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Aschaffenburg : 135 Millionen Euro für eine neue Schleuse im Main

  • -Aktualisiert am
Stammt aus den zwanziger Jahren und muss saniert werden: Mainschleuse Obernau
          2 Min.

          Die zwischen 1926 und 1930 errichtete Obernauer Schleuse ist marode. Um den Schiffsbetrieb auf dem Main-Donau-Kanal nicht zu gefährden, will das Wasserstraßen-Neubauamt in Aschaffenburg die 300 Meter lange Kammer durch einen Neubau ersetzen. Wie kompliziert das Projekt ist, zeigt die Tatsache, dass im Jahr 2007 die Kosten mit 60 Millionen Euro angegeben wurden und die Verantwortlichen zuversichtlich waren, nach dem Planfeststellungsbeschluss schon 2011 mit dem Neubau beginnen zu können. Nach zahlreichen Untersuchungen, Modellversuchen in den Hallen der Bundesanstalt für Wasserbau in Karlsruhe, Proberammungen und Kampfmittelsondierungen steht heute fest, das weder Kosten noch Zeitplan zu halten sind.

          Wie der für den Anlagenausbau zuständige Sachbereichsleiter Elmar Wilde mitteilte, wird die neue Schleuse 135 Millionen Euro kosten. Das Planfeststellungsverfahren werde voraussichtlich 2013 eingeleitet. Mit dem Beschluss rechnet er für 2014. Anschließend muss das Projekt europaweit ausgeschrieben werden. Wilde erwartet den Baubeginn für das Frühjahr 2016. Die Bauzeit gibt er mit sieben Jahren an.

          Wasserkraftwerk soll integriert werden

          Die 80 Jahre alte Schleuse gilt als historisches Wahrzeichen Obernaus. In der Mitte des Flusses regelt die Wehranlage mit drei Feldern den Wasserstand. Am westlichen Ufer befindet sich ein Wasserkraftwerk, das erhalten und in die neue Anlage integriert wird. Ursprünglich wollte der Bund die Schleuse an Land bauen. Dies hätte erhebliche Eingriffe am Ufer bedeutet. Zudem hätten zahlreiche Anwohner enteignet werden müssen. Politiker und Bürger intervenierten massiv gegen diese Planungen. Ihr Protest zeigte Wirkung.

          Bereits 2007 gab die Behörde nach und erklärte sich bereit, die neue Kammer neben der bestehenden im Fluss zu bauen, obwohl diese Variante erheblich teurer ist. Wilde räumte ein, „dass wir dafür häufig kritisiert werden“. Ein Neubau an Land wäre nach seinen Worten deutlich günstiger gewesen. Noch preiswerter wäre eine Grundinstandsetzung der vorhandenen Schleuse gewesen. Allerdings verwarf das Wasserstraßen-Neubauamt diese Idee, da eine Sanierung unter laufendem Betrieb den Schiffsverkehr beeinträchtigen und hohe volkswirtschaftliche Kosten verursachen würde.

          Explosive Hinterlassenschaften

          Wilde zufolge wurde in Karlsruhe im Maßstab 1:40 ein 60 Meter langes und zwölf Meter breites physikalisches Modell der Staustufe Obernau aufgebaut. Für die unterschiedlichen Bauphasen simulierte man ein Hochwasser. Es galt herauszufinden, ob das Wasser trotz der Arbeiten im Fluss und auch später nach Fertigstellung des Bauwerks abfließen kann. Im Sommer dieses Jahres wurde der Main nach explosiven Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg abgesucht. Wilde zufolge hatte es mehrere hundert Verdachtmomente gegeben. Doch die Taucher hätten nur Schrott und eine Pistole gefunden, sagte er.

          Schon vor zwei Jahren waren verschiedene Verfahren getestet worden, wie sich die rund 2500 Spundwände aus Stahl, die die Hülle der künftigen Schleusenkammer und der Mole bilden, am besten in den Untergrund treiben und befestigen lassen. Gleichzeitig wurden die Schallemissionen und Erschütterungen gemessen. Wilde spricht von einem anspruchsvollen Baugrund, der von Sand und Kies bis zum Felsen reiche.

          Naherholungsgebiet mit touristischem Wert

          Die Stadt Aschaffenburg sowie die Gemeinden Sulzbach und Niedernberg, auf dessen Gemarkung die größten Eingriffe durch den Schleusen-Neubau zu erwarten sind, sehen das Vorhaben auch als eine Chance, die Mainauen neu zu gestalten. Nach ihrem Willen soll dort ein Naherholungsgebiet mit touristischem Wert entstehen. Um ihre Wünsche gegenüber den staatlichen Interessen durchsetzen zu können, trafen die drei Kommunen jüngst eine interkommunale Vereinbarung zur Entwicklung des „Schleusenparks Obernau“. Diese sieht auch eine barrierefreie Rad- und Fußgängerverbindung über den Main vor.

          Wilde zufolge ist das Thema „Schleusenpark“ noch nicht mit ihm besprochen worden. Er hob hervor, dass das neue Wehr einen begehbaren Steg erhalten werde, der auch öffentlich genutzt werden könne. Voraussetzung sei allerdings, dass die Gemeinden die Verkehrssicherungspflicht gewährleisteten und die Mehrkosten für Barrierefreiheit übernähmen.

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