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Streit um Braunkohlestaub : Aufregung um den Industriepark Griesheim

Hat mit einem erklärungsbedürftigen Satz für Aufregung um den Industriepark Griesheim gesorgt: Frankfurts Umwelt- und Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) Bild: Helmut Fricke

So viel Bekenntnis zur Frankfurter Industrie wie in den vergangenen Tagen gab es lange nicht. Und das nur, weil die Umweltdezernentin im Wahlkampf einen erklärungsbedürftigen Satz gesagt hat.

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          Den meisten Frankfurtern muss man wahrscheinlich erklären, dass es einen Industriepark Griesheim überhaupt gibt. Das weitaus größere Industrieareal im Westen der Stadt, auf dem Gelände der früheren Hoechst AG, das kennen viele. Aber Griesheim? Vom Flughafen erst die B 43 nehmen, dann die B 40, dann in die Stroofstraße biegen. Aber seit einigen Tagen ist die Aufregung um den Industriepark Griesheim groß. Verbände, Politiker, ja fast alle rufen dazu auf, das Gelände zu bewahren.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          „Industriegebiet Griesheim stärken und nicht aufgeben“, schreibt die SPD-Fraktion im Römer. Ein „leichtfertiges Spiel mit dem Feuer“ sieht die Fraktion der Linken. „Wenn jetzt keine Wertschöpfung mehr stattfindet, ist das soziale Leben einer modernen Großstadt schnell am Ende“, gibt der DGB zu bedenken. An der Existenz des Industrieparks dürfe nicht gerüttelt werden, lässt die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände wissen.

          So viel Bekenntnis für die Frankfurter Industrie gab es lange nicht. Nicht einmal zur Verabschiedung des Masterplans Industrie durch den Magistrat im vergangenen Jahr. Aber dessen Autoren waren auch nicht auf die Idee gekommen, den Sinn eines der Industrieparks in Frankfurt anzuzweifeln, die zusammen Tausenden Arbeit bieten.

          Erklärungsbedürftiger Satz

          Die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) hat das auch nicht direkt getan. Aber sie hat in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“, in dem sie sich im Wesentlichen über die beiden kleinen Braunkohlenstaub-Kraftwerke in Frankfurt echauffierte, doch einen zumindest erklärungsbedürftigen Satz gesagt. Zu dem Bau des Kraftwerks eben in diesem Griesheimer Industriepark fiel ihr ein: „Die beste Perspektive für alle wäre es, die wenigen Firmen des Industrieparks Griesheim in den viel größeren Industriepark Höchst zu integrieren, dort ist noch Platz genug, und die Unternehmen könnten im Verbund noch günstiger produzieren.“

          Nun wäre schon ein gewöhnlicher Park kaum von einem Ort an einen anderen zu verlegen, ein Industriepark aber erst recht nicht. Der in Griesheim erlebt zwar derzeit keine sonderlich guten Zeiten: Die Auslastung sinkt immer weiter, und zum Jahresende gibt dort auch SGL Carbon seine Produktion auf. Aber alles in allem sind dort immer noch 30 Unternehmen mit zusammen 650 Frauen und Männern tätig, wie es beim Industriepark-Management heißt. Griesheim ist kein Glamour, aber doch ein Standort mit Tradition und eigentlich auch mit Zukunft.

          Die seit der Veröffentlichung des Interviews heftig gescholtene Dezernentin versuchte nun, ihre Äußerungen etwas zurechtzurücken. Natürlich müsse der Industriepark bleiben, sagte sie dieser Zeitung. „Es geht mir nicht um die Schließung oder Verlegung des Standorts.“ Aber es könne doch zumindest der Betrieb, der den Dampf benötige, der in dem neuen Kraftwerk erzeugt werden solle, nach Höchst umziehen und dann Dampf aus der dortigen Erzeugung beziehen. Das klingt schon ganz anders, auch wenn es ähnlich unwahrscheinlich ist wie die Verlegung des kompletten Industrieparks. Denn Weylchem hat längst mit dem Bau des ungeliebten Braunkohlestaub-Kraftwerks begonnen und plant für das zweite Halbjahr weitere Millioneninvestitionen in die Produktion. In Griesheim, nicht in Höchst.

          Überdies hat das dort entstehende Kraftwerk den Vorteil, dass es auch mit Erdgas betrieben werden kann, sofern es die Rahmenbedingungen erlauben. So bekräftigte die Umweltdezernentin denn auch gestern in erster Linie ihre Kritik am Bundeswirtschaftsminister, der nicht von der Kohle-Förderung lassen kann.

          Ohnehin ist die Flächenpolitik im Magistrat nicht Sache der Umweltdezernentin, sondern des Planungsdezernenten Olaf Cunitz. Da er auch von den Grünen ist, tat sich sein Sprecher mit einer Stellungnahmen zu den Äußerungen Heiligs nicht ganz leicht. Die klare Frage, ob es im Rathaus Überlegungen oder gar konkrete Pläne gebe, den Industriepark Griesheim zu schließen und seine Betriebe zu verlagern, beantworte er aber ebenso klar und deutlich: „Nein.“

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