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Aufnahmelager Gießen : Immer mehr Flüchtlinge

  • -Aktualisiert am

Flüchtlingskind in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen: Den Kindern will das Land Hessen schnell Deutsch beibringen und stellt dafür mehr Lehrer ab. Bild: dpa

Rund 100 neue Flüchtlinge am Tag - der Platz in der Gießener Erstaufnahmeeinrichtung wird knapp. Aber allzu schnell wird der Flüchtlingszustrom nicht abreißen, bis zum Sommer soll daher mehr Raum her.

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          In der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen wird es eng. Das Regierungspräsidium rechnet für die Zeit zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel mit bis zu 1000 Neuankömmlingen. Anders als in den Vorjahren, in denen sich die Zugangszahlen im Dezember verringert hätten, seien sie in diesem Jahr unverändert hoch, berichtet Regierungspräsident Lars Witteck (CDU). An manchen Tagen vor Weihnachten seien zu den damals schon rund 3200 Flüchtlingen mehr als 200 Neuankömmlinge hinzugekommen, die registriert und versorgt worden seien. Die Situation sei schwierig, aber Witteck bleibt nach eigenen Worten optimistisch, dass die nächsten zwei Wochen für die Hilfesuchenden erträglich überbrückt werden können.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen sowie in den beiden Außenstellen in Bad Arolsen und Kirchheim können ihm zufolge derzeit maximal 4100 Menschen untergebracht werden. Möglicherweise werde diese Zahl schon bald überschritten. In den nächsten Wochen sei mit einem durchschnittlichen Zugang von rund 100 Personen täglich zu rechnen, außerdem habe man an den Feiertagen den Kommunen und Landkreisen keine Schutzsuchenden zuweisen können. Im Erstaufnahmelager bleiben Flüchtlinge bis zur Anhörung im Asylverfahren oder bis für sie eine dauerhafte Bleibe in einem Landkreis gefunden ist. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Gießen betrug in diesem Jahr vier Wochen, in der Weihnachtszeit verlängert sich diese Zeitspanne aber, weil die kommunalen Unterkünfte dann niemanden aufnehmen.

          Beheizbare Zelte zur Reserve

          Wegen des absehbaren Engpasses zum Jahresende hatte das Regierungspräsidium noch vor Weihnachten kurzfristig ehemalige Kasernengebäude im amerikanischen Depot in Gießen gemietet und für die Aufnahme von 650 zusätzlichen Flüchtlingen vorbereitet. Die Zahl der in Hessen insgesamt für Schutzsuchende zur Verfügung stehenden Unterkünfte wurde damit auf mehr als 4000 gesteigert, und die Verantwortlichen können jetzt nur hoffen, dass das für die nächsten Monate ausreicht.

          Zumal die 4000 Betten nicht immer alle gleichzeitig zu nutzen sind: Aus Rücksicht auf die Privatsphäre, auf Familien und auf ethnische Gruppen kann nicht jedes Mehrbettzimmer voll belegt werden. Zur Not stehen in Gießen immerhin auch noch beheizbare Zelte zur Verfügung. Ein Ende des Flüchtlingszustroms ist allerdings nicht abzusehen. Bis zum Sommer will das Regierungspräsidium Gießen deshalb die Erstunterbringung vom mehreren hundert weiteren Flüchtlingen ermöglichen. Im Gespräch ist unter anderem die Schaffung von 500 Plätzen auf einem früheren Kasernengelände in Büdingen.

          Deutschstunden für Kinder

          Am Frankfurter Hauptbahnhof melden sich indes ungewöhnlich viele Flüchtlinge bei der Bundespolizei. Die Beamten hätten sich während der Weihnachtsfeiertage und am folgenden Wochenende um 47 Erwachsene und 16 Jugendliche gekümmert, teilte die Polizei mit. Das seien deutlich mehr als an einem normalen Wochenende, an dem im Durchschnitt etwa 20 Flüchtlinge gezählt würden. Die erwachsenen Neuankömmlinge wurden den Angaben zufolge zur Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen gebracht, um die Jugendlichen kümmerte sich das Jugendamt. Die meisten Flüchtlinge kamen aus Afghanistan und Syrien.

          Um Flüchtlingskindern in Hessen rasch Deutsch beizubringen, stellt das Land mehr Lehrer ab. 350 Lehrkräfte würden derzeit im Deutsch-Intensivunterricht eingesetzt, um Neuankömmlinge auf den regulären Unterricht vorzubereiten, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Die gesamte Deutschförderung umfasse 1070 Stellen, insgesamt investiere das Land rund 60 Millionen Euro jährlich in den Deutschunterricht, nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für Vorschulkinder mit mangelhaften Sprachkenntnissen.

          Wenn Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Städte oder Gemeinden überwiesen werden, sollen schulpflichtige Kinder möglichst bald zur Schule gehen. Die Lehrergewerkschaft GEW kritisiert, dass die Wartezeit für einen Sprachkurs oft zu lang sei. Minister Lorz sieht das anders: Normalerweise dauere das nur wenige Wochen. Die Lehrkräfte für die Sprachförderung werden aus dem vorhandenen Personal rekrutiert und weiterqualifiziert. „Lehrer mit anderen Fächern können sich für Deutsch als Zweitsprache fortbilden.“

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