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Müllberge am Mainufer : Appelle helfen nicht

Zeichen für Verrohung der Sitten und die Dekadenz einer Spaßgesellschaft: Müll am Mainufer Bild: Lukas Kreibig

Natürlich leben mehr Menschen in Frankfurt als noch vor wenigen Jahren. Die Abfallberge etwa am Mainufer erklären sich damit nicht. Köln ist weiter.

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          Das Problem der achtlos weggeworfenen Flaschen, Verpackungen und Essensreste in den Parks ist kein Frankfurter Spezifikum. Alle Großstädte kennen die Schwierigkeiten mit den wachsenden Müllbergen in den Grünanlagen. In München hat die Abfallmenge an den Ufern der Isar solche Ausmaße angenommen, dass Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter nur noch von „rücksichtslosem und hirnlosem Verhalten“ spricht.

          Auch Claudia Gabriel, Leiterin der Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“, kann sich angesichts der Mengen von Unrat in den Parks ereifern. Sie attestiert denjenigen, denen „offenkundig der Weg zu den Mülleimern zu weit ist“ und die Scherbenteppiche auf dem Rasen am Mainufer in Kauf nehmen, den „Verlust der Sinne“. Besonders empörend findet Gabriel, dass mancher auf sein Vergehen angesprochene Müllsünder lapidar geantwortet habe: „Dafür gibt es doch Leute, die das machen.“

          Höhere Gebühren

          Nun kann man sich vortrefflich über fehlende Manieren, eine Verrohung der Sitten und die Dekadenz einer Spaßgesellschaft echauffieren. Doch das hilft nicht. Genauso wenig wie das Vorgehen der Stadt Frankfurt. Die wirbt seit fünf Jahren für einen Mentalitätswechsel, setzt auf Aufklärung und Einsicht. Das Ergebnis ist: Heute muss mehr Müll denn je zusammengekehrt werden. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Müllmenge um 22 Prozent, gleichzeitig wurden die Grünflächen nur um fünf Prozent größer. Natürlich leben mehr Menschen in Frankfurt. Die Abfallberge erklären sich damit nicht.

          Köln ist weiter. Die Stadt hat die Verantwortung für die Reinigung der Parks an die Abfallwirtschaftsbetriebe abgegeben und lässt die Bürger per Satzung höhere Gebühren dafür zahlen. Dort ist man mittlerweile so entspannt, dass Müllberge als positives Indiz für die rege Nutzung der Parks interpretiert werden. Parks, Flussufer und Grünanlagen seien die zentralen Freiräume in einer Großstadt, sagt Joachim Bauer vom Kölner Grünflächenamt. Diese Freiräume würden in wachsenden und dichter bebauten Städte immer bedeutender. Und Freiräume dürften nicht stark reglementiert werden. In Köln darf man in fast allen Parks grillen. Auch für Frankfurt könnte es sich lohnen, die Müllproblematik in den Grünanlagen noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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