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Apps an Hochschulen : Mit einem Fingertipp zur Klausurnote

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Serviceprogramm: Die App für die Wirtschaftsstudenten der FH Mainz. Bild: von Siebenthal, Jakob

Apps für Studenten informieren über Stundenpläne, Zensuren und das Mensa-Menü. Auch einige Hochschulen in der Region bieten solche Programme an.

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          Wer am Mittag nur 30 Minuten Zeit hat, etwas zu essen, macht sich schon einmal während des Seminars am Vormittag darüber Gedanken, was es wohl in der Mensa gibt. Das weiß Yannik Bockius aus eigener Erfahrung. Kein Wunder also, dass der Mensaplan eine der Funktionen der neuen Studien-App „Hip2go“ ist, die der Student am meisten schätzt. Die Smartphone-Anwendung, die der Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Mainz entwickeln ließ, kann aber noch mehr: Bockius und seine Kommilitonen können nun ihren Stundenplan und den Campus-Lageplan der FH über das Handy aufrufen und sich über aktuelle Veranstaltungen informieren.

          Die Idee für den mobilen Service hatte Annett Mehler-Bicher, Dekanin des Fachbereichs Wirtschaft. Vor zwei Jahren sammelte die Dozentin für Wirtschaftsinformatik mit einer Gruppe von 80 Studenten Ideen, wie man die wichtigen Informationen rund ums Studium künftig schnell und strukturiert übermitteln könnte. Der Auftrag, die App zu gestalten, ging dann schließlich an ein externes Unternehmen.

          Großer „Pflegeaufwand“

          Auf den Gedanken, ihre Studenten mit einer solchen Dienstleistung zu beglücken, sind auch andere Hochschulen schon gekommen. Ralf Frenger, der am Rechenzentrum der Universität Gießen für neue Medien zuständig ist, schätzt, dass zehn bis 20 Prozent von ihnen solche Apps anbieten. In Hessen sind das unter anderen die Universität in Gießen, die Technische Hochschule Mittelhessen und die Universität Frankfurt. An der Uni Gießen profitieren bisher nur die Agrarwissenschaftler von einer App: Für eine Exkursion im Seminar zur Gebäudetechnik in der Landwirtschaft wurde eine Anwendung mit Informationen und Wissensfragen entwickelt. In Frankfurt und an der Technischen Hochschule Mittelhessen können beispielsweise Seminarumfragen durch den Dozenten per App gestartet werden. An der Goethe-Universität gibt es zudem eine App, die freie Stellen und Praktikumsplätze anzeigt. Die Frankfurter Mediziner richten derzeit eine Smartphone-Anwendung für den sogenannten Defi-Server ein, auf dem Studenten Vorlesungsmitschriften und Altklausuren online zur Verfügung stellen.

          Eine Campus-App, die ein „Rundum-Paket“ für Studenten bietet, wird an den hessischen Hochschulen derzeit nicht angeboten. Das liege vor allem an dem großen „Pflegeaufwand“, meint Frenger. Schließlich müsste man die Studien-App nicht nur für die zwei häufigsten Betriebssysteme iOS und Android programmieren, sondern sie auch regelmäßig aktualisieren. Und das koste Geld.

          Teilzeitstudenten als Zielgruppe

          Auch am Fachbereich Wirtschaft der FH Mainz gibt es den Online-Service nicht umsonst. Die Hochschule muss eine Lizenzgebühr von 70 Cent je Student und Semester an die Firma zahlen, die mit der Programmierung beauftragt wurde. An der Universität in Bremen wurde dagegen die Lizenzgebühr eingespart. Dort entwickelten Informatikstudenten im Bachelorprojekt „eStudent“ eine Hochschul-App, die es den Erstsemestern ermöglicht, mit Hilfe eines Lageplans den Campus zu erkunden.

          An der FH Mainz sind die wichtigste Zielgruppe für die App die Teilzeitstudenten, die rund 50 Prozent aller Immatrikulierten im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften ausmachen. Ihnen solle das Programm helfen, den Spagat zwischen Beruf und Studium zu meistern, sagt die Dekanin. Die Anzeige des Stundenplans ist denn auch neben dem Mensaplan eine Funktion der App, die der Teilzeitstudent Bockius besonders schätzt. „Ich bin nur freitags und samstags an der FH und bekomme deshalb nicht mit, wenn Seminare ausfallen, weil der Dozent krank geworden ist.“ Die App soll die Berufstätigen in solchen Fällen davor bewahren, sich umsonst auf den Weg zum Campus zu machen.

          Zahl der Smartphone-Benutzer wächst stetig

          Doch auch viele Vollzeitstudenten der FH Mainz nutzen das Programm, zum Beispiel Lotte Harhoff, die Betriebswirtschaftslehre studiert. Besonders praktisch findet sie, dass sie nun jederzeit ihre Klausurergebnisse mit dem Handy abrufen kann. „Nach den Prüfungen wartet man schließlich ganz gespannt darauf, welche Note man geschrieben hat.“

          Aktuelle Studien belegen, dass die Zahl der Smartphone-Benutzer ständig wächst. Die größte Gruppe unter ihnen ist die Altersklasse zwischen 18 und 24 Jahren, zu der auch die meisten Studenten gehören. Laut einer Untersuchung des Bundesverbands für Informationswissenschaft, Telekommunikation und neue Medien erreichte die Zahl der heruntergeladenen Apps im vergangenen Jahr einen Rekord. Dass die Zukunft in der schnellen Informationsübermittlung über Smartphones liege, wollten auch die Hochschulen nicht ignorieren, sagt Daniel Fehrle, der für die Hochschulkommunikation an der Universität Hohenheim zuständig ist. Viele Unis hätten die Fortschritte der Smartphone-Programme beobachtet und wollten nun nachziehen. Gemeinsam mit anderen Hochschulen arbeite man deshalb zurzeit an einer Entwicklungsplattform für Studien-Apps, die den Austausch über die universitären Grenzen hinweg ermöglichen solle.

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