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Hessen und der G-20-Gipfel : Auf ins „Pjöngjang an der Elbe“

Plakativ: „Zombie“-Demo gegen den G20-Gipfel in Hamburg Bild: EPA

Hamburg wird dieser Tage „eine Enklave à la Nordkorea“, wie eine Bundespolitikerin meint. Mit von der Partie sind auch mehr als 1000 hessische Polizisten. Für den Innenminister eröffnet das ungeahnte Möglichkeiten.

          Wollten Sie schon immer mal nach Nordkorea? Und haben den Traum aufgegeben, weil Ihnen im Reisebüro gesagt wurde, die Tickets dorthin seien ziemlich teuer? Dann gibt es jetzt eine Alternative: Nur eine halbe Tagesreise entfernt liegt die Freie und Hansestadt Hamburg. Sie verwandelt sich nach den Worten einer der Freien Hanse offenbar sehr verpflichteten Bundestags-Vizepräsidentin derzeit in „eine Enklave à la Nordkorea“. Interkontinentalraketen werden zwar vorerst nicht getestet, aber am Wochenende steigt der G-20-Gipfel.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit von der Partie sind auch mehr als 1000 hessische Polizisten, denen Innenminister Peter Beuth (CDU) einen Betriebsausflug an die Elbe spendiert hat. Wenn so ein Haufen Ordnungshüter verreist, sind natürlich nicht nur Zahnbürsten im Koffer. Auf Beuths Packliste stehen unter anderem Wasserwerfer, Tauchanzüge, Boote, ein Hubschrauber und ein Polizeiflugzeug – was man halt so braucht. Zwar wird den wackeren Hessen kaum Zeit für Elphi und Fischmarkt bleiben, dafür steht eine Halbinsel auf dem Reiseprogramm, die den putzigen Namen Entenwerder trägt und auch sonst sehr reizvoll sein soll.

          Gerade keiner daheim

          Als Daheimgebliebener denkt man allerdings darüber nach, wer sich um die Sicherheit in Rhein-Main kümmert, während unsere Polizei am Elbstrand weilt. Oder andersherum: Wäre so ein Wochenende nicht ideal für einen spontanen Wohnungseinbruch oder Ladendiebstahl? Nein, lautet die Auskunft unserer Polizeireporterin. Nach Hamburg seien nur die Bereitschaftspolizisten gefahren. Die kümmerten sich auch sonst nicht um Kleinkriminalität, sondern um Großereignisse.

          Okay, aber was ist, wenn wir am Wochenende in Frankfurt eine Riesendemo haben und keine Bereitschaftspolizei? Die verblüffend einfache Antwort: Zu der Demo kann es nicht kommen, weil auch alle potentiellen Demonstranten in Hamburg sind. Ein heißer Tipp für den Herrn Innenminister: Wenn es ein langzeitbesetztes Haus gibt, das er schon immer räumen wollte – jetzt ist gerade keiner daheim.

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