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Andrea Berg in Frankfurt : Ich schieß dich auf den Mond

  • -Aktualisiert am

Show mit Fliegenpilz: Schlagersängerin Andrea Berg in opulenter Bühnenkulisse Bild: Wonge Bergmann

Die ehemalige Königin des Schlagers, Andrea Berg, betört ihre Fans in der Frankfurter Festhalle mit einem dreistündigen Discofox-Inferno – und nimmt das Publikum mit in ihr Bett. Den Fans scheint es zu gefallen.

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          Trockeneis umflort auf der runden Zunge eines ellenlangen Laufstegs ein großes Bett, eine Traumwiese mit Kissen, üppiger Decke, einem Riesenteddybären und einer Plüscheule. Sekunden später schreitet Andrea Berg in einem bodenlangen Phantasiegewand wie eine gute Fee aus dem Bühnenuntergrund nach oben. Den hinreißend aufgemachten Schlagerstar wollen in der Frankfurter Festhalle allerdings nicht mehr ganz so viele Fans sehen wie beim vorigen Gastspiel vor drei Jahren. Trotz des verlockenden Angebots: „Ich will euch heute Abend mitnehmen in mein Bett! Mit euch durch meine Träume reisen“, schwärmt die ehemalige Arzthelferin. „Ich hoffe, ihr kommt mit!“, lockt sie vielversprechend, bevor sie in den ersten Song ihres Konzertmarathons in überaus angenehmer Klangbalance einsteigt.

          „Mosaik“, das Titelstück vom aktuellen 16. Studioalbum und erster von insgesamt 37 Songs, eröffnet das von einer Pause unterbrochene dreistündige Discofox-Inferno – abgesehen von gelegentlich zwischengestreuten Balladen sowie einem launigen Akustik-Set im zweiten Teil. Ein authentisches Ensemble mit starkem Hang zu Pop und Rock nimmt auf der unteren Etage einer zweistöckigen Hightech-Kulisse mit jeweils einer Las-Vegas-Showtreppe an beiden Seiten Platz. Ebenfalls mit von der Partie ist eine gemischte Tänzertruppe. Für Bühne, Tänzer und Regie des Spektakels ist wieder DJ Bobo verantwortlich. In stimmlich ausgezeichneter Form befeuert Andrea Berg sogar das tanzwütige Treiben im nahezu komplett bestuhlten Innenraum der Festhalle: „Das Tanzen, Mitsingen, Mitklatschen, ob allein, zu zweit oder in der Gruppe, ist nicht nur erlaubt, erwünscht, sondern ausdrücklich gefordert“, flötet sie zuckersüß.

          Schlagerkönigin im Weltall

          Als Grundlage dienen sowohl ein kompakter Auszug aus „Mosaik“ als auch ein ausführliches Best-of aus 28 ereignisreichen Karrierejahren. Kaum warm gesungen, geht die Berg bei „Wenn du mich willst (dann küss mich doch)“ mit dem Auditorium auf Tuchfühlung. Intensives Händeschütteln, Selfies, Küsschen hier und da, Geschenke entgegennehmen – derweil wechseln die über die ganzen Kulissen verteilten Projektionen von Song zu Song: Mal erstrahlt sie mystisch-mythisch wie im Science-Fiction-Kult „Avatar – Aufbruch nach Pandora“, dann wieder als futuristische Zahnräderwelt. Bei „Kilimandscharo“ gibt es Urlaubsvideos von Bergs Familie. Bis zur Pause sind auch schon zwei unwiderstehliche Kostümierungen durch, im zweiten Teil lädt sie nicht mehr zu sich ins Bett, sondern in den Kosmos. Sie selbst glitzert silbern, ihre Musiker schwitzen in Raumfahreranzügen, zur Bühnenmitte bläht sich ein gigantischer Astronaut auf, und die Kulissen tauchen ein in die unendlichen Weiten des Weltraums. Da hätten auch Mr. Spock und Captain Kirk ihre Freude gehabt. Dazu passen die Gassenhauer „Hallo Houston“, „Schenk mir einen Stern“ und „Ich schieß dich auf den Mond“.

          Zwar hat die 53 Jahre alte Berg den Titel als Schlagerkönigin spätestens nach dem Diamant-Hit „Atemlos durch die Nacht“ von 2013 an die jüngere Konkurrentin Helene Fischer abtreten müssen. Gegen deren Superlative, ob in Ticketverkauf, Tonträgerabsatz oder Show-Opulenz, sind derzeit kein Kraut und auch nicht die bunten Pril-Blumen gewachsen, die auf der Zielgeraden von Bergs unterhaltsamer Show dominieren. Bevor die Berg ihren Gassenhauer „Du hast mich tausendmal belogen“, quasi ihr „Atemlos durch die Nacht“, anstimmen kann, greift sie tief ins Oldie-Schlagerarchiv, um Udo Jürgens’ „Griechischen Wein“, Judy Garlands „Somewhere Over The Rainbow“ und Vicky Leandros’ „Ich liebe das Leben“ zutage zu fördern. Fazit: Auch auf Platz zwei der Thronfolge lässt es sich noch schön leben.

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