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„Teststellen fehlen“ : Merklich mehr Neuinfektionen in zwei Landkreisen

Verpackt: Krankenschwester am Uni-Klinikum Gießen und Marburg im Corona-Einsatz Bild: AFP

Nach dem deutlichen Anstieg in der vergangenen Woche haben die hessischen Gesundheitsämter wieder zweistellige Corona-Neuinfektionen gemeldet. Der Rhein-Taunus-Kreis vermisst derweil Teststellen und Labore.

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          Wochenlang war die Corona-Kurve in Hessen schön abgeflacht und schien seit Anfang Juni einen Boden gebildet zu haben, bis sie in der zweiten Juli-Hälfte wieder zu steigen begann. 158 bestätigte Neuinfektionen zu Ende der vergangenen Woche hin bildeten den traurigen Höhepunkt. Auch zum Wochenende meldeten die hessischen Gesundheitsämter jeweils dreistellige neue Covid-19-Fälle. Nun aber haben sie zum zweiten Male hintereinander wieder zweistellige Neuinfektionen verzeichnet. Das ergibt sich aus den Daten des Robert-Koch-Instituts. Allerdings ist für den Kreis Groß-Gerau ein recht merklicher Anstieg von 29 auf 43 neue Fälle binnen sieben Tagen die Rede und für den Main-Kinzig-Kreis ein Sprung von 32 auf 41. Dies ergibt sich aus dem neuen Corona-Bulletin des Landes.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Beim Robert-Koch-Institut ist von 78 frischen Fällen die Rede nach 34 vom Vortag, wobei die geringe Zahl für einen Montag nicht untypisch ist: Nicht selten kommt es wegen des Wochenendes zu sogenanntem Meldeverzug. „Zwischen der Meldung durch die Ärzte und Labore an das Gesundheitsamt und der Übermittlung der Fälle an die zuständigen Landesbehörden und das RKI können einige Tage vergehen“, heißt es bei dem Bundesinstitut.

          Wie auf seiner Internetseite zu lesen ist, haben die Behörden keine weiteren Todesfälle in Verbindung mit der Pandemie registriert. Demnach sind seit Beginn der Corona-Krise offiziell 525 Todesopfer zu betrauen. Auf der anderen Seite gelten mittlerweile 11.400 Patienten als genesen. Das sind 100 mehr als an den Tagen zuvor. Daraus folgt: Auf ein Todesopfer kommen rechnerisch 21,7 Genesene, ein hoher Wert im Vergleich der vergangenen Wochen. Allerdings sind knapp 900 Infektionen noch nicht ausgestanden. Vor einigen Wochen waren es nur etwa halb so viele gewesen. Seit März summieren sich die bestätigen Covid-19-Fälle auf 12.815. Die meisten davon, mehr als 2050, vereinigt Frankfurt auf sich, die wenigsten der Vogelsbergkreis mit knapp 150.

          Lange Zeit lag auch Offenbach am Ende der Tabelle des Infektionsgeschehens. Allerdings haben Reiserückkehrer der Frankfurter Nachbarstadt zuletzt einen merklichen Anstieg beschert. Die für Lockerungen wichtige Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die neuen Fälle binnen Wochenfrist unter 100.000 Einwohnern, kletterte zwischenzeitlich auf mehr als 35. Die kritische Marke liegt bei 50. Offenbach verschärfte dessen ungeachtet die Kontrolle zur Einhaltung der Maskenpflicht im öffentlichen Raum und in der Gastronomie. Bahnfahrer ohne Mund- und Nasenschutz erhielten Bußgelder. Mittlerweile ist die Inzidenz unter 25 gesunken. Auf eine weiße Weste bei den Neuinfektionen der zurückliegenden sieben Tage und der Inzidenz kann aber weiter nur der Kreis Waldeck-Frankenberg verweisen.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          Rheingau-Taunus-Kreis: Corona-Teststellen und Labore fehlen

          Der Rheingau-Taunus-Kreis sorgt sich um die Kapazitäten für Corona-Tests in seiner Region. „Es fehlt an Teststellen im Kreisgebiet und an Labor-Kapazitäten für die Analyse, um den zu erwartenden Ansturm zu bewältigen“, teilte der Kreis am Dienstag in Bad Schwalbach auch mit Blick auf die Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten sowie die aktuellen Corona-Zahlen mit. „Kopfschmerzen“ bereite etwa, dass ein Labor in Wiesbaden, das für den Kreis getestet habe, vorläufig seine Arbeit eingestellt habe. Ein weiteres benötige wegen der erhöhten Nachfrage mehrere Tage für die Ergebnisse.

          Der Krisenstab stelle sich die Frage, ob in der aktuellen Situation die bestehenden Abstrichstellen, die Zahl der auswertenden Labore sowie der Corona-Schwerpunktpraxen als ausreichend angesehen werden können, so Gesundheitsdezernentin Monika Merkert laut der Mitteilung. Demnach hat sich die Dezernentin an die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) gewandt, auch um zu erfahren, ob Erweiterungen geplant seien. Ein KV-Sprecher sagte, derzeit sei keine Ausweitung von Teststellen vorgesehen, es solle aber ein Gespräch mit dem Kreis geben.

          Im Rheingau-Taunus-Kreis liegt die sogenannte 7-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb der vergangenen sieben Tage - laut Sozialministerium bei 19. Das ist der zweithöchste Wert in Hessen. Der Kreis appellierte an die Bürger, die Corona-Regelungen einzuhalten, die Sorglosigkeit nehme zu. (dpa)

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