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„Game of Thrones“ : Wie aus einem Hühnchen ein Drache wird

Bild: F.A.Z., Pixomondo

„Game of Thrones“ ist eine der erfolgreichsten Fernsehserien der Welt. Für die Drachen in dem Fantasyepos hat die Frankfurter Firma Pixomondo gerade ihren dritten Emmy erhalten. Das ist auch Besuchen im Senckenbergmuseum zu verdanken.

          Dass in der Ahnenreihe des Drachen Drogon auch ein Hühnchen vorkommt, würde man auf den ersten Blick nicht denken. In der amerikanischen Fernsehserie „Game of Thrones“, die in der ganzen Welt zig Millionen Zuschauer fesselt, soll Drogon gemeinsam mit zwei anderen Drachen seiner Herrin Dany im Kampf der Königreiche Kraft verleihen und hat in der bislang letzten, vierten Staffel schon ein gewaltiges Kampfgewicht erreicht.

          Entstanden sind Drogon und seine zwei Kumpane im Frankfurter Osten, bei Pixomondo an der Lindleystraße. In den mit normalen Schauspielern gedrehten Folgen lassen die Animationskünstler mittels ihrer Computer die Drachen nachträglich entstehen, wo vorher nur grüne Kugeln oder orangefarbene Punkte deren Standort angedeutet haben.

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          Zum dritten Mal in Folge wurden die Macher für diese Arbeiten gerade mit einem Emmy geehrt, der höchsten Auszeichnung, die es für Fernsehserien gibt. Dieses Mal ging die Trophäe an Sabrina Gerhardt, die die Arbeiten der Animationskünstler koordiniert und seit dem Abgang des bisherigen Deutschlandchefs Chris Vogt das Studio in Frankfurt leitet. Bei allen wirtschaftlichen Negativmeldungen über Standortschließungen und ausbleibende Honorarzahlungen ist die künstlerische Qualität des von dem Pfungstädter Thilo Kuther gegründeten Effektestudios nach wie vor internationale Spitze.

          Wie macht man einen Drachen?

          Doch wie macht man einen Drachen? Normalerweise sollen Animationskünstler am Computer etwas zaubern, was der Realität möglichst nahe kommt. Bei einem Fantasywesen ist das schwierig. Und da kommt das Hühnchen ins Spiel. Denn noch bevor die Rechner angeschmissen wurden, haben sich die Animatoren ein Suppenhuhn gekauft und ausführlich studiert. Welche Muskeln zeigen sich, wenn die Flügel sich bewegen? Wie sind die Knochen miteinander verbunden? „Das war nichts für Vegetarier“, sagt Gerhardt.

          Herrin der Drachen: Sabrina Gerhardt vor halbfertiger Arbeit

          Auch sonst haben sie und ihre Kollegen versucht, so viel Realität wie möglich in den Computerdrachen einfließen zu lassen. Exkursionen in den Frankfurter Zoo und ins Senckenbergmuseum gehörten zur Vorrecherche. Tatsächlich hat das Computertier ein Skelett wie ein Vogel. Denn nur so können die Gestalter die Figur am Bildschirm so bewegen, das zum Beispiel die Flügel wie echt schlagen. Um das Skelett herum entsteht dann Schicht für Schicht ein Wesen mit Konturen; um die Haut möglichst real aussehen zu lassen, überziehen die Künstler den Körper mit Ausschnitten von Schlangen- und Reptilienhaut. Durch die Flügelzwischenhäute schimmert das Licht, Adern sind zu sehen. Es sind viele solcher Details, die dafür sorgen, dass der Drache nicht wie in frühen Animationsfilmen flächig und ins Bild montiert wirkt, sondern so, als sei er wirklich um die Schauspieler herumgeflogen.

          Placebos funktionieren nicht immer

          Dabei haben die menschlichen Akteure während der Dreharbeiten oft nicht viel mehr als eine grüne Kugel, um sich zu orientieren. Diesen Platzhalter streichelt zum Beispiel „Drachenmutter“ Dany, wenn sie in der fertigen Folge Drogon auf dem Schoß haben soll. Solche Placebos funktionieren allerdings nicht immer. Es kommt schon einmal vor, dass die Schauspieler einem wegfliegenden Drachen hinterherschauen sollen, sie aber in den Filmsequenzen, in welche die Pixomondo-Künstler das Tier hineinsetzen sollen, in die falsche Richtung blicken. So müssen die Frankfurter schon einmal die Augen der Schauspieler nachbearbeiten oder mit einem Flügelschlag die Gesichter verdecken.

          Damit nicht allzu viel gemogelt werden muss, versuchen die Produktionsfirma HBO und die Effektspezialisten möglichst viel vorher abzuklären. Für Szenen, in denen die Drachen besonders wichtig sind, werden sogar vor dem Dreh Zeichentricksequenzen erstellt, damit die echten und die virtuellen Figuren möglichst passgenau miteinander agieren können. Wenn die Frankfurter neue Regieanweisungen bekommen, greifen sie selbst gelegentlich zur Kamera und spielen durch, wie sich drei Drachen in der jeweiligen Szene verhalten könnten. Im Gegenzug kommt manchmal ein Video aus Hollywood, in dem die HBO-Kollegen mit ihren Händen vorspielen, wie die Drachen durch das Bild fliegen sollen.

          Sieht der Drache böse genug aus?

          Auch während der Produktion wird immer wieder in Videokonferenzen über schon bearbeitete Szenen gesprochen. Sieht der Drache böse genug aus? Ist er vielleicht zu sauber, dafür dass er gerade eine Ziege gerissen hat? „Wir kriegen ähnliches Feedback wie Schauspieler vom Regisseur“, sagt Gerhardt.

          Es ist bemerkenswert, dass der gesamte Auftrag in Frankfurt bearbeitet wird. Denn im internationalen Spiel der Filmproduktionen zählt oft nur eines: Wer kann wo am billigsten arbeiten? Ein wichtiges Argument in diesem Pokerspiel heißt Steuererleichterungen. Einige Staaten wie Kanada erlassen Filmproduktionsfirmen einen Großteil ihrer Steuern, was die Hollywoodstudios danken, indem sie große Teile etwa der Spezialeffekte in Toronto erledigen lassen. Deutschland hält dagegen mit vergleichsweise niedrigen Fördersummen für die technische Nachbearbeitung von Filmen.

          Gerhardt ist seit 2008 bei Pixomondo

          Die 34 Jahre alte Gerhardt ist seit 2008 bei Pixomondo. Studiert hat die Wiesbadenerin Sozialarbeit. Doch nach dem Studium hat sie erst einmal ein Praktikum in der Werbeagentur McCann Erickson gemacht, dann eine Ausbildung zur Kauffrau für audiovisuelle Medien und schließlich bei Pictorion das Werk angefangen. Ging es dort mehr um das Nachbearbeiten von Werbefilmen für Nestlé und L’Oréal, so gefällt ihr bei Pixomondo, dass die Arbeit selbst ein bisschen wie Filmemachen sei. Obwohl sie eigentlich keine Freundin von Fantasy sei, guckt sie „Game of Thrones“ nicht nur aus geschäftlichen Gründen. Die Drachensequenzen gingen dann aber doch immer schneller vorbei als gedacht. „Meistens ist man überrascht, wie schnell die eigenen Szenen vorbei sind, und denkt: Was, daran habe ich doch ein halbes Jahr gearbeitet.“

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