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Aufstieg der Rothschilds : Vom kleinen Händler zum Finanzmagnaten

Wer sind die weltweit berühmtesten Frankfurter? Goethe und die Rothschilds vermutlich. Vom einzigartigen Aufstieg einer Familie.

          3 Min.

          Wer sind die weltweit berühmtesten Frankfurter? Goethe und die Rothschilds vermutlich. Der Dichter und Mayer Amschel Rothschild, der vor 200 Jahren gestorbene Begründer der Bank-Dynastie, sind Zeitgenossen gewesen. Geboren 1743 oder 1744, war Mayer Amschel gerade einmal fünf Jahre älter als Goethe; die beiden könnten sich durchaus begegnet sein. Denn der kleine Johann Wolfgang hat, wie er in „Dichtung und Wahrheit“ berichtet, die Judengasse, in der die Rothschilds lebten, neugierig durchstreift.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der soziale Unterschied zwischen Goethe und Mayer Amschel Rothschild hätte indes nicht größer sein können. Der Dichter entstammte einer hoch angesehenen Familie, sein Großvater Johann Wolfgang Textor hatte als Stadtschultheiß das höchste Amt in der städtischen Justiz inne. Vater Johann Caspar Goethe war so wohlhabend, dass er sich den aufwendigen Umbau des Hauses am Großen Hirschgraben leisten konnte.

          Im völlig übervölkerten Ghetto

          Die Rothschilds waren zu jener Zeit noch Hungerleider. Ganz abgesehen davon, dass sie als Juden kein Bürgerrecht besaßen, im völlig übervölkerten Ghetto wohnen mussten und immer in der Gefahr schwebten, einem Übergriff der christlichen Bevölkerung zum Opfer zu fallen. Benannt war die Familie nach dem Haus „zum Roten Schild“, das 1567 ein Vorfahre namens Isak Elchanan an der Judengasse errichtet hatte. Mayer Amschel lebte als Kind mit seinen Eltern und vier Geschwistern sowie einer weiteren verwandten Familie allerdings schon in der „Hinterpfann“. Es muss eine drangvolle Enge in diesem dreistöckigen Haus geherrscht haben, denn es beherbergte auch die Geschäfts- und Lagerräume des Vaters.

          Seinen ersten Schritt in die Welt außerhalb der Judengasse tat Mayer Amschel mit elf Jahren: Er trat auf Geheiß der Eltern in eine Jeschiwa, eine jüdische Hochschule, in Fürth ein, wo er die Bibel und den Talmud studierte. Doch wurde er nicht Gelehrter oder Rabbiner, sondern Kaufmann. Die Grundkenntnisse für diesen Beruf erwarb er als einfacher Gehilfe in Hannover beim Bank- und Handelshaus Wolf Simon Oppenheimer, in dessen Dienste er als Dreizehn- oder Vierzehnjähriger trat. Als Mayer Amschel mit knapp 20Jahren seine Lehre beendet hatte und um 1763 nach Frankfurt zurückkehrte, war er ein Niemand. 20Jahre später konnte er sich schon mit dem Haus „zum Grünen Schild“ eines der größten Wohnhäuser in der Judengasse leisten. Im Vergleich zu den prunkvollen Villen und Schlössern, die später seine fünf Söhne in London, Paris, Wien, Neapel und in Frankfurt jenseits des Ghettos bewohnten, war dieses Gebäude aber immer noch eine Hütte.

          Wie ist Mayer Amschel zu Wohlstand, wie sind seine Söhne schließlich zu ihrem sagenhaften Reichtum gekommen? Letztlich durch Börsengeschäfte und den Handel mit Staatsanleihen. Angefangen hat der Vater mit sicherlich äußerst bescheidenem Kapital. Was er zu Beginn verhökerte, ist nicht bekannt. Mayer Amschels erster überlieferter Geschäftsabschluss ist der Verkauf von Münzen und Medaillen an den hessischen Erbprinzen Wilhelm, der in der kleinen Grafschaft Hanau-Münzenberg das Regieren üben durfte. Mit ihm muss der Rothschild-Stammvater, der sich fortan auf den Handel mit historisch wertvollen Münzen und antiken Kunstwerken spezialisierte, weitere Geschäfte abgeschlossen haben, denn Mayer Amschel durfte sich von 1769 an „Hessen-Hanauischer Hoffaktor“ nennen.

          Vermietung von Soldaten

          Seine Verbindung zum Hof des jungen, ehrgeizigen Landgrafen ermöglichte ihm den Einstieg in das Geschäft mit Wechseln. Landgraf Wilhelm verdiente wie auch sein Vater Friedrich von Hessen-Kassel viel Geld mit der Vermietung von Soldaten an England. Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg etwa kämpften 17.000 hessische und 2000 hanauische Soldaten. Die Entlohnung zahlte die englischen Regierung in Form von Wechseln aus, die in Kassel wie in Hanau meistbietend unter den Hofjuden versteigert wurden. Diese verkauften sie weiter, bis sie schließlich in London eingelöst wurden. Auf diesem Geschäftsfeld konnte Mayer Amschel Fuß fassen. In seinem kaum zehn Quadratmeter großen Bankkontor arbeiteten seine ältesten Söhne Amschel, Salomon und Nathan seit ihrem dreizehnten oder vierzehnten Lebensjahr mit. Nathan ging mit 20Jahren nach England, stieg in Manchester äußerst erfolgreich in den Tuchexport ein und später auch in die Tuchherstellung. Schließlich gründete er in London sein eigenes Bankhaus.

          Krieg war eine entscheidende Quelle für den Reichtum der Rothschilds. Die unruhigen Zeiten im Gefolge der französischen Revolution ermöglichten Mayer Amschel gute Geschäfte als Heereslieferant der kaiserlichen Armeen. Bald legte Rothschild in Konkurrenz zu den führenden Frankfurter Bankhäusern wie dem der Bethmanns seine erste Staatsanleihe auf. Auch von der Besetzung Hessens durch die Franzosen profitierte Rothschild, denn er durfte das Vermögen des im Exil weilenden Kurfürsten von Hessen-Kassel verwalten.

          Mayer Amschel hat sein Haus gut bestellt hinterlassen. 1810, zwei Jahre vor seinem Tod, gründete er die Firma Mayer Amschel Rothschild&Söhne, in die er nicht nur Amschel und Salomon, sondern auch die jüngeren Söhne Kalman und Jakob aufnahm. Zusammen mit Nathan wurden diese vier Herrscher eines Finanzimperiums, das sich über ganz Europa erstreckte.

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