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Frankfurter Filmarchiv : Artur Brauners Erbe lebt weiter

Enge Verbindung: Artur Brauner und das Deutsche Filmmuseum Bild: Marcus Kaufhold

Der Berliner Filmproduzent Artur Brauner hat ein riesiges Filmarchiv hinterlassen. Das einmalige cineastische Erbe lebt in Frankfurt weiter.

          Geschäftsarchiv klingt profan. Es ist ein großer Teil der westdeutschen Filmgeschichte seit 1946, die im neuen Fassbinder Center des Deutschen Filminstituts und Filmarchivs (DFF) in Frankfurt lagert. Grün für Produktionen, blau für Korrespondenzen, rot für Rechtefragen, meterweise reihen sich die Aktendeckel der Central Cinema Company, besser bekannt als CCC, dort in einem eigenen Archivraum aneinander, auch ein Fotoarchiv und Filmkostüme beherbergt das DFF. Die Berliner CCC hat der Filmproduzent Artur Brauner 1946 aus dem Nichts gegründet.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Artur Brauner, am 1. August 1918 in Lodz geboren, hat anders als die meisten seiner Verwandten wie durch ein Wunder den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg überlebt. „Trala-la“-Filme nannte Brauner die Unterhaltungsproduktionen, mit denen er seit Ende der vierziger Jahre erfolgreich gewesen ist und Stars wie O. W. Fischer, Lilli Palmer, Romy Schneider, Götz George, Maria Schell oder Gert Fröbe engagiert hat. Die Unterhaltung diente auch der Finanzierung anspruchsvoller, aber oft deutlich weniger erfolgreicher Filme – rund 700 sind bei der CCC entstanden. Brauner, der nun am 7. Juli, kurz vor seinem 101. Geburtstag, in Berlin gestorben ist, hat schon 1989 begonnen, Zug um Zug sein Firmenarchiv an das Deutsche Filmmuseum zu geben.

          Den Holocaust und seine Opfer in Erinnerung halten

          Seither wird daran rege geforscht, Ausstellungen und Bücher sind daraus hervorgegangen. Ende der achtziger Jahre hatte die spätere Direktorin des DFF, Claudia Dillmann, von ihm die ersten 30 Jahre Firmengeschichte überlassen bekommen. Das Unternehmen, das seit einigen Jahren von Alice Brauner, Brauners Tochter, geleitet wird, bleibt dem Frankfurter Institut weiterhin eng verbunden. „Natürlich bleiben wir die verlässlichen Partner der CCC für die umfangreichen Schätze der Firmengeschichte, die in unserem Archiv- und Studienzentrum unter Leitung von Hans-Peter Reichmann sicher verwahrt werden und für wissenschaftliche Recherchen zur Verfügung stehen“, teilte DFF-Direktorin Ellen Harrington gestern mit.

          Brauner, dem das Deutsche Filmmuseum im Jahr 1990 und dann 2006 zum sechzigjährigen Bestehen der CCC Ausstellungen widmete, war ein häufiger und beliebter Gast in Frankfurt. Dort hat er oft über sein großes Anliegen gesprochen, den Holocaust und seine Opfer in Erinnerung zu halten, er hat der Hoffnung Ausdruck verliehen, mit seinen Filmen von „Morituri“ (1948) bis „Hitlerjunge Salomon“ (1990) und „Babij Jar“ (2003) nicht nur gegen das Vergessen des Holocaust zu arbeiten, sondern auch gegen Rassismus, Rechtsextremismus und für mehr Menschlichkeit zu werben.

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