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Hanauer Auschwitz-Prozess : Anklage stützt sich auf Lagerdokumente

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Der Eingang zum ehemaligen KZ Auschwitz Bild: AP

Als Arbeiter und Landwirt lebt er seit Jahrzehnten unauffällig im Raum Hanau. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war er zuvor in Auschwitz ein Teil der Vernichtungsmaschinerie.

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          Ein 92 Jahre alter Mann aus dem Raum Hanau war nach Überzeugung der Frankfurter Staatsanwaltschaft an den Verbrechen im Konzentrationslager Auschwitz beteiligt. Der Mann habe als SS-Wachmann wissentlich Beihilfe zum Mord geleistet. Mehr als 70 Jahre danach ist er nun deswegen vor der Jugendkammer des Landgerichts Hanau angeklagt - vor der Jugendkammer, weil er zur Tatzeit Heranwachsender gewesen sei, sagte Staatsanwältin Friederike Busch am Donnerstag in Frankfurt.

          Die Anklage stütze sich im Wesentlichen auf Dokumente wie Dienstpläne, Transport- und Lagerlisten. Der Beschuldigte habe nicht abgestritten, in Auschwitz gewesen zu sein, aber keine weiteren Angaben gemacht, sagte Busch. Im Prozess werde zu klären sein, wie die Organisation in Auschwitz funktionierte, „wie ein Rädchen ins andere griff.“ Das Lager sei „eine riesenhafte Vernichtungsmaschinerie gewesen.“

          Dienst bei Ankunft von drei Transporten

          Wegen der Beweislage seien für die Anklage drei Transporte nach Auschwitz 1942 und 1943 herausgegriffen worden. Von den deportierten Personen seien mindestens 1075 sofort nach ihrer Ankunft in Auschwitz in den Gaskammern grausam und heimtückisch getötet worden - nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat der Wachmann dazu Beihilfe geleistet. Als Wachmann habe er bei der Ankunft der drei Transporte Dienst getan und sei so in die industriell organisierte Massenvernichtung organisatorisch eingebunden gewesen.

          Der Greis ist einer der 14 Verdächtigen, deren Wohnungen im Februar 2014 bei einer bundesweiten Aktion durchsucht worden waren. Gegen einen weiteren Verdächtigen aus Hessen werde nach wie vor ermittelt, sagte Busch. Auch der am Mittwoch in Lüneburg verurteilte frühere SS-Mann Oskar Gröning gehöre zu dieser Gruppe.

          Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest. Es gebe keinen Hinweis, dass der 92 Jahre alte Arbeiter und Landwirt verhandlungsunfähig ist, sagte Busch. Sie gehe von der besonderen Schwere der Schuld aus. Theoretisch gebe es zwei Möglichkeiten einer Verurteilung - nach Jugendstrafrecht maximal 10 Jahre Gefängnis oder nach Erwachsenenstrafrecht nicht unter drei Jahren.

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