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Auf der Palliativstation : „Hier wurden schon Hochzeiten gefeiert“

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Auch am Ende können Dinge noch gut werden: Christiane Gog in der Frankfurter Uniklinik Bild: Wolfgang Eilmes

Die Ärztin Christiane Gog arbeitet auf der Palliativstation. Sie spricht über den Umgang mit dem Tod, die Gefühle Sterbender und die Rolle der Angehörigen.

          Frau Gog, wie reagieren Leute, wenn Sie bei einer Essenseinladung von Ihrem Beruf erzählen?

          Im Unterschied zu Kollegen aus anderen Fachbereichen werde ich nicht sofort zur privaten Konsultation gebeten, so nach dem Motto „Ich habe da so ein komisches Ziehen links. . .“ oder „Haben Sie vielleicht ein gutes Rezept gegen Fußpilz?“. Ich höre höchstens mal ein „Wie furchtbar!“ und kann den weiteren Abend unbehelligt genießen. Mit dem Thema Sterben möchte eigentlich niemand etwas zu tun haben, wenn er nicht durch die Umstände dazu gezwungen wird.

          Aber ist das nicht verrückt? Schließlich ist es doch genau das, worauf das Leben hinausläuft. Für uns alle.

          Man weiß zwar, dass das Sterben kommt. Aber man weiß nicht, wie. Das Ungewisse macht Angst, die Aussicht, das nicht mehr managen zu können. Und man darf nicht vergessen: Sterben spricht eine Ur-Angst an, die im Instinktbereich angesiedelt ist und die wir gar nicht kontrollieren können. Wir haben alle einen unglaublichen Überlebenswillen mitbekommen. Der ganz praktisch ist, der aber auch dafür sorgt, dass wir es uns mit dem Lebensende schwermachen.

          Wie kommt man dazu, sich auf das Thema Sterben zu kaprizieren, wenn man als Ärztin doch dazu da ist, Menschen wieder gesund zu machen?

          Bevor ich Medizin studierte, war ich Krankenschwester. Und in der Krankenpflege liegt der Schwerpunkt ohnehin weniger als bei den Ärzten auf dem Kurativen. Durch meinen Doktorvater bin ich dann in der onkologischen Chirurgie gelandet, habe Tumorpatienten betreut, dann lag die Palliativmedizin sehr nahe.

          Was tun Palliativmediziner?

          Man braucht gerade hier ein breites Wissen, weil man auf so viele verschiedene Krankheitsbilder trifft. Deshalb arbeiten wir auch mit den verschiedenen Fachrichtungen zusammen. Aber unsere wichtigste Aufgabe ist das Lassen. Das ist manchmal anstrengender als etwas zu tun. Das muss man aushalten können, zu sagen: Wir befinden uns am Ende eines Weges, und wir betreiben nun hauptsächlich Symptomkontrolle, etwa durch eine Schmerztherapie.

          Wissen die Patienten, wie es um sie steht, wenn sie zu Ihnen kommen? Auch, weil Sie zu Ihnen kommen?

          Das ist unterschiedlich. Manche glauben, wir wären ihre letzte Station. Auch in der Öffentlichkeit gibt es diese Vorstellung. Aber 90 Prozent der Patienten werden aus der Palliativstation entlassen. Das ist ja das Ziel unserer Arbeit: Dass der Patient wieder in sein gewohntes Umfeld kann, um dort versorgt zu werden. Manche gehen natürlich auch in ein Hospiz.

          Wird nicht immer auch gehofft, dass es sich eigentlich um einen Irrtum handelt? Dass es noch einen Verhandlungsspielraum gibt?

          Manche wollen, dass man noch ganz viel tut. Selbst, wenn es aus medizinischer Sicht keinen Sinn mehr macht. Wie etwa, einem Patienten mit Lebermetastasen noch eine Leber zu transplantieren. Das hören wir hier relativ häufig. Eine Tumorerkrankung ist jedoch eine systemische Erkrankung. Da kann man nicht mal eben isoliert ein Organ austauschen. Das muss man dem Patienten und seinen Angehörigen in Ruhe erklären.

          Das klingt, als würde Zeit wenigstens dann einmal keine Rolle spielen, wenn sie einem gerade sehr knapp wird.

          Allein ein Aufnahmegespräch dauert bei uns anderthalb Stunden. Zuhören ist eine der tragenden Säulen eines Modells der Britin Cicely Saunders, der Begründerin der modernen Hospizbewegung. Sie war die Erste, die für die Behandlung von unheilbar kranken Menschen alle Qualitäten abgedeckt hat, die dem Menschen Leid verursachen und die ihm entsprechend auch Linderung verschaffen können: die physische, psychische, spirituelle und soziale Ebene.

          Wie hat man sich das vorzustellen?

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