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Antisemitische Drohungen : Stadtschülersprecher tritt zurück

  • -Aktualisiert am

Tägliche Anfeindungen: Der Stadtschülersprecher Offenbachs hat Angst mit der Kippa in die Schule zu gehen. (Symbolbild) Bild: dpa

Offenbachs Stadtschülersprecher sieht sich antisemitischen Attacken ausgesetzt. Er hat Angst, mit der Kippa in die Schule zu gehen und wirft der Stadt Tatenlosigkeit vor. Nun tritt er zurück.

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          Eine antisemitische Attacke hat den Sprecher des Offenbacher Stadtschülerrats, Max Moses Bonifer, zum Rücktritt von seinem Amt bewogen. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte Bonifer am Mittwoch, da sich der Vorstand des Stadtschülerrats nicht vor ihn gestellt und ihn verteidigt habe, werde er als Vorsitzender Ende November zurücktreten.

          Nach Darstellung Bonifers haben ihn mehrere junge Muslime in der vorigen Woche bedroht, als er zusammen mit zwei Freundinnen den Wilhelmsplatz überquerte. Da er ein Käppchen, verziert mit einem Davidstern, getragen habe, sei er als Jude erkennbar gewesen. Als die jungen Muslime vorbeigegangen seien, hätten sie gerufen: „Wir spucken auf dein Volk. Wir finden dich, und wir bringen dich um.“

          Wie Bonifer weiter sagte, handelt es sich nicht um den ersten Angriff auf ihn. Schon seit etwa einem Jahr sei er ähnlichen Attacken ausgesetzt gewesen. Das soziale Klima in Offenbach habe sich merklich verschlechtert, da der Einfluss von Salafisten steige. Der Stadt wirft Bonifer vor, die Lage zu beschönigen, obwohl die meisten jungen Muslime „nicht integrierbar“ seien.

          Bürgermeister Peter Schneider (Die Grünen) sagte, Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit würden in Offenbach nicht geduldet. Den Vorwurf, die Stadt beschönige die Gefahr des Islamismus, wies er zurück. Abdelkader Rafoud, Vorsitzender des Offenbacher Ausländerbeirats, sagte, die antisemitische Attacke gegen Bonifer sei „sehr schlimm und überhaupt nicht akzeptabel“. Er werde die Vertreter der muslimischen Gemeinden zur nächsten Sitzung des Ausländerbeirats einladen und den Vorfall ansprechen. Er hoffe, dass auch Bonifer an der Diskussion teilnehmen werde.

          Auch der Frankfurter Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel (SPD) und die Offenbacher Jungsozialisten haben die antisemitische Attacke auf Bonifer verurteilt. Von den etwa 122.000 Einwohnern Offenbach sind mehr als 16.000 Muslime.

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