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Bouffier vermisst Mitsprache : Impf-Sondertermine auch für Leute unter 60 in Frankfurt

Der Stoff, der die Sondertermine ermöglicht: Corona-Impfstoff von Astra-Zeneca Bild: dpa

Das RKI meldet für Hessen mehr Corona-Fälle als vor einer Woche. Frankfurt beschleunigt die Impf-Kampagne. Heraeus impft selbst. Und Bouffier vermisst unter anderem gute Lösungen für den Vereinssport.

          3 Min.

          Es ist nicht leicht, den Überblick über die Corona-Lage zu behalten: In allen hessischen Landkreisen und Großstädten greift die neue Regel für die nächtliche Ausgangssperre. Die Hälfte der Kreise und alle Großstädte außer Darmstadt liegen zudem über der Marke, die Präsenzunterricht an den Schulen ausschließt. Das gilt etwa für Frankfurt. Andererseits erlaubt die regionale Inzidenz mancherorts Einkaufen nach dem Prinzip „Click and Meet“. Diese Möglichkeit nutzen nicht nur große Möbelhäuser und Textilanbieter, um wieder Kundschaft zu bedienen und Umsatz zu machen (siehe Kasten unten). Frankfurt beschleunigt derweil seine Impf-Kampagne mit einer überraschenden Aktion. Das Hanauer Technologieunternehmen impft mittlerweile Mitarbeiter selbst. Das Interesse ist nach Angaben eines Sprechers sehr groß. Und Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) übt Kritik am Zustandekommen der Novelle des Infektionsschutzgesetzes.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat wie schon zum Montag mehr neue Fälle als vor einer Woche gemeldet. Die Inzidenz, das sind die binnen Wochenfrist eingelaufenen Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern, ist leicht auf 177 gesunken, aber über dem bundesweiten Durchschnitt von 168. Allerdings prägt der Meldeverzug auf Seiten der Labore, die wochenends vielfach nicht arbeiten, sowie der Gesundheitsämter die Daten: Sie fallen viel niedriger aus, als das etwa am Samstag noch der Fall war. Die Zahl der Neuinfektionen ist also mit Vorsicht zu genießen.

          Sondertermine für Leute unter 60

          Das gilt nach dem Stand der Dinge aber nicht für die Angaben zum Impffortschritt. Demnach liegt Hessen am Ende der Tabelle der Bundesländer, jedenfalls bei den Erstimpfungen. Besser sieht es dagegen bei der Quote der Durchgeimpften aus. Dort rangiert Hessen über dem Durchschnitt im Bund.

          Das Impfzentrum Frankfurt vergibt derweil Sondertermine auch für Impfwillige unter 60 Jahren aus den Prio-Gruppen 1-3. Verfügbar sind Termine von Mittwoch, 28. April, bis Dienstag, 4. Mai. Gegeben wird das Produkt von Astra-Zeneca an. Natürlich gilt das Angebot auch für alle Berechtigten über 60, die bisher noch nicht geimpft worden seien. Die Anmeldungen für die zusätzlichen Impftermine seien über das Portal Terminland unter https://www.terminland.de/impfzentrum-frankfurt/ möglich. „Für die Aktion stehen circa 5500 Sondertermine zur Verfügung. Zusammen mit den über die Landeshotline vergebenen Terminen erreicht unser Impfzentrum damit seine Maximalkapazität von täglich 4000 Terminen“, lässt Dezernent Stefan Majer wissen. Die Impfkommission empfiehlt, Personen über 60 mit dem Produkt zu impfen; Jüngere können es aber nach einem ausführlichen Arztgespräch auch bekommen.

          „Gesetz wäre besser geworden“

          Bouffier hätte sich bei den Änderungen am Infektionsschutzgesetz in der Corona-Pandemie mehr Mitsprache der Länder gewünscht. Er bedauere es, dass der Bundestag nicht die Gelegenheit genutzt habe, die vielfältigen praktischen Erfahrungen der Länder und Kommunen in die Beratungen mit einzubeziehen, sagte er am Dienstag im Landtag in Wiesbaden laut dpa. Er sei überzeugt, dies hätte das Gesetz besser gemacht. Die Länder müssten ja letztlich die Regelungen vor Ort umsetzen.

          Shopping im Corona-Modus: Die Inzidenz im Main-Taunus-Kreis erlaubt „Click and Meet“ im MTZ
          Shopping im Corona-Modus: Die Inzidenz im Main-Taunus-Kreis erlaubt „Click and Meet“ im MTZ : Bild: Wonge Bergmann

          Er hätte sich auch eine „praktikable Regelung“ zum Vereinssport gewünscht, nicht nur im Interesse von Kindern und Jugendlichen, sagte Bouffier. Im Bundesrat habe es keine Möglichkeiten mehr gegeben, durch Einzelanträge einzuwirken. Mit Blick auf eine möglichst schnelle Entscheidung habe sich Hessen wie andere Länder auch dazu entschlossen, nicht den Vermittlungsausschuss anzurufen. „Weil wir nämlich wollten, dass die Maßnahmen möglichst rasch wirken“, sagte er nach Angaben der dpa.

          Offenbach bleibt Hotspot

          Das RKI hat über Nacht 612 Fälle verzeichnet nach 571 vor einer Woche. Seit Beginn der Pandemie vor gut einem Jahr hat es 256.451 Infektionen registriert. Das entspricht 3,9 Prozent der Landesbevölkerung. 23.700 Fälle gelten als aktiv, also als nicht ausgestanden; 1000 weniger als am Vortag.

          48 weitere Tote im Zusammenhang mit der Pandemie gilt es zu betrauern. Vor einer Woche hatte das für die Seuchenbekämpfung zuständige Bundesinstitut 38 weitere Todesfälle gemeldet. Alles in allem summieren sie sich auf 6802.

          Die Inzidenz-Tabelle in Hessen führt Offenbach mit dem Wert 308 an. Der Landkreis Offenbach kommt dagegen nur auf 157. Über der Marke 200 rangieren Frankfurt (201) und Kassel (210) sowie die Kreise Fulda und Hersfeld-Rotenburg mit jeweils 256, Limburg-Weilburg (244) und Gießen (213).

          Dagegen erlaubt die Inzidenz unter 150 etwa im Main-Taunus-Kreis und im Kreis Darmstadt-Dieburg „Click and Meet“. Das gilt auch für den Vogelsberg, den Kreis Waldeck-Frankenberg oder den Schwalm-Eder-Kreis, vor allem aber für die Wetterau, die mit 104 derzeit die niedrigste Corona-Kennziffer aufweist.

          Folgen der „Notbremse“

          Ausgangssperre: Sie gilt wie alle Regeln von Samstag an zwischen 22 und 5 Uhr in Kreisen und größeren Städten von einer Inzidenz von 100 an, sofern diese an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten wurde. Spazierengehen und Joggen sind noch bis 24 Uhr erlaubt, dann darf das Haus nur noch aus triftigem Grund verlassen werden (Arbeit, medizinischer Notfall, Betreuung von Alten, Kindern und Kranken, Hund ausführen).

          Hochschulen, Schulen und Kitas: Auch in Hessen ist nun nicht mehr eine Inzidenz von 200, sondern 165 die Grenze, bis zu der Präsenzunterricht und -lehrveranstaltungen erlaubt sind. Kitas dürfen dann nicht mehr für den Regelbetrieb, sondern nur noch für eine Notbetreuung geöffnet werden. Ausnahmen gelten für Abschlussklassen und Förderschulen; das müssen die Länder eigenständig regeln. Wo Unterricht erlaubt ist, besteht die Testpflicht fort. Laborpraktika, Präsenzprüfungen und Forschungsbetrieb an Hochschulen können stattfinden.

          Am Arbeitsplatz: Es gilt fortan eine Pflicht zum Homeoffice – soweit es möglich ist. Das heißt, der Arbeitgeber muss die Möglichkeit anbieten, der Arbeitnehmer sie annehmen, sofern der Platz zu Hause ausreicht und die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Für alle, die in den Betrieb kommen, muss das Unternehmen zwei Tests pro Woche ermöglichen.

          Einkaufen: Unabhängig von Inzidenzwerten bleiben Geschäfte des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Medikamente, Brillen, Bücher, Blumen) geöffnet. Ansonsten gilt: Unter 150 dürfen auch andere Läden öffnen und „Click & Meet“ anbieten, darüber nur nach dem Prinzip „Click & Collect“. Die Länder dürfen eigene Regelungen treffen – sofern sie schärfer sind. Für die Zahl der Kunden gilt nun (unabhängig von der Inzidenz) bundesweit: Bei einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter darf ein Kunde je 20 Quadratmeter im Laden sein, darüber hinaus darf ein weiterer je 40 Quadratmeter hinzukommen. Gegenüber der bisherigen Regel in Hessen bedeutet das eine Verschärfung.

          Frisuren und Kosmetik: Friseursalons und Fußpflegestudios bleiben geöffnet. Allerdings müssen Personal und Kunden Masken tragen und einen aktuellen Corona-Test (höchstens 24 Stunden alt) vorweisen. Tattoo- und Kosmetikstudios müssen schließen. (hs.)

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