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Antisemitismus an Schulen : Keine Meldepflicht für judenfeindliche Vorfälle

  • -Aktualisiert am

Antisemitismus an Schulen: „Du Jude“ wird auf manchen Schulhöfen immer noch als Schimpfwort benutzt. Religiöse Diskriminierung gegen Kippa tragende Kinder soll bekämpft werden. Bild: dpa

Um religiöse Diskriminierung, vor allem an Schulen, zu verhindern, setzt die Stadt Frankfurt auf Präventionsarbeit. Gute Aufklärung helfe dabei mehr als Repressionen.

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          „Du Jude“, sagen auf manchen Schulhöfen Schüler zu Kameraden, mit denen sie in Streit geraten sind. „Jude“ gilt vielerorts als Schimpfwort, eine andere Beleidigung ist das Wort „Opfer“. Lehrer und Schulleitungen reden nicht gerne über solche Vorkommnisse, geschweige denn, dass sie diese der Schulverwaltung oder den Ordnungsbehörden meldeten. Was soll die Öffentlichkeit denn über unsere Schule denken, wenn solche Vorkommnisse bekannt werden, lautet oft die Rechtfertigung.

          Um diesen verborgenen Antisemitismus bekämpfen zu können, hatte der Chef der CDU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, vor einiger Zeit eine Meldepflicht für judenfeindliche Vorfälle an Schulen gefordert. Der Zentralrat der Juden in Deutschland schloss sich an. Sein Präsident Josef Schuster wünschte sich eine Einrichtung, um judenfeindliche Vorgänge in Deutschland rasch und ohne viele Hürden zu erfassen.

          Sensibilisierung der Lehrkräfte

          Pläne, für Hessen ein solches obligatorische Meldesystem einzuführen, sind nicht bekannt. Es wird nach Angaben des Kultusministeriums in Wiesbaden auch keine Statistik über judenfeindliche Vorfälle an hessischen Schulen geführt. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) will aber die Lehrer und Verantwortlichen an den Schulen im Land noch stärker für antisemitische Vorfälle sensibilisieren.

          In Frankfurt hat nun die Stadtregierung die Einführung eines Meldesystems abgelehnt. „Der Magistrat sieht keine Notwendigkeit zur Meldepflicht für antisemitische Vorfälle“, heißt es in einer Antwort der Schuldezernentin Sylvia Weber (SPD) auf eine Anfrage des Stadtverordneten Uwe Paulsen (Die Grünen). Vielmehr sollen die Präventionsarbeit, die Demokratieförderung und die politische Bildung gestärkt werden, um religiöses Mobbing und Diskriminierung zu verhindern.

          Setzt sich für Präventionsarbeit ein: Leo Latasch, Vorstandsmitglied der Frankfurter Jüdischen Gemeinde.
          Setzt sich für Präventionsarbeit ein: Leo Latasch, Vorstandsmitglied der Frankfurter Jüdischen Gemeinde. : Bild: Frank Röth

          Die Dezernentin darf sich mit dieser Haltung im Einklang sehen mit der Frankfurter Jüdischen Gemeinde. Er würde die Meldung von antisemitischen Vorkommnissen ungern zur Pflicht machen, denn er halte wenig von Zwang, sagte Gemeindevorstandsmitglied Leo Latasch auf Anfrage. Wie Schuldezernentin Weber setzt auch er auf Sensibilisierung und Aufklärung.

          Die Schwierigkeiten eines verpflichtenden Meldesystems beginnen nach Meinung Lataschs schon damit, Antisemitismus klar zu erkennen. Oft komme er als Kritik an Israel daher, und wenn diese Kritiker zur Rede gestellt würden, behaupteten sie in der Regel, sie hätten nichts gegen Juden, sondern wendeten sich nur gegen die israelische Politik.

          Aufklärung anstatt Repressionen

          Stattdessen sprach sich Latasch dafür aus, die Lehrer und Schulleitungen stärker für antisemitische Vorkommnisse zu sensibilisieren und ihnen den Rücken zu stärken, wenn sie dagegen einschritten. Sie müssten den Schülern klarmachen, dass verächtliche Äußerungen über andere Religionsgemeinschaften nicht geduldet würden. Auf jeden Fall nützt nach Ansicht von Latasch eine gute Aufklärung mehr als Repression.

          In Frankfurt gibt es viele Initiativen, die präventiv gegen Antisemitismus und Extremismus einschreiten. So veranstaltet die Bildungsstätte Anne Frank regelmäßig Workshops für Schüler und Fortbildungen von Lehrkräften, um sie im Erkennen und Bekämpfen von Judenfeindlichkeit zu ertüchtigen.

          Schon seit 2013 existiert ferner das von der Stadt gegründete „Ämternetzwerk gegen Extremismus“, das politische Bildung und Prävention für Kitas, Schulen und andere Einrichtungen anbietet. Das Jüdische Museum hat mit „Anti Anti“ ein Bildungsprogramm aufgesetzt, das sich vor allem an Berufsschulen richtet, in denen gehäuft antisemitische Vorfälle registriert werden.

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