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NS-Vergangenheit : Ein „Blutrichter Hitlers“ im Gemeindevorstand

Wirtschaftswunderzeiten: 1966 war der frühere Nazi-Jurist Manfred Roeder im Glashüttener Gemeindevorstand tätig. Bild: Kreisarchiv des Hochtaunuskreise

Als Jurist hat sich Manfred Roeder nach dem Krieg im hessischen Glashütten nützlich gemacht. Dass er im „Dritten Reich“ an vielen Todesurteilen beteiligt war, hatte für ihn keine Folgen.

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          Am Ende wird es auch darum gehen, wo man den Namen auf der Internetseite der Gemeinde findet. Noch steht Manfred Roeder unter dem Titel „historische und kulturelle Persönlichkeiten“ neben Musikern und Künstlern. Auch wenn seiner kommunalpolitischen Tätigkeit in Glashütten, wo er von 1964 bis 1968 Mitglied des Gemeindevorstands und danach bis 1971 Erster Beigeordneter war, ein Hinweis auf seine Vergangenheit vorangestellt ist: „Im Dritten Reich 1942 Chefankläger, insbesondere beim Verfahren gegen die Mitglieder der ,Roten Kapelle‘. Von diesen wurden 45 Personen zum Tode verurteilt.“ Wer mehr wissen will, wird auf den Artikel von Ingrid Berg verwiesen. Die Lokalhistorikerin forschte im Gemeindearchiv über die Tätigkeit Roeders in Glashütten und veröffentlichte darüber vor zwei Jahren einen Aufsatz im Jahrbuch des Hochtaunuskreises. Sie zeigte, dass sich damals kaum jemand an seiner Vergangenheit störte. Nicht einmal, als die Zeitschrift „Der „Spiegel“ 1968 in einer Serie über den „Spionagering Rote Kapelle“ den Generalrichter a. D. als „einen der härtesten und regimetreuesten Militärrichter“ der Nationalsozialisten bezeichnete, den die Häftlinge „Blutrichter Hitlers“ genannt hätten.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Wie mit einem solchen Mann in der Gemeindegeschichte umzugehen sei, entzweit schon länger die Menschen in Glashütten. Das fängt mit einem Schild im Wald an, das an der „Gottschalk-Fichte“ an den namengebenden Bürgermeister erinnert. Es steht in einer Station des von der Künstlerin Ines Nickchen gestalteten „Waldglaswegs“ entlang der Reste frühneuzeitlicher Glashütten. Nickchen stört sich an dem Schild in der Kunst und stieß vor fünf Jahren über die Suche nach Franz Johann Gottschalk, der von 1954 bis 1976 Bürgermeister war, auf dessen zeitweiligen Stellvertreter Roeder.

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