https://www.faz.net/-gzg-7k2qo

Aschaffenburg : Caritas sieht Teilerfolg für Asylbewerber

  • -Aktualisiert am

Unterschlupf: Blick in einen Raum der Gemeinschaftsunterkunft in Aschaffenburg, in der 350 Asylbewerber leben Bild: Wohlfahrt, Rainer

Die in einer Gemeinschaftsunterkunft lebenden 350 Asylbewerber können Konten bei der Sparkasse Aschaffenburg eröffnen. Geduldete profitieren noch nicht von neuer Regelung.

          2 Min.

          Als „Teilerfolg“ wertet Caritas-Geschäftsführer Dieter Fuchs, dass die Mehrzahl der rund 350 Asylbewerber, die in der Aschaffenburger Gemeinschaftsunterkunft leben, seit kurzem Konten bei der Sparkasse Aschaffenburg eröffnen können. Die Bank hatte bisher den meisten Asylbewerbern Konten verweigert. Schon in dieser Woche hätten 22 Asylbewerber in Begleitung eines Caritas-Sozialarbeiters die Bank aufgesucht, um das Angebot wahrzunehmen. Fuchs ist zwar erleichtert, dass die Caritas jetzt nicht mehr, wie in den vergangenen Jahren, Geldgeschäfte für die Menschen in der GU erledigen muss und sich nun wieder mehr auf die Flüchtlingsberatung konzentrieren kann, dennoch bleibt ein Wermutstropfen.

          Bisher kommen nach Schätzungen der Caritas lediglich zwei Drittel der Bewohner der Unterkunft in den Genuss eines Kontos, etwa ein Drittel von ihnen, die Geduldeten, müssen weiterhin auf dieses Privileg verzichten. Dabei sei es doch ein „Menschenrecht“, ein Konto zu haben, argumentiert Fuchs, der bei der Sparkasse einen weiteren Vorstoß unternehmen wird, damit in Zukunft alle Asylsuchenden von der neuen Regelung profitieren können.

          Vorbilder Miltenberg und Würzburg

          Im Herbst hatte sich die Caritas in einem Schreiben mit ihrem Anliegen an Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) in seiner Funktion als Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse gewandt und unter anderem daraufhingewiesen, dass die Sparkassen Würzburg und Miltenberg für Asylbewerber Konten eingerichtet haben. Die Caritas, die seit 20 Jahren für die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Sozialberatung anbietet, wollte nicht länger die Aufgaben der Banken übernehmen. Bisher wurden alle Überweisungen von Asylbewerbern, etwa für Anwaltskosten, über Caritas-Konten abgewickelt. „Das war ein Riesenaufwand für uns“, sagt Fuchs.

          Auch die Stadt Aschaffenburg hat auf die Initiative der Caritas und auf einen entsprechenden Antrag der SPD-Stadtratsfraktion reagiert und das Gespräch mit der Sparkasse Aschaffenburg gesucht. Es sei „relativ schwierig“ gewesen, mit der Bank zu verhandeln, sagte Sozialamtsleiter Harald Menzel während der Stadtratssitzung am Montag. Er ist jedoch zuversichtlich, dass die Einschränkung für die Geduldeten bald nicht mehr gelten wird. „Wir werden die rechtlichen Bedenken der Sparkasse noch in diesem Jahr ausräumen können.“ Er wird in einem Schreiben an die Sparkasse auch auf eine Empfehlung des Deutschen Sparkassenverbandes hinweisen, wonach Konten für Asylbewerber uneingeschränkt eröffnet werden können.

          82 bis 140 Euro in bar monatlich

          Die Stadt hat selbst ein großes Interesse daran, dass die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft über Konten verfügen. Bisher zahlt die Verwaltung die monatlichen Geldleistungen für die Asylbewerber in Höhe von 82 bis 140 Euro in bar aus. Wenn von Februar 2014 an, wie bereits von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) angekündigt, in den bayerischen Gemeinschaftsunterkünften die Essenspakete durch Geldleistungen ersetzt werden, muss die Stadt etwa doppelt so viel Bargeld auszahlen. Dann werde es jedoch problematisch, sagte Menzel, der darauf setzt, dass bis dahin der bargeldlose Zahlungsverkehr funktionieren wird.

          Die Stadtratsfraktionen von CSU, Grünen, Kommunaler Initiative und FDP unterstützten den SPD-Antrag, in dem Konten für Asylbewerber bei der Sparkasse Aschaffenburg gefordert werden. Die SPD kritisiert darin auch die „bürokratische Bankenpraxis“ in Aschaffenburg. Dabei stehe nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz einem Bankkonto für Asylsuchende nichts im Wege. Herzog sicherte zu, dass alles dafür getan werde, dass bis zum 1. Februar Konten ohne Einschränkungen eröffnet werden können.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde.

          Wechsel an der EZB-Spitze : Draghi und die Deutschen

          Nirgendwo ist EZB-Präsident Mario Draghi auf so viel Protest gestoßen wie in Deutschland. Am Ende hat er die Macht der Europäischen Zentralbank überdehnt. Eine Bilanz.

          Ukraine-Affäre : Stehen die Republikaner weiter hinter Trump?

          Der amerikanische Botschafter in der Ukraine, William Taylor, hat Donald Trump vor dem Kongress schwer belastet. Die Republikaner reagierten mit Solidaritätsbekundungen, aber einige in der Partei setzen sich auch von ihrem Präsidenten ab.

          Sorgen beim FC Bayern : „Es muss alles besser werden“

          Drittes Spiel, dritter Sieg: Doch die Münchner zeigen in der Champions League in Piräus viele Mängel. Sportdirektor Salihamidzic übt deutliche Kritik. Dazu kommt Verletzungspech. Der nächste Spieler fehlt lange.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.