten von Fridays for Future haben für Dienstag um 12 Uhr eine Demonstration auf dem Mainkai angekündigt, „um sich den Raum zu nehmen“.

          Mehrheit der Bürger für die Sperrung

          Die Grünen haben bis zuletzt darauf gedrängt, den Verkehrsversuch während der Corona-Zeit fortzuführen und damit dem veränderten Mobilitätsverhalten der Bürger Rechnung zu tragen. „Es ist komplett unverständlich, warum man den Menschen wertvolle Freiflächen ohne Not, allein aus parteipolitischem Kalkül, wegnimmt“, sagt Wolfgang Siefert, verkehrspolitischer Sprecher der Partei.

          Plakativ: Protest gegen Ende der Mainkai-Sperrung für den Kraftverkehr
          Plakativ: Protest gegen Ende der Mainkai-Sperrung für den Kraftverkehr : Bild: dpa

          Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hatte am Donnerstag eine repräsentative Umfrage vorgestellt, wonach 57 Prozent der im vergangenen Dezember befragten Frankfurter es gut fanden, dass das Mainufer autofrei sei. Nur 21 Prozent hatten angegeben, dass dort wieder Autos fahren sollten, dem Rest war es egal. Unabhängig von diesen Zahlen, wertet der Stadtrat den von seiner Partei angestrebten Verkehrsversuch als „Erfolg“. Nach einer Anlaufphase hätten die Frankfurter den Straßenraum für sich angenommen. Der autofreie Mainkai habe eine „sehr starke Wirkung entfaltet, die Bürger haben die Attraktivität der Fläche erkannt“, sagt Oesterling. „Die Idee, die in die Köpfe und Herzen der Frankfurter gepflanzt worden ist, die kriegt man dort nicht mehr raus.“ Der Sozialdemokrat hofft, nach der Kommunalwahl im nächsten März eine Mehrheit im Römer für den autofreien Mainkai zu haben.

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