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Illegale Mitbringsel : Sitzhocker aus Elefantenfüßen

  • Aktualisiert am

Ein Mitarbeiter des Bundesamts für Naturschutz zeigt einen vom Zoll beschlagnahmten Elefantenfuß-Hocker. Bild: dpa

Die Mitbringsel sollen an Reisen erinnern. Doch nicht alles, was in fernen Ländern erhältlich ist, ist auch in Deutschland erlaubt. Urlauber bleiben deswegen immer wieder beim Zoll hängen.

          Reisesouvenirs fallen zuweilen außergewöhnlich aus. Der hessische Zoll hat schon zahlreiche Andenken aus dem Gepäck oder aus Post- und Frachtsendungen von Urlaubern gefischt, die für Aufsehen sorgten: exklusive Pelzmäntel, Gürtel und Taschen von unter Artenschutz stehenden Tieren, präparierte Alligatorenschädel oder etwa Flaschen mit in Alkohol eingelegten Kobras und Skorpionen – allesamt verboten. „Viele Urlauber kaufen in fernen Ländern gern ausgefallene Souvenirs. Doch bei der Rückkehr gibt es dann beim Zoll nicht selten ungeahnte Probleme“, warnt Zollsprecher Michael Bender vom Hauptzollamt Gießen.

          Angesichts des aktuellen Reiseverkehrs in den Schulferien warnt der Zoll vor der unbedachten Mitnahme von Souvenirs. Denn viele Mitbringsel stehen unter Artenschutz. „Die Zahl der eingeführten Teile, vor allem über den Frankfurter Flughafen, ist leider immer noch sehr hoch“, erklärte Bender. Im vergangenen Jahr registrierte der deutsche Zoll bei Kontrollen bundesweit 1300 Fälle mit 71 000 konfiszierten Gegenständen. Das war eine erhebliche Steigerung nach 934 Fällen mit 45 000 Teilen im Jahr 2017. Allein am Frankfurter Flughafen, dem größten bundesweit, waren es im Vorjahr 20 000 Sicherstellungen, wie das dortige Hauptzollamt mitteilte.

          Nehmen Artenschutz ernst

          Viele der illegalen Mitbringsel landen schließlich beim Zoll im osthessischen Bad Hersfeld, wo sie aufbewahrt, verwertet oder vernichtet werden. In Bad Hersfeld lagern Teile dann in Räumen und Regalen. In einer der Asservatenkammern thront auch ein ausgestopfter Löwe, der vor einem Jahr beschlagnahmt wurde, wie Bender weiß. „Den hat sich ein Jäger von seiner Reise nach Hause schicken lassen. Doch auch auf diesem Weg kontrolliert der Zoll“, sagt Bender. Die Beamten nähmen den Artenschutz sehr ernst, erläutert Bender. Der Zoll leiste einen wichtigen Beitrag. Neben dem Löwen haben die Zöllner in Hessen auch schon einen präparierten Bärenkopf, einen Bussard aus der Ukraine, Accessoires und Kleidungsstücke aus Krokodilleder und einen Sitzhocker aus Elefantenfüßen entdeckt.

          Bei den Kontrollen an den großen Flughäfen setzt der Zoll auch speziell trainierte Spürhunde ein, um möglichst viele Gepäckstücke in kürzester Zeit effektiv zu kontrollieren. 5600 gefährdete Tier- und rund 30 000 Pflanzenarten stehen unter Naturschutz, wie Bender aufzählt. Die Einfuhr ist – wenn überhaupt – nur mit Genehmigungen, sogenannten Cites-Bescheinigungen, möglich, wie das Bundesamt für Naturschutz in Bonn erklärt.

          Auch wenn die Zahl der Post- und Frachtsendungen bei Urlaubssouvenirs zunimmt – das meiste bringen Urlauber immer noch in Koffern mit. In großen Mengen fischt der Zoll immer wieder Korallen, Muscheln, Schneckengehäuse oder eben auch in Alkohol eingelegte Schlangen und Reptilien heraus. „Die Flaschen stammen meist aus Asien. Dort werden sie als Potenzmittel oder Allheilmittel gegen alle möglichen Leiden angepriesen“, berichtet Bender. Doch auch harmlos wirkende Einrichtungsgegenstände wie Vasen, etwa aus Nordafrika, können Probleme beim Zoll mit sich bringen. Schließlich kann es sich um archäologisches Grabgut handeln. Selbst die Ausfuhr von einer Tüte Sand als Erinnerung an den Strandurlaub oder ein paar Steine können unter Umständen Konsequenzen haben.

          Teure Mitbringsel

          Bei der Einreise werden die illegalen Mitbringsel konfisziert. Es drohen Bußgelder bis zu 50 000 Euro, Strafverfahren oder im schlimmsten Fall Haftstrafen, wie Bender erklärte. Die Strafen richten sich nach dem Ausmaß und dem Schutzstatus des Tieres oder der Pflanze. Die Verstöße werden vom Bundesamt für Naturschutz geahndet. Beliebt ist auch der Einkauf von Medikamenten. Die Einfuhr sei grundsätzlich nur für den Eigenbedarf und in einem der Reise angepassten Bedarf möglich, erklärt der Zoll. Ansonsten sei die Einfuhr verboten oder nur mit einer Genehmigung möglich. „Auch wenn es sich um vermeintlich harmloses Aspirin handelt“, sagt Bender.

          Auch bei Plagiaten ist Vorsicht geboten. Der Kauf und Besitz von Plagiaten ist in Deutschland zwar nicht verboten, wie Bender sagt. Dagegen sei der Handel mit gefälschten Artikeln strafbar. Bei der Einfuhr solcher Waren aus Nicht-EU-Staaten achte der Zoll darauf, ob nicht eine gewerbliche Absicht erkennbar ist. Geringe Mengen von Imitaten würden geduldet und blieben straffrei.

          Bei größeren Mengen wird es ernst. Insgesamt darf auch die Wertgrenze von 430 Euro nicht überschritten werden, wie der Zoll erklärt. Wer etwa Schmuck oder elektronische Geräte über diesem Wert mitbringt, muss die Waren beim Zoll anmelden und muss im Flughafen den roten Ausgang am Zollschalter nehmen. Unterbleibt diese Anmeldung und passiert man den grünen Ausgang, ist das Schmuggel. Besondere Freigrenzen gibt es für Zigaretten, Tabak und Zigarren oder Alkohol. Das gilt auch für Reisen innerhalb der Europäischen Union.

          Zoll-Sprecher Bender sagt: „Wir gönnen jedem sein Urlaubssouvenir. Aber damit eine böse Überraschung am Zoll ausbleibt, sollte man sich vorab informieren, was man überhaupt mit nach Hause nehmen darf.“ Er empfiehlt auch: „Sammeln Sie Eindrücke, keine Souvenirs.“

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