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App „PENDLA“ : Digitale Verabredung für Pendler

  • -Aktualisiert am

Würden mehr Leute auf Fahrgemeinschaften umsteigen, könnten Staus wie dieser womöglich umgangen werden. (Symbolbild) Bild: dpa

Der Rheingau-Taunus-Kreis setzt die App „PENDLA“ ein, mit deren Hilfe mehr Fahrgemeinschaften gebildet und die Straßen im Berufsverkehr entlastet werden sollen. Immer mehr Städte und Kreise haben die App im Angebot.

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          Es ist jeden Morgen das gleiche Bild: Autokarawanen fahren über die Bundesstraßen 417 an der Platte und 54 an der Eisernen Hand sowie die Landesstraße 3037 an der Hohen Wurzel aus dem Untertaunus nach Wiesbaden und manchmal von dort aus weiter nach Frankfurt und Mainz. Aus dem Rheingau kommend, nutzen die Fahrer die Bundesstraße 42. Fast 90.000 Menschen pendeln täglich entweder innerhalb des Rheingau-Taunus-Kreises oder in die umliegenden großen Städte. In den Autos sitzt in der Regel nur eine Person, manchmal sind es auch zwei. Freie Sitzplätze bleiben ungenutzt, die Spritpreise schießen durch die Decke, und die Straßen sind voll, denn ab dem frühen Nachmittag setzt sich die Karawane abermals in Bewegung: Die Pendler fahren nach Hause.

          Um diese Verschwendung von Ressourcen, Nerven und Zeit zumindest etwas zu verringern, setzt der Rheingau-Taunus-Kreis nun eine digitale Mitfahrplattform mit dem Namen „PENDLA“ ein. Dabei handelt es sich um einen Onlinedienst, der sowohl auf Smartphones und Tablets als auch auf dem PC verfügbar ist. Wer teilnehmen möchte, kann sich auf der Internetseite www.rheingau-taunus.pendla.com an­melden. Die Teilnahme für die Bürger ist kostenlos, und wie die Fahrtkosten innerhalb einer gefundenen Fahrgemeinschaft aufgeteilt werden, vereinbaren die Pendler individuell. Nach der einmaligen Registrierung geben die Nutzer Start, Ziel und Zeitraum ein.

          Komfort und die Flexibilität eines Autos

          Im Profil können die Pendler weiter mitteilen, ob sie ein eigenes Auto haben, ob im Fahrzeug geraucht werden darf, ob es in Ordnung ist, Tiere mitzunehmen, und ob man gegen Corona geimpft ist. Wahlweise dürfen Nutzer zudem ein eigenes Profilbild hochladen und noch ein paar Zeilen zur eigenen Person schreiben, sodass die anderen Pendler sich ein Bild der mitfahrenden Person machen können. Ist all dies erledigt, sucht die App nach passenden Mitfahrgelegenheiten und listet diese sortiert danach auf, wie gut die Fahrwünsche übereinstimmen.

          Wird ein passender Mitfahrer angezeigt, können Nutzer diesem eine Nachricht schreiben, und einer neuen Fahrgemeinschaft steht eigentlich nichts mehr im Wege. „Gemäß der Devise ‚Fahre mit dem Nachbarn zur Arbeit‘ setzen wir auf Fahrgemeinschaften und eine effiziente Möglichkeit, passende Mitfahrer für die Strecke zum Arbeitsplatz zu finden“, kommentierte Landrat Frank Kilian (parteilos) den Einsatz der App und wies darauf hin, dass Fahrgemeinschaften den Komfort und die Flexibilität eines Autos böten, aber trotzdem klimaschonend seien und den Geldbeutel entlasteten.

          Laut Kilian erweitert der Kreis mit diesem Angebot den öffentlichen Nahverkehr um ein „innovatives und kommunales Mobilitätsangebot“, das die Umwelt schont und die Straßen entlastet. Nach Auskunft des Umweltbundesamtes pendeln Fahrgemeinschaften zudem entspannter zur Arbeit, sind motivierter und haben ein geringeres Unfallrisiko, wirbt der Landrat für die Nutzung der App. Betreiber der PENDLA-App ist die Fasterminds GmbH aus Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen.

          Ein Cent pro Einwohner und Monat

          Der Rheingau-Taunus-Kreis ist nicht der erste Lizenznehmer der App, denn der Ostalbkreis nutzt das Angebot seit Januar. Hinzu kommen weitere Städte, die ebenfalls die Lizenz erworben haben. Die Kosten betragen nach Auskunft von Thomas Wieczorek ein Cent pro Einwohner und Monat, sodass der Rheingau-Taunus-Kreis mit seinen 187.000 Einwohnern rund 22.400 Euro im Jahr für das Angebot zahlt. Wieczorek ist der Dezernent für Straßenbau im Landkreis und Initiator des Projektes.

          Der Kreis, so bestätigte er im Gespräch, gehöre mit der Nutzung der App zu den bundesweiten Vorreitern, und um die Akzeptanz zu erhöhen, seien mittlerweile auch Städte wie Taunusstein und Idstein im Boot. „Das ist eigentlich so etwas wie eine App für eine Mitfahrzentrale, aber als Pendler-App ist die Idee neu“, sagte Wieczorek, der das Thema auch mit der Stadt Wiesbaden erörtert hat. Dort sei man derzeit jedoch noch nicht so weit.

          Damit das Projekt gelinge, sei es nun wichtig, dass sich sehr viele Pendler anmeldeten, denn dies erhöhe die Chance, dass sich Fahrgemeinschaften auch tatsächlich fänden, führte er weiter aus. „Pendler aus Eltville wussten ja schon früher, dass auch andere Pendler aus der Stadt regelmäßig nach Wiesbaden fahren. Die App macht nun transparent, wer das ist und mit wem man gemeinsam fahren könnte“, skizzierte der Dezernent den Nutzen.

          Die App wurde zwar erst am Mittwoch online gestellt, aber laut Wie­czorek haben sich schon ziemlich viele potentielle Teilnehmer registriert. „Ich habe auf verschiedenen Gruppen in Facebook gesehen, dass die Leute das gut finden“, sagte Wieczorek und ist guter Dinge, dass im morgendlichen Berufsverkehr künftig mehr Menschen in dann hoffentlich weniger Autos sitzen.

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