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Bad Soden : Aufräumen nach der Flut

Freibad unter Wasser: Die Bad Sodener Schwimmstätte muss nach der Überflutung vom Freitag auf unabsehbare Zeit geschlossen bleiben. Bild: Lucas Bäuml

In Bad Soden laufen nach der Überschwemmung vom Freitag die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Das Unwetter hat auch das Freibad und die Heilquellen des Kurorts getroffen.

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          Das idyllische Bild trügt. Im Abendlicht spiegelt sich das historische Badehaus im Bad Sodener Kurpark in einer Wasserfläche. Lieblich sieht das aus, ganz so, als ob eigens für diesen Anblick ein Teich angelegt worden wäre. Doch die Wasserfläche ist kein Teich, sondern eine Pfütze, die von einer Überflutung zwei Stunden zuvor übrig geblieben ist.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Freitagnachmittag ging ein heftiges Unwetter über Bad Soden und einige Nachbarorte nieder. Dabei fiel in kurzer Zeit so viel Regen, dass die Kanäle den Niederschlag nicht aufnehmen konnten; das Wasser suchte sich oberirdisch seinen Weg. Die Hauptachse der Kurstadt, die Königsteiner Straße, verwandelte sich in einen breiten Bach. Wer hindurch ging, stand bis zum Knie im Wasser. Die Altstadt wurde ebenfalls überschwemmt, auch in den beiden Stadtteilen Altenhain und Neuenhain sammelte sich in Senken das Wasser, wie die Feuerwehr berichtete. Überflutungen durch starken Regen gab es auch in Sulzbach, Kelkheim, Königstein und Kronberg.

          Dass man sich gegen Wasser nicht wehren kann, hat Monika Hess erlebt, Inhaberin eines Trainingsstudios an der Bad Sodener Alleestraße, einer Seitenstraße der Königsteiner Straße. Das Studio „Körperformen“ hat sie im Souterrain eines Gründerzeithauses eingerichtet, der Vorgarten mit der Eingangstür liegt fast ein Stockwerk unterhalb des Straßenniveaus. Erst zeigte sich nur eine kleine Pfütze, doch dann regnete es weiter und das Wasser drückte in den Trainingsraum, innerhalb von Minuten stand es bis auf Schulterhöhe. Während die Trainerin auf der Straße vor dem Haus davon erzählt, laufen neben ihr die Pumpen der Feuerwehr, die das Wasser aus dem Souterrain saugen.

          Auch die Heilquellen bleiben bis auf Weiteres geschlossen

          Die freiwilligen Helfer haben die Alleestraße gesperrt, um Platz für ihre Fahrzeuge zu haben. Auch die Keller der Nachbarhäuser werden ausgepumpt. Die Schläuche münden in den Gully, der nun wieder Wasser schlucken kann. An weit mehr als 100 Einsatzstellen allein in Bad Soden ist die Feuerwehr am Abend und in der Nacht mit dem Auspumpen von Kellern und Tiefgaragen beschäftigt, wie Stadtbrandinspektor Nick-Oliver Kromer dieser Zeitung sagt. Der Einsatz dauert schließlich rund 16 Stunden, die Sodener Wehren werden von Feuerwehrleuten aus Hochheim, Schwalbach und Eschborn unterstützt.

          Am Brunnenhof in der Altstadt steht am Freitagabend, als das Wasser von den Straßen wieder abgeflossen ist, Dorte Kilde vor ihrem Geschäft „Chocoholic“. Die Ladeninhaberin hat während des Regens die Luft angehalten, wie sie erzählt: „Das war knapp.“ Die drei Stufen vor der Eingangstür haben das Geschäft vor der Überflutung gerettet. Das Wasser stieg bis auf zehn Zentimeter unter der obersten Kante. Auf dem kleinen Platz vor dem Laden hat das Wasser einen zähen Schlamm zurückgelassen. Auch im italienischen Restaurant „Rocco“ nebenan hat man noch Glück gehabt. Das Wasser überschwemmte die Terrasse, kam aber nicht bis ins Lokal, wie Riccardo Carcione, ein Mitarbeiter, erzählt. Dafür wurde der Keller nass, deshalb hat das Restaurant keinen Strom.

          Der Gewitterregen hat auch das Bad Sodener Freibad getroffen und Schaden angerichtet. Schlammiges Wasser schwappte in die Schwimmbecken, und die Technikzentrale stand unter Wasser. Deshalb müssen die Bad Sodener nach Mitteilung der Stadt auf unabsehbare Zeit auf ihr Freibad verzichten. Die Verwaltung warnt auch vor den Heilquellen, mit denen der Kurort sonst für sich wirbt, weil die Flut Dreckwasser in die Quellen gespült hat. Das Mineralwasser darf vorerst keiner mehr trinken.

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