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Army-Einheiten in Deutschland : Obama will auch in Wiesbaden sparen

Drei-Sterne unter sich: Generalleutnant James Terry (rechts), und der Oberkommandierende der Army in Europa, Generalleutnant Mark Hertling. Bild: Röth, Frank

Die traditionsreiche Heereseinheit, das V. Korps, wird offenbar den vor ein paar Tagen verkündeten Sparplänen der amerikanischen Regierung zum Opfer fallen.

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          Generalleutnant James Terry ließ sich nichts anmerken. Aber sein Auftritt bei der Kommandoübernahme für das V. Korps der amerikanischen Army am Dienstag auf dem Militärstützpunkt in Wiesbaden-Erbenheim hatte eine tragische Note: Die traditionsreiche Heereseinheit, die erst im vergangenen Jahr wieder in den aktiven Dienst gestellt worden war und deren Kommandeur der 55 Jahre alte Drei-Sterne-General nun ist, wird offenbar den vor ein paar Tagen verkündeten Sparplänen der amerikanischen Regierung zum Opfer fallen.

          Peter Badenhop
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bei der feierlichen Zeremonie am Dienstag sprach Terry, der zuletzt als Regionalkommandeur im Süden Afghanistans im Kriegseinsatz gestanden hatte, zwar von einem neuen Kapitel für die nunmehr als mobil einsetzbares Hauptquartier konzipierte Einheit und für deren neuen Standort Wiesbaden - tatsächlich aber soll er sie nach Informationen dieser Zeitung letztlich abwickeln. Derzeit hat die Kommando-Einheit noch nicht einmal ihre Soll-Stärke von etwa 750 Soldaten erreicht. Dies soll bis zum Frühjahr zwar geschehen, so dass die Truppe unter Führung von Terry im Sommer in den Einsatz nach Afghanistan abkommandiert werden kann. Statt der Rückkehr nach Wiesbaden ungefähr ein Jahr später steht dann aber wohl das Ende des V. Korps an.

          Nicht unvorbereitet getroffen

          Offiziell will sich in Erbenheim und im Europa-Hauptquartier der Army in Heidelberg niemand zu den von Präsident Barack Obama geplanten Streichungen, die dem Vernehmen nach auch zwei Kampfbrigaden im bayerischen Grafenwöhr und im rheinland-pfälzischen Baumholder betreffen, äußern. Und auch der Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller und der Chef der hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer (beide CDU), sagten gestern am Rande der Kommandoübergabe, ihnen sei von entsprechenden Plänen nichts bekannt. Verwiesen wird allenthalben auf die Budget-Vorstellung des Präsidenten der Vereinigten Staaten im Februar und darauf, dass alle Entscheidungen in Washington und nicht in Heidelberg fielen.

          Unvorbereitet getroffen haben die Ankündigungen Obamas die Führung der Army in Europa aber offenbar nicht. Man sei zwar „nicht gerade glücklich“ über den Zeitpunkt der öffentlichen Mitteilung, heißt es hinter vorgehaltener Hand, aber die Sparpläne seien seit einigen Monaten bekannt gewesen. Dass die europäische Präsenz der Army „ungeschoren davon kommt“, habe niemand erwartet.

          Mehr als 1000 Familienangehörige in Wiesbaden

          Der Umzug des V.Korps nach Wiesbaden im vergangenen August war Teil der seit 2004 vorgenommenen Restrukturierung der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa, deren Kern die Verlegung des Army-Hauptquartiers von Heidelberg in die hessische Landeshauptstadt ist. Diesem Hauptquartier ist auch das V. Korps unterstellt, und es sollte eigentlich künftig als mobile Kommandoeinheit dienen, die in Krisen- und Kriegsgebieten Führungsaufgaben für zahlreiche unterschiedliche Kampfverbände übernehmen kann. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das V.Korps 42Jahre lang im Frankfurter IG-Farben-Haus stationiert gewesen, bevor es 1994 nach Heidelberg verlegt wurde. 2009 sollte es schon einmal außer Dienst gestellt werden, wegen der Kriege in Irak und in Afghanistan wurden diese Pläne aber zunächst verschoben und dann endgültig verworfen.

          Mit den rund 700 Soldaten des V. Korps sind mehr als 1000 Familienangehörige nach Wiesbaden gezogen. Durch sie und andere „Zugänge“ sollte die amerikanische Militärgemeinde von derzeit 17.000 auf knapp 20.000 Angehörige anwachsen. Dass das Pentagon wegen der nun anstehenden Abwicklung des V.Korps auch seine Investitionen auf seinen Wiesbadener Liegenschaften in Höhe von einer halben Milliarde Dollar überdenkt, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

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