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Ehrenbürger Hindenburg : Aus der Hand eines Nazis

Hochdekoriert, auch von der Stadt Frankfurt: Paul von Hindenburg Bild: AP

Paul von Hindenburg ist nicht nur mit demselben Magistratsbeschluss wie Adolf Hitler zum Ehrenbürger der Stadt Frankfurt gekürt worden. NS-Oberbürgermeister Krebs zeichnete den früheren Reichspräsidenten auch persönlich aus - in Berlin.

          Der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg ist mit demselben Magistratsbeschluss wie Adolf Hitler zum Ehrenbürger der Stadt Frankfurt ernannt worden. Das geht aus Akten des Instituts für Stadtgeschichte hervor, die die Rhein-Main-Zeitung eingesehen hat. In dem Beschluss vom 3.April 1933 heißt es, den beiden Herren werde „in dankbarer Würdigung ihrer hervorragenden Verdienste um die machtvolle nationale Erhebung im deutschen Vaterlande, insbesondere auch in unserer Vaterstadt Frankfurt am Main“ die Ehrenbürgerwürde verliehen.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Während die Akten nicht offenbaren, in welchem Rahmen Hitler geehrt wurde, belegen sie eindeutig die Umstände der Ehrung Hindenburgs: Um den einstigen Generalfeldmarschall auszuzeichnen, reiste der von den neuen Machthabern eingesetzte nationalsozialistische Frankfurter Oberbürgermeister Friedrich Krebs im November 1933 nach Berlin.

          Ehrung am Vormittag

          Dazu findet sich eine Korrespondenz zwischen dem Büro Hindenburgs, Generaldirigent Dr. Doehle, und dem „lieben Bundesbruder Krebs“. Ihr zufolge bekam Hindenburg am 16. November, „vormittags 10.45 Uhr“, die Ehrenurkunde Frankfurts überreicht. Darin heißt es, sie werde verliehen „dem Herrn Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall Paul von Beneckendorff und von Hindenburg, der in unerschütterlicher Treue zu seinem Volke die Geschicke Deutschlands in Krieg und Frieden mit starker Hand gelenkt, der als Vater unseres Heimatlandes dem Strome der nationalen Kräfte den Weg in eine echte deutsche Lebensgemeinschaft bereitet und damit dem deutschen Volke die Grundlagen zu neuem Aufstieg geschaffen hat“. In einem städtischen Anzeigenblatt wird Krebs wenig später mit den Worten zitiert, die Auszeichnung sei Dank dafür, dass Hindenburg „nach dem Aufbruch der Nation in treuer Verbundenheit mit unserem Volkskanzler Adolf Hitler der Jahrhunderte alten Sehnsucht des deutschen Volkes nach völkischer Einigkeit und Einheit die Erfüllung gegeben“ habe.

          Die Initiative zur Ehrung Hitlers und Hindenburgs ging, anders als vermutet, nach Aktenlage nicht von Krebs aus. Vielmehr bittet eine Mehrheit der Stadtverordneten den Magistrat am 31. März, die beiden Männer auszuzeichnen. Doch war deren Versammlung nach erzwungener Auflösung Anfang des Monats und einer von vorheriger Einschüchterung geprägten Neuwahl am 12. März kaum noch auf demokratischem Weg zustande gekommen. Von den 85 Stadtverordneten stellte die NSDAP fortan 42. Weil die acht gewählten Kommunisten ihr Mandat schon zur konstituierenden Sitzung an jenem 31.März nicht mehr antreten durften, hatten die Nationalsozialisten für den oben genannten Antrag in der Stadtverordnetenversammlung eine Mehrheit.

          Auch zur Auswahl des dritten Ehrenbürgers des Jahres 1933, Hermann Göring, finden sich Dokumente im Stadtarchiv. Ihm wurde auf Veranlassung des Magistrats und mit nachträglicher Zustimmung des Ältestenausschusses am 7.Juni 1933 das Ehrenbürgerrecht zuerkannt. Zur Zeremonie im Kaisersaal am 4.November reiste Göring an. In seiner Rede begründete Oberbürgermeister Krebs die Auszeichnung damit, „dass Sie mit unserem Führer Deutschland die innere Freiheit erkämpft und die Grundlagen für den Bau des 3.Reiches geschaffen haben“. Im Urkundentext wird Göring als „treuester Paladin unseres Führers“ gerühmt. Als Geschenk bekam er ein 1680 Reichsmark teures Schwert, gefertigt von einem Frankfurter Kunstgoldschmied.

          Während in den Akten nachzulesen ist, warum Hitler und Göring die Ehrenbürgerwürde der Stadt Frankfurt 1947 ausdrücklich aberkannt wurde, taucht der Name Hindenburgs in dem Zusammenhang nicht auf.

          Feldmann. Hindenburg nicht länger ehren

          Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) will den früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg aus den Ehrenlisten der Stadt und von der Gedenktafel der Ehrenbürger im Plenarsaal streichen. „Es ist längst überfällig, dass die Stadt Frankfurt hier ein Zeichen setzt“, sagte er. Hindenburg habe 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und wenig später zusammen mit Hitler und Hermann Göring die Ehrenbürger-Urkunde vom damaligen nationalsozialistischen Oberbürgermeister Friedrich Krebs erhalten. „Wer diese damaligen Akte des Unrechts bagatellisiert und Hindenburg weiter hochoffiziell gewürdigt wissen will, der erntet bei mir nur Unverständnis“, äußerte Feldmann, der sich dabei indirekt auf Aussagen von CDU-Spitzenpolitikern bezog, die keinen Grund für eine Aberkennung der Ehrenbürgerwürde sehen. Der Oberbürgermeister sagte, die Verleihung der Ehrenbürgerwürde müsse endlich in einer Satzung geregelt und „nicht dem Bauchgefühl überlassen“ werden. (trö.)

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