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Scholz sagt Kassel ab : Documenta-Chefin kündigt Untersuchung an

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Unter Druck: documenta-Chefin Sabine Schormann kündigt eine Untersuchung an, lehnt aber eine Vorabfreigabe von Kunstwerken durch Experten ab Bild: AP

Der Vorsitzende des Documenta-Forums hält den Abbau des als antisemitisch kritisierten Kunstwerks für falsch. Forderungen, Kunstwerke hätten vorab überprüft werden müssen, weist er zurück. Die Chefin der Schau sieht das ähnlich.

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          Nach der Absage von Bundeskanzler Olaf Scholz wächst auch von anderen Seiten der Druck auf die Chefin der Weltkunstschau documenta. Im Antisemitismus-Eklat werden Rücktrittsforderungen gegen Generaldirektorin Sabine Schormann laut. Entsprechend äußerte sich etwa die Deutsch-Israelische Gesellschaft. Schormann hat unterdessen eine Untersuchung der Kasseler Ausstellung auf „weitere kritische Werke“ angekündigt. Kanzler Scholz bezeichnete den Gegenstand des Skandals, das Kunstwerk von Taring Padi, über eine Sprecherin als „abscheulich“. Er werde die documenta fifteen nicht besuchen.

          Bei der Untersuchung weiterer Werke werde „auch Ruangrupa seiner kuratorischen Aufgabe gerecht werden müssen“, sagte Schormann in einem Interview der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“. Das indonesische Kollektiv Ruangrupa kuratiert die documenta fifteen. Unterstützt werde die Gruppe nun von anerkannten Experten wie Meron Mendel von der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt.

          Gegen Freigabe durch Expertengremium

          „Es ist nicht Aufgabe der Geschäftsführung, alle Werke vorab in Augenschein zu nehmen und freizugeben“, sagte Schormann. „Das würde dem Sinn der documenta widersprechen.“ Es könne daher auch nicht sein, die Kunst beispielsweise einem Expertengremium vor Beginn zur Freigabe vorzulegen. Dies sei eine Kernaufgabe der Künstlerischen Leitung.

          Schormann kündigte in dem Interview eine Gesprächsreihe zu dem Thema an. Außerdem solle es einen „Begegnungsstand“ am Friedrichsplatz in Kassel geben – mit der Bildungsstätte Anne Frank und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren. Am Friedrichsplatz war das Werk aufgestellt, bevor es verhüllt und am Dienstag schließlich abgebaut wurde.

          Bundeskanzler Olaf Scholz hatte sich am Mittwochabend über seine Regierungssprecherin zu Wort gemeldet. „Olaf Scholz ist ein großer Fan der documenta und hat in den vergangenen 30 Jahren wohl keine documenta versäumt. Er hat aber entschieden, die diesjährige Ausgabe nicht zu besuchen“, sagte die Sprecherin.

          Das Werk von Taring Padi zeigte unter anderem einen Soldaten mit Schweinsgesicht. Er trug ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift „Mossad“ - die Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes.

          „Bundeskanzler Olaf Scholz findet die besagte Abbildung in Kassel abscheulich und hält es für völlig richtig und angemessen, dieses Plakat zu entfernen“, sagte die Sprecherin weiter. „In Deutschland ist kein Platz für antisemitische Darstellungen, auch nicht auf einer Kunstausstellung.“

          Rücktrittsforderung an documenta-Chefin

          Anders sah das der Vorsitzende des documenta-Forums, Jörg Sperling. „Eine freie Welt muss das ertragen“, sagte er. Die Arbeit sei eine Karikatur und seiner Meinung nach von der Kunstfreiheit gedeckt. „Die Kunst hat ein Thema aufgebracht, das außerhalb der Kunst liegt: das Verhältnis von Palästinensern und Israelis. Dieses Problem kann die Kunst nicht lösen, das kann auch die documenta nicht lösen.“

          Abgebaut: An diesem Gerüst hing das vielfach kritisierte Werk des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi
          Abgebaut: An diesem Gerüst hing das vielfach kritisierte Werk des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi : Bild: dpa

          Doch längst ist die Debatte so hochgekocht, dass Schormann sich auch mit Forderungen eines Rücktritts konfrontiert sieht. „Die Generaldirektorin der documenta, Sabine Schormann, muss unverzüglich zurücktreten oder vom Aufsichtsrat abberufen werden“, sagte der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIF), der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Zuvor hatte sich auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, allgemeiner für personelle Konsequenzen ausgesprochen.

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