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Annett Louisan in der Alten Oper : Mama will ins Netz

  • -Aktualisiert am

Ganz wie zu Hause: Annett Louisan in der Alten Oper Bild: Marcus Kaufhold

Schranken fallen wie auf Knopfdruck: Beim Konzert in der Frankfurter Alten Oper nimmt Annett Louisan das Publikum sofort für sich ein.

          2 Min.

          Gemütlich hat es sich Annett Louisan gemacht. Ausgezogen nach nur einem Song hat die nach zwei Jahren Konzertabstinenz zurückgekehrte Chansonette ihre viel zu hohen Pumps, die nun wie achtlos auf dem Teppich herumliegen. Lässig fläzt sie sich in ihrem großgemusterten Minikleid mit angezogenen Beinen in einem der beiden Sessel, die um einen Nierentisch, einen Servierwagen und eine Stehlampe auf der linken Seite der spärlich ausgeleuchteten Bühne plaziert sind und Wohnzimmeratmosphäre suggerieren. Wie daheim sollen sich die Besucher in der ausverkauften Frankfurter Alten Oper fühlen.

          Wie auf Knopfdruck fallen die Schranken

          Doch eigentlich bedarf es der heimeligen Kulisse gar nicht. Mit den ersten Takten des Titelsongs ihres fünften Albums „In meiner Mitte“ entsteht schon zum Auftakt Nähe - eine Gabe von Louisan, mit der die ostdeutsche Interpretin mit der ewigen Kleinmädchenstimme schon bei ihrer ersten Tournee im Frühjahr 2005 verblüffte. Wie auf Knopfdruck fallen die Schranken zwischen Publikum, Künstlerin und Begleitensemble. Gebannt hängen die Zuhörer an den Lippen der 1,52 Meter kleinen, seit geraumer Zeit brünetten Frau, deren bürgerlicher Name Annette Päge lautet, wenn sie die Welt um uns herum in plakativen, pointierten bis provokanten Worten aufs Korn nimmt: „Würdest Du?“, fragt sie schelmisch, und keiner im Saal, den sie wenig später bei der Ballade „Chancenlos“ ruhigen Schrittes durchmisst, könnte ihr wohl einen Wunsch abschlagen.

          Einige Veränderungen gegeben hat es bei Annett Louisan seit der Kunstpause, die sie zum Teil in New York verbrachte: Statt ausschließlich auf das bislang gewohnte Team mit Texter und Produzent Frank Ramond und die Komponisten Hardy Kayser und Matthias Hass zu vertrauen, setzt sie nun auf ihren neuen künstlerischen Studiopartner Danny Dziuk. Aber auch Annette Humpe, Ulla Meinecke, Wiglaf Droste oder Ulf Krüger schreiben für sie. Ohnehin schon farbige Arrangements gestalten sich noch facettenreicher. Zwischen gewohnt abwechslungsreicher Chansonkultur findet sich nun auch in Maßen Rock, Folk und Pop. Geblieben ist der unterkühlte Wortwitz, das detailverliebte Betrachten von Alltagssituationen sowie die eindringlichen, aus dem Leben gegriffenen Porträts „Torsten Schmidt“, „Das Spiel“, „Das alles wäre nie passiert (ohne Prosecco)“ und das zur Zugabe vom Publikum vehement gewünschte „Eve“.

          Liebeserklärung an die eigene Mutter

          Ein Stück Authentizität gibt Annett Louisan von sich preis, wenn sie in „Allein und beisammen“ die Trennungen von Ehemann und Freund verarbeitet. Treffsichere Ironie und milden Sarkasmus verteilt sie mit „Pärchenallergie“, „Auf der Jagd nach Mr. Big“, „Rosenkrieg“ und „Verschwinde“. Eine Liebeserklärung an die eigene Mutter gelingt mit „Mama will ins Netz“. Absolut lebensbejahend das eigens von Ulla Meinecke für sie verfasste Lied „Schöner starker Tag“. Noch eindringlicher gelingen Annett Louisan, die beim Publikumsfavoriten „Die Katze“ einen Herrn aus Reihe eins laut miauen lässt und sich während des Keyboard-Solos eine Zigarette im Sessel gönnt, zwei eher ungewöhnliche Titel: „Padam“, nagelneu und noch auf keinem Album zu finden, beschwört die Musette. Völlig losgelöst singt und tanzt Louisan schließlich in der einzigen Coverinterpretation, die sie als ihren Lieblingssong ankündigt: Charles Aznavours „Spiel Zigeuner“.

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