https://www.faz.net/-gzg-aexmw

Antikes Steingebäude in Mainz : Das Geheimnis des Drusussteins

Ehrenmal oder Siegesmonument: Warum der Drususstein vor 2000 Jahren errichtet wurde, können Archäologen bis heute noch nicht sicher sagen. Bild: Marcus Kaufhold

Frisch konserviert gibt das antike Bauwerk in Mainz Rätsel auf: Ist es ein Ehrenmal für einen Feldherrn oder war es ein sichtbares Siegesmonument, das die Macht Roms zementieren sollte?

          2 Min.

          „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ ist eine Erkenntnis, über die schon in der Antike gesprochen worden sein soll. Von Marcus Tullius Cicero etwa, der sich dabei wiederum auf den griechischen Philosophen Sokrates berufen haben soll. Gut 2000 Jahre später muss auch Marion Witteyer, Leiterin der Landesarchäologie in Mainz, öffentlich eingestehen, dass sie nicht mit Sicherheit sagen könne, ob der gerade aufwendig gesäuberte und konservierte Drususstein tatsächlich ein um 9 vor Christus errichtetes Ehrenmal für den jung verstorbenen römischen Feldherrn Drusus sei. Womöglich handele es sich bei dem Denkmal – und dafür spreche vor allem die Bauform – um ein anderes römisches Siegesmonument: eines, das beispielsweise aus Freude über die zumindest zeitweilig als gelungen betrachtete Unterwerfung der Germanen aufgestellt worden sein könnte.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Die Kombination aus Quader, Rund und Kegel erinnert laut Witteyer jedenfalls an die Architektur des Tropaeum Alpium, das nach einem erfolgreichen Feldzug, bei dem 46 Stämme unterworfen worden waren, im Jahr 15 vor Christus zu Ehren des Kaisers Augustus in den Seealpen oberhalb des heutigen Monacos aufgebaut wurde, um von der Macht Roms zu künden. Nach vorherrschender Meinung wollten die einst in Mogontiacum stationierten Soldaten mit dem Kenotaph ihren mit 29 Jahren früh verstorbenen Feldherrn Drusus ehren, der auf der anderen Rheinseite vom Pferd gestürzt und an den Verletzungen gestorben war. Fortan wurden im römischen Mainz zudem jährlich große, mehrtägige Gedenkfeiern abgehalten, zu denen laut Überlieferung jeweils Vertreter aus bis zu 60 gallischen Bezirken geladen waren. Von einem Monument zu Ehren des Verstorbenen sei in den alten Berichten nichts zu lesen, so die Argumentation der Archäologin: vielmehr von einem Tumulus genannten Hügelgrab.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Warten auf den Corona-Test: Norwegische Studenten harren am Montag am Flughafen von Johannesburg vor ihrem Flug nach Amsterdam aus.

          Neue Corona-Variante : Wie gefährlich ist Omikron?

          Erste Ausbrüche in Europa verstärken die Sorge, die neue Corona-Mutante könnte noch gefährlicher sein als die bisherigen Varianten. Zu Recht? Noch mangelt es an klinischen Daten, aber einiges lässt sich inzwischen schon über Omikron sagen.