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Angekratztes Image : Diesmal glänzt es bei Burger King

  • -Aktualisiert am

Burger King in Aschaffenburg: In dieser Filiale durften Kunden hinter die Kulissen blicken. Bild: Rainer Wohlfahrt

Das Image von Burger King ist angeschlagen. Helfen sollen Aktionen, etwa wenn Kunden in die Küche schauen dürfen. In Aschaffenburg durften sich einige in einer Filiale umsehen. Sie wollten viel wissen.

          Man darf der Mücke keinen Vorwurf machen. Woher soll sie wissen, dass sie nicht in die Burger-King-Küche darf? Hier riecht es aber auch gut: das Fett, die Saucen, die süße Limonade. Durch das offene Fenster zum Autoschalter ist sie wahrscheinlich heimlich eingeflogen, vorbei an all den Sicherheits- und Hygieneplakaten an der Wand. Die Regeln, die sich dort finden, sind streng. Vor jedem Betreten der Küche müssen die Mitarbeiter ihre Hände waschen, einmal in der Stunde aber auf jeden Fall. Vielleicht kam die Fliege aber auch mit einem der Kunden hinein, die an diesem Tag ausnahmsweise hinter den Tresen schauen dürfen und in ihren Jeans und Straßenschuhen reichlich dreckig wirken, verglichen mit den Mitarbeitern in einheitlich grauer Uniform.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Aber die Restaurant-Managerin nimmt das heute alles im Kauf - die Mücke und die Straßenschuhe. Denn heute ist die Küche offen bei Burger King. Wer einmal wissen will, wie in der Systemgastronomie Burger gebraten werden, konnte sich im Internet zu einer der halbstündigen Führungen anmelden. 250 der 700 Burger-King-Filialen in Deutschland machen bei der Aktion mit. Warum nicht alle, fragen Kritiker. Weil nicht alle Filialen groß genug seien, antwortet das Unternehmen. Weil nicht alle so schnell sauber zu kriegen sind, spotten verprellte Kunden. Ganz zufällig dürfte die Wahl der 250 Restaurants zumindest nicht gewesen sein.

          Warum klappt es nicht überall?

          Denn den Zufall mögen sie bei Burger King gar nicht. Nicht zufällig kommt die Gurke auf das Burgerbrötchen, sondern mit genau vier Scheiben. Nicht zufällig werden mit irgendeinem Lappen die Tische geputzt, sondern immer mit dem roten. Das lernen die drei Gäste während des Rundgangs durch die Filiale an der Hanauer Straße in Aschaffenburg gleich. Umso ärgerlicher, als Günter Wallraff vor einigen Monaten zufällig in gerade denjenigen Burger-King-Filialen arbeitete, in denen zufällig das Fleisch auch nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums noch verwendet wurde und zufällig der Boden voller Pommes lag.

          In dieser Filiale am Rande des Rhein-Main-Gebiets aber ist alles so, wie es sein muss. Das Fleisch hat eine Kerntemperatur von mehr als 70 Grad (der Kunde darf es messen), die Toiletten werden regelmäßig geputzt (der Kunde kann es riechen). Warum klappt das hier und woanders mitunter nicht? Etwa in einigen Filialen der Yi-Ko-Holding, die im März vergangenen Jahres 91 Restaurants gekauft hatte und so auf einen Schlag zum größten Franchisenehmer von Burger King in Deutschland wurde?

          Qualitätskluft - je nach Filiale

          Nicht nur in dem Fernsehbericht von RTL wurde Kritik am neuen Eigentümer geäußert, sondern auch von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten. Einige ihrer Vorwürfe: Bestehende Betriebsräte sollen zerschlagen, aufmüpfige Mitarbeiter unter fadenscheinigen Gründen entlassen worden sein. Es kam zu diversen Gerichtsverfahren, auch gegen die Gewerkschaft selbst, die von Burger King wegen Verleumdung verklagt wurde. Oft werde zudem nicht nach Tarifvertrag bezahlt, lautete eine andere Anschuldigung gegenüber dem neuen Eigentümer. Grund dafür dürfte unter anderem die Strategie von Yi-Ko sein: Sie will schnell wachsen, sprich: neue Restaurants eröffnen, und die Kosten senken.

          Auch hier gilt: In dieser Filiale in Aschaffenburg ist alles anders, besser. Das bestätigen auch die Mitarbeiter, mit denen man an diesem Tag als Kunde in einer ruhigen Minute einmal etwas länger sprechen kann - ohne dass die Chefin daneben steht. Sie sagt aber auch ganz offiziell: „Es gibt eben solche und solche Burger-King-Filialen. In manchen würde ich selbst nicht essen.“ Es tut ihr offensichtlich gut, ihren Kunden das einmal so zu sagen. Denn unter dem schlechten Image von Burger King leidet sie als mittelständische Unternehmerin, der nicht 91 Filialen, sondern nur vier gehören, wohl mit am meisten. Für den Gast sei eben nur schwer auszumachen, welche Filiale von welchem Franchisenehmer betrieben werde, obwohl es an der Eingangstür stehe. Für die Kunden ist Burger King einfach Burger King, ein Geschmack, eine Marke.

          Wenige schaden ganzer Branche

          Deren Aktionen zur Besserung ihres Rufs bezeichnet Guido Zeitler trotzdem als Klamauk. Die Restaurants müssten immer und nicht an drei ausgewählten Tagen sauber und gut arbeiten, sagt der Referatsleiter Gastgewerbe der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten. Er glaubt nicht daran, dass Burger King den Schalter umgelegt hat. Zwar seien die meisten Kündigungsverfahren, die Burger King vor Gericht angestrengt hatte, inzwischen zurückgenommen worden. Nach wie vor werde aber um Geld gestritten. Und auch die Auswechslung der Führung bei Yi-Ko sei reine Kosmetik. „Die Verfehlungen einiger sind für die ganze Branche unsäglich.“ Die Zahlen dürften ihm recht geben. So ist der Umsatz von Burger Kings größtem Konkurrenten McDonald’s zuletzt zurückgegangen. Und auch die Umsatzentwicklung bei Burger King selbst ist laut Zeitler „sehr angespannt“. In die Qualität werde zu wenig investiert.

          Auch die Gäste, die heute einmal hinter dem Tresen stehen, wollen viel wissen: wie oft wird das Fett aus den Fritteusen erneuert (einmal am Tag), nach wie viel Minuten des Warmhaltens muss der Whopper in den Mülleimer (nach zehn). Die Vorschriften sind also alle da, nur müssen sie auch eingehalten werden. Dazu haben sie sich in dieser Filiale, die von Vater, Mutter, Tochter und Sohn geleitet wird, noch individuell ein bisschen was ausgedacht, sogar in der strengen Welt der Systemgastronomie. Einmal in der Woche kommt etwa ein Bauer aus der Region vorbei und holt den Eimer mit den Burger- und Hähnchenresten ab. Und auch die Teilnehmer der Imagekampagne werden am Ende ihrer Führung nicht nur zum Essen eingeladen, sondern dürfen in einem halbem Jahr mit Schürze und Kappe auf dem Kopf wiederkommen und abermals in die Küche schauen. Die kritischen Gäste nicken: gerne.

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