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Andreas Gabalier in Frankfurt : Selbstironischer Markenartikel

  • -Aktualisiert am

Mit Geweih als Mikroständer: Andreas Gabalier live Bild: dpa

Spitzendirndl, Lederhosen und Gamsbart-Hüte reihen sich dicht an dicht in der Jahrhunderthalle. Was auf ersten Blick aussieht wie ein Oktoberfest, erweist einem österreichischen Musikus die Ehre.

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          Ein zünftiger Look findet begeisterte Nachahmer: Mehrheitlich in alpenländische Tracht gewandet, drängt sich das Publikum in der seit Wochen restlos ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle. Spitzendirndl, Lederhosen und Gamsbart-Hüte reihen sich dicht an dicht. Was auf ersten Blick aussieht wie ein Oktoberfest, erweist tatsächlich einem österreichischen Musikus die Ehre: Andreas Gabalier, 28 Jahre alter Entertainer, bricht mit seiner Mischung aus Volksmusik und Rock Verkaufsrekorde. Fünf Alben hat er seit 2009 veröffentlicht und serienweise Preise gesammelt.

          Nachdem die generalstabsmäßig geplante und durch den Hit „I sing a Liad für di“ angeschobene Karriere des ehemaligen Jurastudenten schon in seinem Heimatland funktioniert hat, geht es nun in Deutschland erfolgreich weiter. In speckigen Krachledernen, rosa Trachtenjanker und mit penibel aufgetürmter Schmalztolle legt Gabalier ein beachtliches Selbstbewusstsein an den Tag. Unmissverständlich eint die Botschaft des Auftaktsongs „Volks-Rock-’n’-Roller“ scheinbar Unvereinbares.

          Mit Stimme und Akkordeon

          Der Grazer, in dessen Familie sich im Abstand von nur zwei Jahren zwei Tragödien ereigneten, als sich erst der Vater, dann die Schwester das Leben nahmen, wird begleitet von einem erstklassigen Ensemble. Dessen sieben Mitglieder zeigen sich versiert in sämtlichen angloamerikanischen Rockspielarten. Zugleich sorgt der mit kräftigem Stimmtimbre ausgestattete Vokalist durch regelmäßigen Einsatz seines wuchtigen Akkordeons, eines zum Mikrofonständer umfunktionierten Hirschgeweihs sowie durch treuherzige Überleitungen, wie sie einst seinem Landsmann Peter Alexander nicht geschmeidiger über die Lippen kamen, für Volkstümliches.

          Hymnen wie „Dahoam“, „Obersteirer“ und „Traditional Clothing“ verbinden Heimatliebe, Familiensinn und Traditionsverbundenheit mit hedonistischem Rockkulturgehabe - ein Konzept, das durchaus auch Erfolg in Übersee verspricht. Wenn Andreas Gabalier auf einem weit ins Auditorium ragenden Laufsteg der Fangemeinde oft seinen properen Allerwertesten mit laszivem Schwung entgegenreckt, inszeniert er sich wie einst Elvis Presley in erster Linie als ein auf fesch getrimmtes Sex-Symbol.

          Ein Vollblutmusiker

          Aber er funktioniert eben auch als selbstironischer Markenartikel, der sich von unterschiedlichen Vorbildern einiges borgt: Rot-weiß karierte, um Ober- und Unterarm geschlungene Taschentücher ersetzen Wolfgang Petrys Freundschaftsbändchen; das parodistische Element stammt von Dick Brave, dem Alter Ego von Popsänger Sasha; Falco liefert Ösi-Schmäh sowie den Hang zu englischen und deutschen Reimen; stilsichere Ausflüge in Rockgefilde wie „Die Beichte“ und „Fesche Madl“ sind deutlich inspiriert vom OEuvre der Rolling Stones.

          Als Vollblutmusiker weiß Andreas Gabalier auch zu überzeugen. Wenn er ohne Bandbegleitung am Klavier die Ohrwurmballaden „Steirerland“ und „Für mich bist du schön“ zum Besten gibt, schunkelt das kollektiv gerührte Auditorium im Gleichtakt um die Wette.

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