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Insolvente Restaurantkette Coa : Auf die falsche Küche gesetzt

Keine Kunden: Bis auf zwei Restaurants mussten alle Läden der Asia-Kette Coa schließen. Bild: Maximilian von Lachner

Die Restaurantkette Coa sorgte einst mit Crowdfunding für Aufsehen. Doch nun zeigt sich, wie groß das Risiko dieser gut bezinsten Anlageform ist.

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          Gutes Essen ist den Menschen etwas wert, wenn nicht als Ware im Supermarkt, so doch als Investition: Anleger, die ihr Geld mittels Crowdfunding-Projekten zu mehren versuchen, unterstützen recht gern Lebensmittelhersteller mit guten Absichten oder Restaurantketten auf Wachstumskurs. So liehen die Kleinanleger der Restaurantkette L’Osteria erst im Januar dieses Jahres 2,3 Millionen Euro, damit diese neue Filialen eröffnen kann. 724 Fans asiatischer Küche dürften diese Wertpapiere aber trotz der angebotenen 6,25 Prozent Zinsen verschmäht haben– sie müssen noch den Verlust ihres Darlehens für die Frankfurter Coa Holding GmbH verdauen.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gut 1,5 Millionen Euro hatten sie der Restaurantkette, deren Namen eine Abkürzung für „Cuisine of Asia“ ist, im Frühjahr 2018 in Form eines Nachrangdarlehens überlassen. Die Transaktion war viel beachtet, mehr Geld hatte in Deutschland bis dato noch kaum einer über Crowdfunding eingesammelt. Der leichte Weg für Firmen zum Kapital schien gefunden – und für die Geldgeber eine Anlageform, die noch richtig Rendite bringt. Doch statt der versprochenen 7,5 Prozent Zinsen gingen bei den Anlegern recht bald Hiobsbotschaften ein: Im Herbst 2019 beantragte Coa eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Nach dem Lockdown im März wurde daraus eine echte Pleite, weil spätestens jetzt nichts mehr da war, was man hätte verwalten können. Den Todesstoß, sagt Coa-Geschäftsführer Olaf Seidel, habe der Coronavirus dem Unternehmen versetzt. Seinetwegen sei ein zum Jahresanfang aufgetauchter Investor wieder abgesprungen, danach ging nichts mehr.

          „Kein großer Rückfluss für Anleger zu erwarten“

          Offiziell ist das Insolvenzverfahren noch längst nicht abgeschlossen, „aber es ist wohl kein großer Rückfluss mehr für die Anleger zu erwarten“, formuliert es Christopher Grätz vorsichtig. Er ist Geschäftsführer der Crowdfunding-Plattform Kapilendo, auf der Coa um Geldgeber geworben hatte. Allzu groß sei die Aufregung unter den Anlegern auch nach der Insolvenzeröffnung nicht gewesen. Bis auf einen Kapitalgeber, auf den fast zwei Drittel der Darlehenssumme entfallen, hätte der Rest der Crowd eher kleinere Beträge mit der Restaurantkette verloren, sagt Grätz. „Wir raten unseren Kunden ohnehin, keine Einzelanlagen zu machen, sondern das Risiko über verschiedene Projekte zu streuen.“ Wer diesem Rat folge, könne mit seinem Portfolio trotz einiger Ausfälle über fünf Prozent Rendite erzielen, versichert Grätz.

          Dass dies nicht ohne Risiko geht, war auch im Falle von Coa von Beginn an klar. Die Kette hatte sich das Geld der Crowd im Rahmen eines Nachrangdarlehens geliehen, der Name ist Programm: Bei der Verteilung einer Insolvenzmasse werden diese Ansprüche ganz hinten eingereiht. Um die Anlage trotzdem attraktiv zu machen, hatten die Frankfurter neben hohen Zinsen sogar noch einen Bonus von bis zu zwölf Prozent versprochen. Und sie lieferten eine begeisternde Unternehmensgeschichte. Die begann 2005 mit den Brüdern Alexander und Constantin von Bienenstamm, die das erste Coa-Restaurant an der Schillerstraße unweit des Börsengebäudes eröffneten. In Hongkong aufgewachsen, wollten sie mit Coa, so erzählten sie es gerne, die Geschmäcker ihrer Kindheit nach Frankfurt holen – und gerne auch in viele andere Städte.

          Coa hat nie Gewinne gemacht

          Als 2018 die Crowdfunding-Kampagne startete, war nur noch einer der Brüder im Unternehmen. Die Gründer hatten seit 2015 Anteile und Einfluss an den Kapitalgeber namens Co-Investor abgegeben, der als Mehrheitseigentümer das Wachstum in nun schnellerem Tempo vorantreiben wollte. Dabei, so muss nun der erst im Sommer 2019 berufene Geschäftsführer Seidel einräumen, hätten seine Vorgänger Fehler gemacht. Anders als in den Anfangsjahren wurden neue Lokale auch in B-Lagen angemietet, einige waren von der Fläche viel zu groß. Die Umsätze stiegen immerhin auf eine zweistellige Millionenhöhe, Gewinne hat Coa nie gemacht. Stattdessen Schulden.

          So viele, dass die 1,5Millionen Euro von der Kapilendo-Crowd wohl eher zu den kleineren Beträgen gehören, wie Christopher Grätz sagt. Auch deshalb und eben wegen der Nachrangigkeit des Darlehens ist die Plattform kein Mitglied der Gläubigerversammlung. „Aber wir werden vom Unternehmen und dem Insolvenzverwalter gut informiert“, sagt Grätz, zudem trete Kapilendo mit eigenen Juristen als Vertreter der eigenen Anleger auf. Selbstverständlich seien im juristischen Verfahren alle Ansprüche angemeldet– allzu große Hoffnung, dass sie erfüllt werden, habe man in den Schreiben an die verprellten Kunden aber nicht gemacht.

          Coa konzentriert sich auf einen Neuanfang

          Auch wenn das Risiko von Beginn an sichtbar war, so hat auch Kapilendo nach Aussage des Geschäftsführers seine Lektion aus dem Schicksal der Coa Holding gelernt. „Gerade bei gastronomischen Systemkonzepten würden wir nicht mehr in einer so frühen Phase finanzieren“, sagt Grätz. Generell sei man aktuell sehr vorsichtig und starte kaum noch Finanzierungsrunden, obwohl derzeit so viele Unternehmen wie nie darum bäten, auf der Berliner Plattform um Kapital werben zu dürfen. Um das eigene Geschäft zu retten, hat sich Kapilendo mit einer Bank zusammengetan und vergibt nun KfW-Schnellkredite im Online-Verfahren.

          Auch Coa konzentriert sich nun auf einen Neuanfang, der auch ein wenig zurück zu den Wurzeln führen soll. Das verbliebene Restaurant im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach gehört jetzt einer neu gegründeten GmbH, deren Geschäftsführer weiterhin Seidel ist. Die Niederlassung im MyZeil in der Frankfurter Innenstadt wird wie gehabt von Coa-Mitgründer Constantin von Bienenstamm geführt. Bei allem, was verloren ist, seien es weniger die Kleinanleger von Kapilendo, sondern vor allem die 500 Mitarbeiter, um die es ihm leidtue, sagt Seidel. „Sie haben ja monatelang mit uns versucht, Coa zu retten.“ Ihnen dennoch kündigen zu müssen sei ein schwerer Moment gewesen. Trotzdem versucht es Seidel mit ein wenig Optimismus. Für das Restaurant im Main-Taunus-Zentrum sei bald eine Renovierung geplant. Und vielleicht, so erzählt er, könne man doch einen dritten Laden in Norddeutschland wiedereröffnen. Grundsätzlich aber sei das Thema Wachstum erst mal vom Tisch. Genau wie die Idee, sich Kapital über Crowdfunding zu beschaffen.

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