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Annasiedlung in Hanau : Wohnraum nicht verschwenden

Verwahrlosung: Die Annasiedlung am Kinzigheimer Weg in Hanau verfällt weiter. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Annasiedlung in Hanau bietet Raum für nahezu 170 Wohnungen. Wegen zunehmender Verwahrlosung halten es dort allerdings nur wenige Menschen aus.

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          In Hanau gibt es zwei große Quartiere, die Hunderten Menschen zu erschwinglichen Mieten als Zuhause dienen könnten. Zu diesem Zweck können sie aber nicht genutzt werden – oder zumindest für längere Zeit nicht. Eines ist das Sportsfield-Gelände mit 22 gut erhaltenen Wohnblocks, in denen früher die Familien der amerikanischen Soldaten lebten.

          In einigen der Häuser befindet sich eine Sammelunterkunft für Flüchtlinge. Läuft diese Nutzung aus, droht den Häusern der Abbruch. Grund dafür ist das Bundesbaurecht: Weil die Siedlung zu nahe an den Industrieanlagen Dunlop liegt, darf sie wegen der Geruchs- und Lärmbelästigungen nicht langfristig bewohnt werden. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass im Freigerichtviertel seit Jahrzehnten Menschen in unmittelbarer Nähe der Dunlop wohnen. Für diese Häuser und ihre Nutzung besteht Bestandsschutz.

          In dem anderen Fall handelt es sich um die im Hafengebiet liegende Annasiedlung, eine Arbeitersiedlung aus den dreißiger Jahren. Die 13 zwei- und dreigeschossigen Häuser bieten Raum für nahezu 170 Wohnungen. Die Gebäude sind zwar nicht vom Abriss bedroht wie die der Sportsfield-Kaserne, aber vom zunehmenden Verfall, und das, obwohl sie unter Denkmalschutz stehen. Nur noch wenige Mieter halten es dort aus, die meisten Wohnungen stehen leer. Das liegt daran, dass die Siedlung samt Grünflächen mehrfach verkauft wurde und die Eigentümer mehr am Gewinn als an einem ordentlichen Zustand interessiert waren.

          Der Verkauf der damals im Besitz der städtischen Baugesellschaft befindlichen Annasiedlung vor zirka zehn Jahren war ein Fehler, die Häuser wurden zum Spekulationsobjekt. Erst im Jahr 2017 schritt die Stadt ein und berief sich auf das Mittel des Vorkaufsrechts. Doch das Unternehmen Dolphin, das die Siedlung mit sattem Gewinn weiterverkaufen wollte, zog dagegen vor Gericht. Die Aussichten, dass Dolphin sich durchsetzen wird, sind zwar klein, doch die Sache zieht sich ungebührlich in die Länge.

          Das Nachsehen haben die Mieter und diejenigen Bürger, die dort längst eine schöne, erschwingliche Wohnung hätten finden können. Im Moment bleibt der Stadt wohl nur, auf das Gerichtsurteil zu warten und mittels der Bauaufsicht darauf zu achten, dass die Verhältnisse dort nicht völlig aus dem Ruder laufen. Auch bei der Sportsfields-Housing kam die städtische Einsicht spät, wenn auch nicht zu spät. Zunächst hatte man sich dem vermeintlichen Zwang des Baurechts gebeugt und keine Chance gesehen, das Schicksal des Abrisses abwenden zu können. Doch weil das Unverständnis in der Bevölkerung und in Teilen der Politik wuchs, hat der Oberbürgermeister jetzt eine Initiative angekündigt, um Änderungen im Baurecht zu erwirken.

          Dafür will er Politiker aus Land, Bund und Europa nach Hanau einladen und ihnen die vom Abriss bedrohten Häuser zeigen. Dass das erfolgreich sein wird, ist fraglich. Doch das Bemühen zumindest können die Bürger nachvollziehen. Für einen nutzlosen Abriss oder Verfall von Wohnraum haben sie kein Verständnis.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

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