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Oberursel : Container für Asylbewerber werden geschlossen

Containerdorf: Die Unterkunft für Asylbewerber in Oberursel soll geschlossen werden. Bild: ddp

Die Containerunterkunft für Asylbewerber in Oberursel wird abgerissen. Uneinig ist der Kreistag noch darüber, ob künftig mehr als 50 Personen an gleicher Stelle wohnen sollen.

          2 Min.

          Die Containerunterkünfte für Asylbewerber an der Karl-Hermann-Flach-Straße in Oberursel sollen „unwiderruflich“ geschlossen werden. Außerdem soll der Kreisausschuss bei Beherbergungsverträgen die Empfehlungen der Liga der freien Wohlfahrtsverbände berücksichtigen, die bestimmte Standards für Lage, Größe, Ausstattung und Betreuung von Gemeinschaftsunterkünften enthalten. Diese beiden 2011 und 2012 gefassten Beschlüsse hat der Kreistag am Montag einstimmig erneuert. Die Kreisbeigeordnete Katrin Hechler (SPD) hatte vor einigen Wochen öffentlich geäußert, die alten Container in Oberursel würden zwar abgerissen und durch neue Unterkünfte ersetzt. An dem Standort sollten aber weiterhin bis zu 200 Menschen untergebracht werden.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Damit waren die Linken nicht einverstanden. In einem Antrag forderten sie, die Zahl der Flüchtlinge auf höchstens 50 zu beschränken, wie es die Wohlfahrtsverbände rieten. Deshalb sollten zusätzliche Grundstücke im Kreis als Quartiere erschlossen werden. Mit dem Abbau der Container habe man die Chance, etwas Neues zu schaffen, sagte Stefanie Lohnes (Die Linke). Statt die Empfehlungen der Liga nur als Richtlinie zu nehmen, solle man die dort genannte Obergrenze festschreiben. Die Lage der Unterkunft im Industriegebiet erschwere ohnehin die Integration. Anstelle eines privaten Betreibers müssten künftig der Kreis oder eine karitative Organisation für die Unterkunft zuständig sein, forderte Lohnes.

          75 Prozent mehr Flüchtlinge als im Vorjahr

          Die Grünen legten einen Änderungsantrag vor, der die beiden schon einmal gefassten Beschlüsse enthielt. Die damaligen Vorgaben seien ausreichend, sagte Christina Herr (Die Grünen). Allerdings sei man sich einmal einig gewesen, dass 200 Personen an einem Ort zu viel seien. Die Obergrenze von 50 müsse nicht strikt gelten: „Wir können auch über 60 oder 80 diskutieren, nicht aber über das Vierfache“, sagte Herr. Sie kritisierte die Informationspolitik der Sozialdezernentin, weil man von den Plänen aus der Zeitung erfahren habe. „Sie hätten jederzeit zu mir kommen können“, entgegnete Hechler. Die Absicht, auch neue Gebäude am alten Standort für so viele Menschen vorzusehen, begründete sie mit der Steigerung der Flüchtlingszahlen um 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem werde der Kreis erst drei Tage vorher über Neuankömmlinge informiert. Deren schiere Zahl und die verfügbaren Wohnungen ließen zu Sammelunterkünften keine Alternative. Die Beseitigung der Container in Oberursel ziehe sich wegen der komplizierten Grundstücksverhältnisse hin.

          Den bisherigen Standort verteidigten sowohl der Oberurseler Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) als auch der vor Hechler für Asylbewerber zuständige Erste Kreisbeigeordnete Uwe Kraft (CDU). Er liege verkehrsgünstig und nicht weit von der Innenstadt. In Zusammenhang mit der Suche nach Unterkünften kritisierte Kraft noch einmal, dass ein früher als Hotel genutztes Objekt in Bad Homburg von Oberbürgermeister Michael Korwisi und Sozialdezernent Dieter Kraft (beide die Grünen) aus Brandschutzgründen abgelehnt worden sei. Was wiederum Friedrichsdorfs Bürgermeister Horst Burghardt (Die Grünen) erboste. Ein Hotel sei mit einer Unterkunft nicht zu vergleichen und bei einer Umnutzung der Brandschutz neu zu bewerten, sagte Burghardt. Das stimme zwar, so Kraft, doch habe er nicht das Gefühl gehabt, Bad Homburg sei an einer Lösung interessiert gewesen.

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