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Gießen 46ers : Angenehme Sorgen für den wilden Haufen

  • -Aktualisiert am

Schlägt sich in Liga zwei weiter sehr ordentlich mit seiner Mannschaft: Denis Wucherer, Trainer der Gießen 46ers Bild: Huebner/Vogler

Die Basketballer der Gießen 46ers sind jung und hungrig. Aber ein Aufstieg in die Bundesliga wäre aus wirtschaftlichen Gründen problematisch.

          Erst war es nur der Nichtabstieg, dann immerhin ein Platz zwischen sechs und zehn und schließlich sogar der Heimvorteil in der Play-off-Runde - dreimal haben die Gießen 46ers in den vergangenen Monaten ihr Saisonziel geändert. Zu ihrer Freude waren sie dazu gezwungen, weil die junge Mannschaft von Basketballtrainer Denis Wucherer in der Pro-A-Division der zweiten Liga nur einen Weg einschlug: den nach oben. Nach den vielen Tiefschlägen der zurückliegenden Jahre, die mit dem Bundesliga-Abstieg 2013 ein schlimmes Ende fanden, ist das eine ungewohnte Perspektive für die 46ers.

          Doch als jetzt mit dem 75:64-Heimsieg über Jena am letzten Hauptrundenspieltag noch der Sprung auf Platz vier gelungen war, mischte sich ein kleiner Wermutstropfen in den Stolz der Überraschungsmannschaft mit dem Durchschnittsalter von 22 Jahren. Denn bei einem Viertelfinalerfolg in den Play-offs gegen Jena hieße der nächste Gegner im Halbfinale vermutlich Göttingen. Jenes Team, das die Liga bisher dominiert hat. „Insofern wäre für uns auch Platz sechs oder sieben okay gewesen“, sagt Wucherer, den die Ausgeglichenheit der Spielklasse mit Ausnahme des unangefochtenen Spitzenreiters fasziniert. Und durch ihre Unbekümmertheit in der Fremde (9:6-Siege) müssen sich die Gießener vor Auswärtsspielen nicht fürchten.

          Bessere wirtschaftliche Grundlage

          Die Lizenzierungsunterlagen für die neue Runde in der Pro A haben sie fristgerecht eingereicht. Die darin enthaltenen Zahlen sollen vielversprechend sein. „Die wirtschaftlichen Voraussetzungen wären wesentlich besser als in dieser Saison“, sagt Geschäftsführer Heiko Schelberg. „Wir sind für die zweite Liga gut gerüstet.“ Aber wäre der Klub, der die Insolvenz Anfang 2013 hatte abwenden können, auch für die erste Liga vernünftig aufgestellt? Mit der Finalteilnahme in der Pro A hätte er sich sportlich für das Oberhaus qualifiziert. Bis Mitte April will Schelberg die erforderlichen Unterlagen bei der Basketball-Bundesliga (BBL) eingereicht haben. Aber er sagt: „Es wäre mit Sicherheit ein Kraftakt.“

          Nicht, weil die Konsolidierung nach Jahren der Misswirtschaft nur schleppend verläuft. Die finanziellen Reparaturarbeiten sind vielmehr in vollem Gange: Spätestens vom 1. Juli an soll die Gießen 46ers GmbH & Co. KG die neue Trägergesellschaft der Basketballer sein. 21 Gesellschafter, sogenannte Kommanditisten, haben bisher jeweils einen geringen fünfstelligen Betrag in die Gesellschaft eingebracht. 46 sollen es einmal werden. „Das gibt uns Luft zum Atmen“, sagt Schelberg. Unter seiner Führung und nach seinen Angaben haben die Mittelhessen Schulden in Höhe von 380 000 Euro abgebaut. Trotzdem würden die Verbindlichkeiten weiter im sechsstelligen Bereich liegen. Die Altlasten haben also Einfluss auf das Tagesgeschäft.

          46ers haben nichts zu verlieren

          Insofern fragt sich auch Wucherer, ob ein Aufstieg Sinn machen würde. „Absolut: In der ersten Liga müsste die Mannschaft anders zusammengestellt sein“, sagt er. Die 46ers mit ihrem Kapitän Joshiko Saibou sind mit vermeintlichen Nachteilen in die Saison gegangen. So ist der Kader dünn besetzt. Außerdem steckt nach Auffassung des ehemaligen Nationalspielers in anderen Mannschaften mehr Talent. „Aber wir sind ein eingeschworener Haufen mit hungrigen und wilden Spielern. Das hilft uns über verschiedene Defizite hinweg.“ Die Verteidigung ist allerdings die große Stärke beim Wiederaufbau des Gießener Basketballs. Das bekam auch die Mannschaft aus Jena zu spüren, deren Spiel, so Wucherer, auf „totale Offensive ausgelegt“ sei. 95,3 Punkte erzielten die Thüringer pro Spiel. Nur bei den beiden Misserfolgen gegen Gießen waren es lediglich 64 und 71 Zähler.

          Der Tabellenvierte hat im Kräftemessen mit dem Fünften in den maximal fünf Spielen die Favoritenrolle inne. Und zu verlieren haben die Gießener, die sportlich ihrer Zeit voraus sind, nichts. Nach dem Abstieg in die Pro B durchgereicht zu werden - das war ihre größte Befürchtung. Heute hingegen haben sie viel angenehmere Sorgen.

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