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Aschaffenburg : Schleppende Rathaus-Sanierung

  • -Aktualisiert am

750 Fenster: Das Aschaffenburger Rathaus bietet den darin Beschäftigten keine idealen Bedingungen. Im Sommer ist es schon einmal mehr als 30 Grad warm. Bild: Rainer Wohlfahrt

Fast zehn Jahre nach einem alarmierenden Bericht über Bau- und Sicherheitsmängel in dem Verwaltungsgebäude wird 2015 immerhin ein Dach erneuert.

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          2005 zeichnete der Architekt Werner Haase dem Stadtrat bei der Vorstellung des Sanierungskonzepts für das Aschaffenburger Rathaus ein dramatisches Bild von den Sicherheitsmängeln in dem Fünfziger-Jahre-Bau. Die Baukosten wurden mit elf bis zwölf Millionen Euro angegeben. Fünf Abschnitte sollten bis zum Jahr 2011 verwirklicht werden. Doch geschehen ist seitdem fast nichts.

          In den Büros ist es im Winter nach wie vor kalt, und im Sommer herrschen in dem unter Denkmalschutz stehenden Rathaus mit seinen 750 Fenstern Temperaturen von mehr als 30 Grad. In seiner jüngsten Sitzung hat der Stadtrat einer Dach- und Fassadensanierung zugestimmt. Dieser erste, 6,5 Millionen Euro teure Bauabschnitt, der nur die Gebäudehülle betrifft, wird erst 2018 vollendet sein.

          Zugesagte Fördermittel widerrufen

          Die Gesamtkosten für die energetische Modernisierung von Rathaus und Sitzungssaalgebäude liegen inzwischen bei rund 20 Millionen Euro. Diese Summe wird aber wegen möglicher Preissteigerungen wahrscheinlich nicht reichen. Die Frage, wann die Innensanierung in Angriff genommen wird, ist derzeit offen. Der zweite Bauabschnitt gilt als kompliziert, weil das Rathaus zwar wie ein massives Sandsteingebäude wirkt, jedoch aus einem Stahlbetonskelett mit gemauerten Gasbetonsteinen besteht. Die historische Sandsteinfassade darf nicht verändert werden. Das heißt, gedämmt werden muss von innen. Geplant sind eine Innendämmung mit Wandheizung und eine Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung. Diese Arbeiten machen den vorübergehenden Umzug der Beschäftigten aus ihren Büros notwendig.

          Das ständige Verschieben der Rathaus-Sanierung hat weniger mit den Finanzen als mit Prioritäten zu tun. Lange Zeit stand der Straßenbau in Aschaffenburg an erster Stelle. Jetzt wird in die Schulen investiert. Die Verwaltung unter Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) bestand trotz der Sicherheitsmängel nicht auf einer zügigen Generalinstandsetzung, weil sie offenbar den Anschein vermeiden wollte, ihr sei die Situation der Beschäftigten wichtiger als der Zustand der Schulen. Die Verzögerung hat auch dazu geführt, dass zugesagte Fördermittel in Millionenhöhe widerrufen wurden. Die Zuschüsse müssen abermals beantragt werden.

          Asbestplatten im Dach

          Nach Angaben von Heike Richter vom Hochbauamt wurden 2014 die dringendsten Brandmängel im Innern beseitigt, und Brandmelder, eine Rauchdruckanlage sowie Rauchabschlusstüren wurden eingebaut. In diesem Jahr steht die Dachsanierung des Flachbaus an der Dalbergstraße an, für die im Haushalt 285000 Euro bereitsteht. 2016 soll in diesem Gebäudeteil mit dem Austausch aller Fenster begonnen werden. Die Kosten liegen bei 1,5 Millionen Euro. Im eigentlichen Verwaltungssitz wird frühestens 2016 zunächst das undichte Dach erneuert, bevor dann 2017 die Sanierung des glaskuppelüberdachten Innenhofs beginnt. Die Situation in diesem Lichthof war von dem Architekten besonders kritisiert worden. In den siebziger Jahren waren dort Asbestzementplatten und Kunststoff-Fenster eingebaut worden, die bei einem Feuer zerspringen und die darunter befindliche Glaskuppel zerstören und damit den Rettungsweg vom dritten Stock ins Erdgeschoss blockieren würden. Erst für 2017/2018 ist geplant, auch in dem Verwaltungsgebäude hochwertige Fenster mit integriertem Sonnenschutz einzubauen. Nach dem Ende dieses ersten Bauabschnitts sollen sich die Arbeitsbedingungen für die 400 Rathausmitarbeiter schon deutlich verbessern.

          Die schleppende Sanierung hat auch Folgen für die geplante Museumsmeile. Denn wenn die Handwerker im Innern des Rathauses anrücken, müssen die Beschäftigten in ein Ausweichquartier umziehen. Dafür vorgesehen ist die ehemalige Fachoberschule in der Altstadt, die kulturell genutzt werden soll.

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