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Nachwuchs-Architekten : Von kleinen Büros und großen Maschinen

Branche im Wandel: Inzwischen studieren mehr Frauen Architektur als Männer. Bild: Reuters

Viele Architekturbüros stehen vor einer ungewissen Zukunft. Die alten Inhaber haben die Altersgrenze erreicht, oft fehlt ein Nachfolger. Konzerne wie Sweco prüfen deshalb schon die Übernahme.

          Wer sich als Architekt selbständig macht, fängt oft mit einem Einfamilienhaus an, entwirft dann einen Kindergarten und nach und nach immer größere Projekte. Wenn es gut läuft, wächst mit dem Erfolg auch das Büro. Man muss Mitarbeiter einstellen, die Räume werden zu klein, der erste Umzug steht an. Irgendwann ist der Name zu einer Marke geworden, die Aufträge generiert. Rund 2000 inhabergeführte Architekturbüros gibt es in Hessen. Kaum eine andere Branche ist derart mittelständisch geprägt. Die meisten Büros haben weniger als zwanzig Mitarbeiter und stehen für eine Vielfalt in der Baukultur. Aber viele Architekturbüros, die in den vergangenen Jahrzehnten gegründet wurden, müssen sich dem Generationswechsel stellen. Vor ihnen liegt eine ungewisse Zukunft.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen berät derzeit viele Architekten, die auf den Ruhestand zusteuern und sich fragen, wie sie den Übergang zur neuen Generation gestalten sollen. Seit einigen Jahren habe das Thema an Bedeutung gewonnen, berichtet Isabella Göring, die die Akademie der Kammer leitet und die 5000 Mitglieder bei Führungsfragen betreut. „Viele Büros stehen altersmäßig vor der Entscheidung, wie es weitergeht. Es gibt einen großen Beratungsbedarf.“ Sie rät den Architekten, nicht zu spät an den Wechsel zu denken: „Der Prozess dauert drei bis fünf Jahre. Man sollte frühzeitig damit beginnen.“

          Es geht ums liebe Geld

          Göring empfiehlt, genau hinzuschauen, wer im eigenen Team als Nachfolger in Frage kommt. Es geht nicht nur darum, jemanden zu finden, der als Entwerfer begabt genug ist, um ein Büro in die Zukunft zu führen. Er oder sie muss auch Führungsaufgaben und Personalverantwortung übernehmen wollen und können. „Viele Silberrücken beklagen da durchaus einen Mentalitätswandel und fehlendes Verantwortungsbewusstsein. Die heutige Generation setzt andere Schwerpunkte. Ein repräsentativer Firmenwagen ist ihr nicht so wichtig wie mehr Zeit für die Familie.“

          Zudem geht es ums liebe Geld: Ein Büro ist über die Jahre gewachsen und hat, neben einigen Computerarbeitsplätzen, vor allem einen immateriellen Wert. Es ist nicht leicht, ihn zu beziffern. Die Architektenkammer empfiehlt das Ertragswertverfahren: Bei dieser Methode werden die Organisationsstruktur und der Auftragsbestand bewertet, aber auch eine Auftragsprognose erstellt.

          Mit ein Grund, warum viele ältere Architekten ans Aufhören denken, ist die technische Entwicklung. Sie schreitet unaufhörlich voran und bringt auch eine Umstellung der Computer-Software mit sich. Viele Auftraggeber erwarten inzwischen von den Architekten, dass sie ihre Bauwerke als virtuelles, dreidimensionales Modell entwerfen. Das „Building Information Modelling“, kurz BIM, erlaubt, Gebäude effizienter zu planen. „Das ist ein Innovationsschub und eine große Herausforderung für die Architekten“, sagt Göring. Doch die Anschaffung der neuen Computertechnik bringt hohe Kosten mit sich. Viele ältere Architekten fragen sich deshalb: Machen wir das noch mit?

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