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Areal am Kaiserlei : Europäische Schule statt Multifunktionshalle?

Begehrter Acker: Das rot umrandete Grundstück an der Stadtgrenze zu Offenbach kommt für einen Neubau der Europäischen Schule in Frage. Aber eigentlich war diese Fläche für den Bau einer Mehrzweckhalle gedacht. Bild: F.A.Z.

Seit Jahren planen Frankfurt und Offenbach eine Mehrzweckhalle am Kaiserlei. Nun tritt im Ringen um das Grundstück zwischen den beiden Städten ein Mitbewerber auf den Plan.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) will die bisher im nördlichen Frankfurter Stadtteil Niederursel ansässige Europäische Schule an den Kaiserlei verlagern. Wie der Frankfurter Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel bestätigte, gibt es Überlegungen, ein neues Bildungszentrum für mehr als 2000 Schüler an der Stadtgrenze zu Offenbach zu errichten. Das favorisierte Grundstück wird derzeit aber auch als möglicher Standort für eine Multifunktionshalle gehandelt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für die Eltern, die ihre Kinder an der Europäischen Schule unterrichten lassen, läge das Grundstück an der Stadtgrenze ideal. Der EZB-Neubau ist nur zwei Kilometer entfernt. Außerdem stößt das alte Schulgebäude in Niederursel an seine Kapazitätsgrenzen. Es wurde für 900 Schüler geplant und mehrfach erweitert. Derzeit lernen dort 1500 Schüler.

          Weil die EZB durch die Gründung der Europäischen Bankenaufsicht in Frankfurt aber weiter wächst, werden auch mehr Schulkinder erwartet. In sechs bis acht Jahren rechnet die EZB mit 2500 Schülern. Sie alle in Niederursel zu unterrichten sei laut einer Studie nicht machbar, heißt es aus der Notenbank. „Wir brauchen die Schule bis 2020“, sagt ein Mitarbeiter. Würde die Schule zügig gebaut, könnten auch Eltern, die eigentlich nicht dazu berechtigt sind, ihre Kinder dorthin schicken - zumindest so lange, bis die EZB mit ihren Folgeeinrichtungen sämtliche Plätze in der Schule für sich beansprucht.

          Viel Sympathie für Pläne der Europäischen Schule

          Verantwortlich für den Bau von Bildungseinrichtungen für die Mitarbeiter europäischer Institutionen in Deutschland ist die Bundesregierung. Derzeit wird in Berlin eine Verlagerung der Europäischen Schule geprüft. Der Bund kann den Auftrag zum Bau der Schule auch an die Stadt vergeben.

          Das Grundstück an der Gerbermühlstraße wäre verkehrlich gut angebunden: S-Bahnen von vier Linien halten an den Stationen Mühlberg und Kaiserlei, über die neue Osthafenbrücke ist die EZB schnell zu erreichen. Außerdem gibt es auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Gerbermühlstraße eine Sportanlage, die allerdings derzeit von einem privaten Verein genutzt wird.

          Weil die fünf Hektar große Fläche komplett auf Frankfurter Gemarkung liegt und im Besitz stadtnaher Stiftungen ist, könnte die Stadt auch relativ leicht über sie verfügen. Allerdings liegt sie in der Einflugschneise des Flughafens. Derzeit werde geprüft, ob die Lärmwerte eine Nutzung als Schulstandort zulassen, sagt Gangel. Der Liegenschaftsamtsleiter hat für die Pläne der Europäischen Schule viel Sympathie. „Das wäre ein Leuchtturm-Projekt für Frankfurt. Ich stehe dahinter und würde diese Chance ungern verstreichen lassen.“

          Zwei Investoren bewarben sich um den Bau der Halle

          Das Grundstück ist jedoch eigentlich für eine andere Nutzung reserviert: Die Stadt plant gemeinsam mit Offenbach eine Multifunktionshalle auf der Stadtgrenze. An die Frankfurter Fläche angrenzend, sollte auf Offenbacher Seite ein ähnlich großes Areal anschließen. Allerdings will die neue Koalition im Offenbacher Rathaus die Pläne nicht mittragen.

          Dem Vernehmen nach ist der Standort auf Frankfurter Gemarkung aber allein auch zu klein für eine Multifunktionshalle. Gangel sucht nun vorsorglich eine andere Fläche im Stadtgebiet, auf der eine Multifunktionshalle angesiedelt werden könnte. Zwei Investoren hatten sich um den Bau der Halle beworben. „Man muss auch in der Lage sein zu liefern“, sagt der Liegenschaftsamtsleiter. In der Ausschreibung für den Bau der Halle war kein konkreter Standort genannt worden.

          Steigende Nachfrage bei der Europäischen Schule

          Sollte die Europäische Schule tatsächlich verlagert werden, fiele das alte Schulgebäude in Niederursel zurück an die Stadt und könnte für eine städtische Schule genutzt werden. Die Stadt müsste nur die Investitionskosten an den Bund zurückzahlen, käme aber relativ günstig an das Nutzungsrecht.

          Europäische Schulen sind überstaatliche Einrichtungen und wurden gemeinsam von den Regierungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union gegründet. Das internationale Angebot an der Europäischen Schule ist auch bei Eltern begehrt, die nicht in der EZB oder einer in ihrem Gefolge in Frankfurt angesiedelten Einrichtung arbeiten. Die steigende Nachfrage stoße aber an die Grenze der Aufnahmemöglichkeit der Schule, teilt die Bildungseinrichtung mit. Das führe dazu, dass immer weniger Schüler aufgenommen werden könnten, deren Eltern nicht Bedienstete von EU-Einrichtungen seien.

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