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Insolvente Restaurantkette Coa : Auf die falsche Küche gesetzt

Coa hat nie Gewinne gemacht

Als 2018 die Crowdfunding-Kampagne startete, war nur noch einer der Brüder im Unternehmen. Die Gründer hatten seit 2015 Anteile und Einfluss an den Kapitalgeber namens Co-Investor abgegeben, der als Mehrheitseigentümer das Wachstum in nun schnellerem Tempo vorantreiben wollte. Dabei, so muss nun der erst im Sommer 2019 berufene Geschäftsführer Seidel einräumen, hätten seine Vorgänger Fehler gemacht. Anders als in den Anfangsjahren wurden neue Lokale auch in B-Lagen angemietet, einige waren von der Fläche viel zu groß. Die Umsätze stiegen immerhin auf eine zweistellige Millionenhöhe, Gewinne hat Coa nie gemacht. Stattdessen Schulden.

So viele, dass die 1,5Millionen Euro von der Kapilendo-Crowd wohl eher zu den kleineren Beträgen gehören, wie Christopher Grätz sagt. Auch deshalb und eben wegen der Nachrangigkeit des Darlehens ist die Plattform kein Mitglied der Gläubigerversammlung. „Aber wir werden vom Unternehmen und dem Insolvenzverwalter gut informiert“, sagt Grätz, zudem trete Kapilendo mit eigenen Juristen als Vertreter der eigenen Anleger auf. Selbstverständlich seien im juristischen Verfahren alle Ansprüche angemeldet– allzu große Hoffnung, dass sie erfüllt werden, habe man in den Schreiben an die verprellten Kunden aber nicht gemacht.

Coa konzentriert sich auf einen Neuanfang

Auch wenn das Risiko von Beginn an sichtbar war, so hat auch Kapilendo nach Aussage des Geschäftsführers seine Lektion aus dem Schicksal der Coa Holding gelernt. „Gerade bei gastronomischen Systemkonzepten würden wir nicht mehr in einer so frühen Phase finanzieren“, sagt Grätz. Generell sei man aktuell sehr vorsichtig und starte kaum noch Finanzierungsrunden, obwohl derzeit so viele Unternehmen wie nie darum bäten, auf der Berliner Plattform um Kapital werben zu dürfen. Um das eigene Geschäft zu retten, hat sich Kapilendo mit einer Bank zusammengetan und vergibt nun KfW-Schnellkredite im Online-Verfahren.

Auch Coa konzentriert sich nun auf einen Neuanfang, der auch ein wenig zurück zu den Wurzeln führen soll. Das verbliebene Restaurant im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach gehört jetzt einer neu gegründeten GmbH, deren Geschäftsführer weiterhin Seidel ist. Die Niederlassung im MyZeil in der Frankfurter Innenstadt wird wie gehabt von Coa-Mitgründer Constantin von Bienenstamm geführt. Bei allem, was verloren ist, seien es weniger die Kleinanleger von Kapilendo, sondern vor allem die 500 Mitarbeiter, um die es ihm leidtue, sagt Seidel. „Sie haben ja monatelang mit uns versucht, Coa zu retten.“ Ihnen dennoch kündigen zu müssen sei ein schwerer Moment gewesen. Trotzdem versucht es Seidel mit ein wenig Optimismus. Für das Restaurant im Main-Taunus-Zentrum sei bald eine Renovierung geplant. Und vielleicht, so erzählt er, könne man doch einen dritten Laden in Norddeutschland wiedereröffnen. Grundsätzlich aber sei das Thema Wachstum erst mal vom Tisch. Genau wie die Idee, sich Kapital über Crowdfunding zu beschaffen.

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