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Documenta-Skandal : Kassel gegen den Rest der Welt

  • -Aktualisiert am

Ende und Anfang: Ein Documenta-Kunstwerk mit antisemitischen Elementen wird, drei Tage nach der Installation, verhüllt. Einen Tag später lassen es die Verantwortlichen komplett entfernen. Bild: dpa

Der Antisemitismus-Skandal bei der Documenta ist bisher weitgehend ohne personelle Konsequenzen geblieben. Schlimmer noch: In Kassel übt man sich in einer besonderen Form der modernen Kunst. Der des Spurenverwischens durch gespielte Empörung.

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          Kassel gegen Hessen – und gegen Berlin. Der Oberbürgermeister einer marginalen deutschen Metropole fordert den Bund heraus. Was sich in dieser Woche – als Folge des Antisemitismus-Eklats – rund um die Documenta 15 abgespielt hat, ist ein ungeschickt eingefädeltes Ablenkungsmanöver überforderter Kommunalpolitiker. Nachdem Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Die Grünen) als Konsequenz aus der Präsentation eines antisemitischen Kunstwerks zum Auftakt der Documenta mehr Einfluss der Bundesregierung fordert, und dafür die Unterstützung der hessischen Landesregierung erhält, geht der Aufsichtsratsvorsitzende der Kunstausstellung, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), offen auf Konfrontationskurs. Die Stadt, so Geselle, könne die weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst notfalls auch ohne den Bund auf die Beine stellen.

          Mehr noch: Geselle holt den ganz großen Hammer raus und deutet an, der Bund wolle die Freiheit der Kunst in unzumutbarer Weise beschränken. Die Documenta benötige „aus ihrer DNA heraus“ keine „staatliche Zensur“, betont der Oberbürgermeister in einem Schreiben an Roth. „Dies stünde unserer Verfassung entgegen.“ Sollte die Staatsministerin bei ihrer Haltung bleiben und kein Interesse an einer „sachlich konstruktiv geführten Debatte“ haben, würden die städtischen Gremien die Förderung durch die Bundeskulturstiftung infrage stellen.

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