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Anschlag auf Rosenmontagszug : Volkmarsen und sein quälendes Rätsel

Trauer in Volkmarsen: Am Tag nach der Attacke versammeln sich die Bürger. Bild: Reuters

Vor einem halben Jahr ist in der nordhessischen Stadt Volkmarsen ein Mann in den Rosenmontagszug gefahren. Während die Menschen versuchen, das Geschehen zu verarbeiten, wirft das Motiv des Täters weiter Fragen auf.

          3 Min.

          In Volkmarsen gibt es so etwas wie die Ruhe während des Sturms. Ein halbes Jahr ist es her, dass die 7000-Einwohner-Stadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg erleben musste, wie es ist, wenn ein fassungslos machender Schrecken über einen Ort hereinbricht. Er traf eine Stadt, die immer stolz auf eine gewisse Beständigkeit war. Der Bürgermeister, der parteilose Hartmut Linnekugel, ist mit 95 Prozent gewählt und seit 1998 im Amt. Es gibt ein eigenes Krankenhaus, ausreichend Kindergärten, Geschäfte, Schulen, Apotheken. Nachmittags trifft man sich in den Vereinen und am Sonntag wird die Kirche besucht. In diese Welt brach die Tat von Maurice P. ein.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Rosenmontag stieg er in sein Auto, einen silbernen Mercedes, fuhr über den Bahnübergang, den Steinweg hinunter. Ein Zeuge erinnert sich noch daran, fast von dem Wagen erfasst worden zu sein, er dachte: „Was macht der denn da?“ Dann beschleunigte Maurice P. das Fahrzeug und hielt geradewegs auf die Menschenmenge zu. Dutzende Karnevalisten, darunter viele Kinder, wurden von dem Wagen erfasst. Panik brach aus, noch bevor überhaupt jemand realisieren konnte, was da gerade geschah. Erst an einem Supermarkt, nach etwa 30 Metern, kam das Auto zum Stehen. Bis heute weiß niemand außer dem mutmaßliche Amokfahrer selbst, was ihn getrieben hat. Maurice P. äußert sich nicht zur Tat.

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