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Auflagen bei Konzerten : Popsänger schaffen sich ihre eigene Bilderwelt

Und lächeln: Hier sieht Beyoncé aus, als wäre sie die Freundlichkeit in Person. Bild: AP

Für Fotografen erlassen Popstars bei ihren Konzerten immer mehr Auflagen. Darum ist in diesem Artikel nur ein Porträt und kein Konzertfoto vom Wochenende zu sehen.

          Alex Meier ist ein guter Fußballspieler. Deshalb sind von ihm oft Fotos in den Zeitungen. Am liebsten mag er die, welche ihn beim Torjubel zeigen. Weil er mit beiden Beinen im Leben steht, weiß er aber, dass es Spiele gibt, nach denen er mit hängendem Kopf abgebildet wird. Nie käme es ihm, seinem Verein oder seinen Beratern in den Sinn, zu verlangen, Zeitungen dürften nur solche Fotos bringen, die sein Management genehmigt oder gar selbst aufgenommen hat.

          Ob Beyoncé eine gute Sängerin ist, bleibt Geschmackssache. Die einen sagen so, die anderen so. Ihr Management ist jedenfalls schlechter als das von Alex Meier. Es hat nämlich verfügt, dass es von der Stadiontournee der Sängerin keine Aufnahmen von Pressefotografen gebe, sondern nur solche, welche die Veranstalter nach den Konzerten zur Verfügung stellen. In die Welt der Politik übertragen, wäre das nordkoreamäßig. Dort kann der Herrscher so etwas verfügen.

          Einzelfälle? Von wegen

          Hier aber nicht, und deshalb gibt es auf dieser Seite kein Foto von Beyoncé während ihres Konzerts in Frankfurt und auch keine Aufnahme von Sting von dessen Auftritt in Wiesbaden. Dabei ist Sting durchaus ein guter Sänger, doch sein Management verlangt, dass Redaktionen und Nachrichtenagenturen einen Vertrag unterschreiben, der die Weitergabe von Konzertfotos an Dritte untersagt, was die Sache zumindest für Nachrichtenagenturen und für freie Fotografen schwierig macht. Doch auch Zeitungen empfinden einen solchen Ukas als Eingriff in die Verfügung über Fotos, die sie ja nicht gestohlen, sondern auf eigene Kosten hergestellt haben.

          Einzelfälle? Nein. Keine Woche vergeht, ohne dass Konzertveranstalter Redaktionen und Nachrichtenagenturen Bedingungen vorlegen, die aus deren Sicht die Grenzen zur Zumutung streifen, in manchen Fällen überschreiten. Vor einer Woche war es Neil Young, in der Woche davor die Gruppe Rammstein. Manche Theater und Filmemacher sind auch schon auf dem Weg dahin. Demnächst liefert das Management von Beyoncé nicht nur die ihm genehmen Fotos, sondern gleich auch noch die Konzertbesprechungen. Vorschlag für die Überschrift: „Es war wieder ein geiler Abend“.

          Falls die Methode Usus werden sollte

          Es lohnt sich, einen Blick auf die Bedingungen zu werfen, die da gestellt werden. Für die Forderung, Aufnahmen nur ohne Blitz und nur während der ersten drei oder fünf Lieder zu machen, haben die meisten Fotografen Verständnis, auch wenn die Auslöser der neuen Kameras längst nicht mehr so laut klicken. Auch gegen die Sorge mancher Musiker, ihre Bilder würden auf Kaffeetassen und T-Shirts gedruckt, ist nichts einzuwenden. Das haben Redaktionen freilich schon deswegen nicht vor, weil die eigenen Tassen mit Zeitungsmotiven wie Blei im Regal liegen. Noch mehr Ladenhüter brauchen sie nicht. Außerdem ist diese Form von Fanartikelgeschäft gesetzlich geregelt.

          Hingegen halten es viele Fotografen für problematisch, wenn verlangt wird – zum Beispiel von der Band Simply Red –, dass Bilder, die ein Pressefotograf während des Konzerts macht, in den Besitz des Veranstalters übergehen, der sie ohne Honorar weiterverwendet. Aber wehe, der Fotograf spielt ein Lied von Simply Red, ohne Gema-Gebühr zu zahlen!

          Die Beispiele von Beyoncé und Sting setzen diese Linie fort. Sie nötigen Redaktionen, Fotografen und Nachrichtenagenturen immer wieder Diskussionen auf. Darf man für die Selbstherrlichkeit von Konzertveranstaltern oder Managern die Leser bestrafen, indem man ihnen keine Fotos von großen Konzerten zeigt? Das mag man so oder so entscheiden. Wenn die Methode Beyoncé und Sting allerdings Usus wird, ist es mit der ungehinderten Berichterstattung nicht mehr weit her. Als Nächstes müssen dann die Konzertbesucher ihre Mobiltelefone abgeben, denn mit ihnen kann man unkontrolliert Fotos machen.

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