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Atomkraftwerk Biblis : Bibliser fordern Steuergeld nach dem Ende der Atomkraft-Nutzung

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Stellenabbau und sinkende Übernachtungszahlen machen der Gemeinde Biblis Sorgen. Schuld ist die Schließung des AKWs Biblis. Bild: dpa

Wie geht es nach dem Ende des Atomkraftwerkes in Biblis weiter? Diese Frage wird in der Gemeinde heiß diskutiert. Die Bürger wurden nun gefragt, was sie wollen. Geld vom Bund, heißt die Antwort.

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          Nach dem Aus für das Atomkraftwerk Biblis werden in der südhessischen Gemeinde Rufe nach staatlicher Hilfe laut. Weil der wichtigste Steuerzahler wegfalle, müsse die Kommune Geld des Bundes erhalten, um über die Runden zu kommen, fordern zahlreiche Menschen aus Biblis. Sie hatten sich an einer Bürger-Umfrage beteiligt, deren Ergebnisse Bürgermeisterin Hildegard Cornelius-Gaus (parteilos) am Freitag präsentierte.

          Bei der Umfrage „Zukunft für Biblis“ haben demnach rund 1550 Bürger der 9000 Einwohner zählenden Gemeinde ihre Meinung gesagt, doppelt so viel wie erwartet. 83 Prozent befürworteten einen Rückbau des Kernkraftwerks, hieß es. Sieben von zehn Befragten forderten wegen des Atom-Aus außerdem finanzielle Unterstützung des Bundes für die Gemeinde.

          Unzufriedenheit mit dem Image

          Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 war auch für die beiden Reaktoren in Biblis das Aus beschlossen worden. Block A war 1974 ans Netz gegangen, Block B zwei Jahre später. Nun sollen sie zurückgebaut werden, was einige Jahre dauern wird. Das Kraftwerk bot einst rund 1000 Arbeitsplätze. Erste Auswirkungen hat die Gemeinde Biblis schon zu spüren bekommen. Der Stellenabbau hat begonnen, Übernachtungszahlen gehen zurück.

          Bei Fragen rund um die Wirtschaft haben die Bibliser der Umfrage zufolge eher Bauchschmerzen. Nur ein Drittel finde die Situation gut. Über 70 Prozent der Unternehmer seien mit dem Image der Gemeinde nicht zufrieden.

          Es zählt die Doppelstrategie

          Parallel dazu wurde auch eine Standortanalyse abgeschlossen. Das vorläufige Resultat: Biblis müsse eine Doppelstrategie für Wirtschaft und Lebensqualität verfolgen. Einfach nur zusätzliche Gewerbeflächen anzubieten sei wegen der Konkurrenz anderer Kommunen keine Lösung.

          Das Beratungsunternehmen ExperConsult beginnt nun mit der Ausarbeitung eines Standortentwicklungskonzeptes. Die Ergebnisse der Bürgerumfrage sollen dabei berücksichtigt werden. Das Konzept soll bei einem Bürgerforum Anfang nächsten Jahres präsentiert werden.

          Einige Bürger hätten die Umfrage genutzt, Kritik zu äußern. Die Verwaltung müsse bürgerfreundlicher und stärker serviceorientiert sein, mehr Kreativität, Aktivität und Transparenz zeigen. „Wer Kritik äußert, dem ist die Gemeinde nicht egal. Daraus werden wir etwas machen“, versprach Cornelius-Gaus in der Mitteilung.

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