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Weitere Moschee geplant : Aschaffenburgs erstes Minarett

  • -Aktualisiert am

Premiere: Das „Minarettchen“ von Aschaffenburg - einst ein Aufregerthema Bild: Wohlfahrt, Rainer

Nach dem Islamischen Arbeiterverein will nun auch die Ditib-Gemeinde in Aschaffenburg eine neue Moschee mit Turm bauen. Das erste Minarett in der Stadt fällt kaum auf - vorher hatte es viel Streit darum gegeben.

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          Als 2009 bekannt wurde, dass der Islamische Arbeiterverein in Aschaffenburg eine Moschee mit Minarett bauen wolle, ist ein heftiger Streit ausgebrochen. Die Ablehnung war groß, und die Debatte war emotionsgeladen. Seit kurzem steht das Minarett. Und niemand hat bislang von dem Turm Notiz genommen.

          Das mag auch daran liegen, dass die Moschee abseits im Gewerbegebiet Schweinheim auf dem Gelände der früheren Graves-Kaserne, Ecke von Nürnberger und Fürther Straße, liegt und das Minarettchen kaum das Dach des Gebetshauses überragt. Nachdem der Stadtrat Anfang 2010 eine Bauvoranfrage mehrheitlich positiv beschieden hatte, herrschte Ruhe. Denn auf dem Grundstück tat sich lange nichts, weil die Vereinsmitglieder die ehemalige Wagenhalle der amerikanischen Streitkräfte vorwiegend in Eigenleistung selbst renovierten und umbauten.

          Ob sich Aschaffenburgs erstes Minarett, das noch verziert wird, immer noch als Aufreger-Thema eignet, ist zweifelhaft. Allerdings könnte die Debatte wieder aufflammen, weil auch die Ditib-Gemeinde eine neue Moschee mit Gebets-, Schulungs- und Waschräumen sowie einem Minarett errichten will.

          Gespräche mit Ditib über Neubau

          Wie viele andere Gotteshäuser ist auch die Moschee des türkischen Religionsvereins in einer ehemaligen Fabrik in einem Hinterhof untergebracht. Ditib, die mit 380 Mitgliedern größte muslimische Gruppe in Aschaffenburg, will dieses alte Gebäude an der Hanauer Straße 50 abreißen und am selben Standort neu bauen. Stadtentwicklungsreferent Bernhard Keßler bestätigte, dass die Stadt bereits Gespräche mit Ditib über das neue Vorhaben führe. Wann ein Bauantrag eingehen werde, sei offen, sagte er. Von Ditib war gestern niemand zu erreichen.

          In Aschaffenburg gibt es nach Auskunft von Oliver Theiß vom Oberbürgermeisterbüro acht Moscheen und etwa 4200 Menschen muslimischen Glaubens. Die meisten Gotteshäuser befinden sich in der Bahnhofsgegend in Hinterhöfen.

          Auch der Islamische Arbeiterverein, dem vorwiegend Marokkaner angehören, hatte dort früher sein Domizil. Seine Moschee war in der zweiten Etage eines Wohnhauses an der Ludwigstraße untergebracht. Die Räume waren jedoch zu klein für die etwa 40 Familien, die dem Verein angehören. Schon im Januar 2007 hatte der Verein eine Bauvoranfrage für den Umbau und die Erweiterung der Lagerhalle zu einer Gebetsstätte sowie für die Errichtung des Minaretts gestellt. Doch es dauerte drei Jahre, bis der Stadtrat sich in der Lage sah, über die Pläne abzustimmen.

          Es war die erste öffentliche Auseinandersetzung darüber, wie die Kommune mit den hier lebenden Muslimen und ihrem Bedürfnis, ihren Glauben zu leben, umgehen will. Auffällig war damals, dass sich Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) in der Debatte völlig herausgehalten hatte, obwohl er sonst für Toleranz und Integration eintritt und sich etwa beim NPD-Aufmarsch im vergangenen September in Aschaffenburg in die erste Reihe der Demonstranten eingereiht hatte. Es war vor allem die katholische Kirche, die sich vor viereinhalb Jahren mit eigenen Veranstaltungen um eine Versachlichung des Themas bemüht hatte.

          Beschallung mit Gebetsrufen verboten

          Der Moscheebau war nur unter strengen Auflagen genehmigt worden. Von dem Antragsteller wurde verlangt, Geruchsbelästigungen und den Lärm der umgebenden Gewerbebetriebe auch an Wochenenden zu dulden. Zudem wurde jede Beschallung mit Gebetsrufen verboten, und es wurde festgelegt, dass der Turm nicht höher als 9,50 Meter sein darf.

          Keßler hatte damals darauf hingewiesen, dass das Minarett deutlich unterhalb der nach dem Bebauungsplan zulässigen Traufhöhe von 12,50 Metern liege. Die Begrenzung der Höhe hatte im Stadtrat für Kritik gesorgt, weil der Pylon des Unternehmens Bauhaus oder das Werbeschild von McDonald’s wesentlich höher und massiver sind als das Minarett. Die CSU war mehrheitlich gegen das Minarett gewesen. Sie hatte ihr Votum mit der negativen Stimmung in der Bevölkerung begründet und gemeint, Integration könne nur gelingen, wenn man die Bürger mitnehme.

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