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„Antenne Frankfurt“ : Der Gallier unter den Radiomachern

  • -Aktualisiert am

Stephan Schwenks Radioprogramme sind für Kleinstädte gemacht, nun versucht er sich in Frankfurt. Bild: Wonge Bergmann

Im Rhein-Main-Gebiet dominieren FFH und der Hessische Rundfunk den Radiomarkt. Stephan Schwenk hat für seine „Antenne Frankfurt“ trotzdem aufstrebende Pläne.

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          Stephan Schwenks neues Büro ist noch fast leer. Hinter dem großen Schreibtisch stehen lediglich ein paar alte Radiogeräte. Durch die großen Fenster seiner neuen Firmenzentrale im Hochhaus namens City Gate am Frankfurter Nibelungenplatz kann er weit über die Stadt hinweg sehen, aus dem zwölften Stock hat er auch einen guten Blick auf den Ginnheimer Spargel. Von dem Frankfurter Fernsehturm wird „Antenne Frankfurt“ ausgestrahlt – einer von Schwenks Radiosendern. Insgesamt gehören ihm 18 Sender: 17 Lokalradios, darunter „Antenne Frankfurt“, und seit einem Monat auch der deutschlandweit hörbare Sender „Radio Germany One“. Zusammen bilden sie die „Radio Group Germany“.

          „Ich bin eher zufällig beim Radio gelandet“, sagt erzählt Schwenk. Als in den achtziger Jahren das Privatradio aufkam, studierte er noch Betriebswirtschaftslehre in Nürnberg, nebenbei legte er Platten bei einem kleinen Sender auf. „Plötzlich war ich als Student im Radio zu hören.“ Das begeisterte ihn so sehr, dass er seine Diplomarbeit über den Aufbau von Radiosendern schrieb – und begab sich dann in die Praxis. In Nürnberg war er an der Gründung des Jugendsenders Hit Radio N1 beteiligt. Schwenk erinnert sich an viel Skepsis. „Alle Zeitungen haben geschrieben, ein Sender für junge Menschen, das könne nicht funktionieren“, sagt er. „Und trotzdem: Hit Radio N1 ist durch die Decke gegangen.“

          Der Erfolg trieb Schwenk an, am Anfang sei er sozusagen den freien Frequenzen gefolgt. Er eröffnete Lokalradios in Koblenz, Cottbus und Kaiserslautern, betreibt sie heute in Pirmasens, Trier und Idar-Oberstein. 2013 landete er schließlich in Frankfurt. Schwenk übernahm den Mehrheitsanteil von Radio Energy, die dahinterstehende französische NRJ Group hatte erfolglos versucht, sich gegen die Platzhirschen FFH und HR einen größeren Hörermarkt aufzubauen. Schwenk scheut den Versuch trotzdem nicht und ging mit „Antenne Frankfurt“ an den Start. „Der Name zeigt, dass wir Frankfurt im Fokus haben“, sagt er. Der Kanal unterscheide sich von den anderen Lokalradios der Gruppe, die in kleineren Städten senden. „Frankfurt ist allein durch die Größe und die vielen Medien, die es hier gibt, ein Markt, der schwieriger ist.“

          Vielfalt statt Einheitsbrei

          Man müsse immer eine Programmidee haben, die Vielfalt bringe, sagt der Unternehmer, „keinen Einheitsbrei“. Sein neuer Sender „Germany One“, der mit drei Moderatoren in Berlin sitzt, ist komplett englischsprachig und richtet sich an Touristen und Menschen, die neu im Land sind. Von seinen Lokalsendern bekomme der Hörer zur Musik „news to use“– nützliche Informationen. „Wir sagen genau, ob es in Kelkheim schon regnet, oder sich auf der Mainzer Landstraße staut.“ Antenne Frankfurt habe im weitesten Kreis etwa 43.0000 Hörer. „Bis Sie in einer großen Stadt bekannt werden, dauert es Jahre“, sagt er. „Man hat aber auch einen größeren Markt für Werbeumsatz.“

          Davon leben die „Radio Group“ und ihre etwa 120 Mitarbeiter, zuletzt lag der Jahresumsatz bei knapp neun Millionen Euro und der Gewinn nach eigenen Angaben bei 3.7 Millionen Euro. Als kleiner Sender sei kein Leichtes, sich nicht allein von wirtschaftlichen Aspekten leiten zu lassen. Meinungsvielfalt sei ihm wichtig, sagt Schwenk. „Ich baue die Radiosender auf wie ein kleines gallisches Dorf“, sagt er. Mittlerweile seien es fast 20 solcher Dörfer in Deutschland, die gegen die großen Medienanstalten bestehen können.

          Zur Finanzierung des neuen Skyline-Studios, sammelt Schwenk Geld über Crowd Funding. „Hörer, die den Sender gerne hören und das Konzept eines Lokalradios gut finden, können investieren.“ Das würden Großkonzerne auch nicht anders machen, wenn sie Aktien ausgeben. „Wir machen dasselbe im kleinen Stil. Bei mir steht keine Milliarde, sondern ein paar Hunderttausend.“ Die Sammlung startete im Mai. Bei einer Laufzeit von dreieinhalb Jahren und einem Zinssatz von 5,2 Prozent sollen Anleger einsteigen. „Bisher läuft es sehr gut.“

          Radiomacher in der Kritik

          Stephan Schwenk kennt auch andere Zeiten. Medienberichte über Nachrichtenmanipulation, Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung, Zeitungsartikel über unzufriedene Mitarbeiter – an dem Unternehmer wurde viel Kritik geübt. Schwenk bestreitet jegliche Vorwürfe. „Immer, wenn ich irgendwo Lizenzen bekommen habe, hat man sofort versucht, gegen mich zu schießen“, sagt er. Es verweist auf die lokalen Zeitungsverlage. „Die waren immer die Könige im Ort. Wir waren von Anfang an Gegner.“ Die Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung wurden mangels hinreichenden Tatverdachts vor fünf Jahren eingestellt.

          Schwenk berichtet lieber Positives: Der Umzug der Radiostudios in Frankfurt war für ihn ein Herzensprojekt. „Es mir hat es immer Spaß gemacht, wenn man beim Moderieren auf die Stadt gucken konnte“, sagt er. Das werden nun auch seine Moderatoren können, demnächst wird das Programm vom 27. Stock des Bürohauses gesendet. 15 Etagen tiefer kann Stephan Schwenk dann mit den Blicken über Frankfurt schweifen und wählen, welchen seiner 18 Radiosender er dazu hören möchte.

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