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Abrechnung per Knopfdruck : 350 Millionen Euro pro Monat für Rezepte

  • -Aktualisiert am

In Ordnung bringen: Vincenzo Vassallo bedient eine Maschine, mit der Rezepte sortiert werden. Bild: Marcus Kaufhold

Als „Blackbox“ sieht sich das Apothekenrechenzentrum in Darmstadt, das Arzneimittelrezepte mit den Krankenkassen abrechnet. Patienten bekommen davon nichts mit – wegen der Sicherheitsauflagen auch sonst niemand.

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          Ein Knopfdruck reicht aus, dann rattert die große, weiße Maschine los. Mehrere hundert Arzneimittelrezepte rasen über das Laufband des Beleglesers – allein in den wenigen Sekunden, bis Vincenzo Vassallo das Gerät wieder stoppt. Sie werden einzeln eingezogen, markiert, gescannt und am Ende sortiert. Vassallo ist als sogenannter Operator zuständig für die drei eindrucksvollen Kästen, die im Erdgeschoss des Apothekenrechenzentrums in Darmstadt stehen. Jeder von ihnen ist knapp sechs Meter lang. „Alles Sonderanfertigungen, die genau an unsere Bedürfnisse angepasst sind“, sagt Dirk Arnold.

          Gemeinsam mit Vassallo und seinem Kollegen Michael Röhr steht der Leiter der Kundenbetreuung vor einem der Belegleser und präzisiert den Arbeitsablauf. „Die Rezepte werden vor dem Scan mit einem Barcode sowie einem alphanumerischen Code versehen, um sie später wieder identifizieren zu können“, sagt Arnold. Ohne die technische Hilfe könnte das Apothekenrechenzentrum seine Aufgabe kaum bewerkstelligen: Bis zu fünf Millionen Rezepte im Wert von mehr als 350 Millionen Euro werden dort pro Monat abgerechnet.

          Konkurrenz unter Rechenzentren

          In diesem Jahr feiert das Unternehmen Jubiläum. Vor exakt 50 Jahren haben die Vermögensverwaltungsgesellschaften der Apothekerverbände in Hessen und Rheinland-Pfalz das Rechenzentrum gegründet, um ihren Mitgliedern eine lästige bürokratische Arbeit abzunehmen. Inzwischen ist die Zahl der Gesellschafter gestiegen: Erst ist der saarländische Apothekerverein hinzugekommen, später noch der thüringische. Bundesweit hat das Unternehmen nun etwa 2500 Kunden und kümmert sich mit rund hundert Mitarbeitern um deren Belange. Im Kern ist das Rechenzentrum als Dienstleister dafür zuständig, bei den Krankenkassen das Geld einzuholen und es auf die Konten der Apotheken zu überweisen. Der Patient bekommt davon zumeist nichts mit, weshalb Röhr das Unternehmen als „Blackbox“ bezeichnet.

          Außer dem Betrieb im Darmstädter Industriegebiet gibt es 16 weitere Rechenzentren, die alle in Konkurrenz zueinander stehen. Die Kunden unter diesem Gesichtspunkt anzulocken erfordert eine besondere Strategie. Arnold und seine Kollegen setzen auf verbindliche Versprechen: „Wir sichern den Kunden den genauen Tag zu, an dem sie das Geld wieder auf ihrem Konto haben“, sagt der Leiter der Kundenbetreuung. „Das ist unser Bonus.“ Um dieses Versprechen dauerhaft halten zu können, habe man einige technische Vorkehrungen getroffen.

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          Eine davon steht im Keller des Gebäudes, genauer gesagt im Batterieraum. In den Anfangszeiten reichte den Bedürfnissen des Rechenzentrums noch eine Etage. „Oben war zum Beispiel die Staatsanwaltschaft untergebracht“, erzählt Arnold. Mit dem Wachstum des Unternehmens ist auch die benötigte Fläche gestiegen. Nun sind die Mitarbeiter in sämtlichen Stockwerken untergebracht.

          Datenschutz hat Priorität

          Auf dem Weg in den Keller wird Arnold kurz aufgehalten. An einem Nebeneingang stehen vier Männer und noch mehr große, silberne Kisten. Sie sehen aus wie Mülltonnen – und sind es im Grunde auch. „Darin waren Unterlagen, die noch hier vor Ort geschreddert werden“, sagt Arnold. Ein ausgezeichneter Datenschutz ist eine der größten Maximen des Rechenzentrums.

          Ein paar Treppenstufen abwärts, hinter einer weißen Stahltür, versteckt er sich nun: der Batteriekeller. Links hinten in der Ecke, vorbei an einer Menge ausrangierter Computer, steht das Herzstück der Stromversorgung. Ein schwarzer Schrank und daneben ein Regal mit 40 Batterien, damit dem Unternehmen und besonders den Online-Diensten nie der Saft ausgeht. „Wenn der Strom mal ausfallen sollte, gehen die Batterien sofort an und überbrücken die Zeit, bis das Notstromaggregat anspringt“, erläutert Arnold.

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