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Rechtsstaat in der Pandemie : Justiz an der Corona-Front

Handschellen anlegen: Polizisten können nicht immer den notwendigen Sicherheitsabstand halten (Symbolbild). Bild: Plainpicture / Bearbeitung F.A.Z.

Tag für Tag trotzen sie der Pandemie: Richter, Wachtmeister und Anwälte arbeiten weiter, weil das System sie braucht. Den Corona-Sicherheitsabstand zu halten ist dabei nicht immer möglich.

          7 Min.

          Der erste Anruf kommt, als es gerade richtig hell geworden ist. Es ist kurz nach sechs, ein Psychiater ist am Telefon. „Wir haben einen manisch-depressiven Patienten, der mit Stühlen wirft. Wir müssen ihn fixieren. Können Sie kommen?“ Sylvia Hauptmann trinkt ihren Kaffee aus, zieht sich an und steigt ins Auto.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Mann, an dessen Bett sie kurz darauf steht, schreit so laut, dass sie es schon durch die Tür hören kann. Sobald sie den Raum betritt, fängt er an, auf sie einzureden. Jeder Satz ist wirrer als der vorherige. Verschwörerischer, persönlicher. Es geht um Wanzen im Kopf, Plastik im Körper, bestechliche Politiker, Konzerne mit bösen Absichten. Er will wissen, wo Hauptmann essen geht. Woher ihre Atemschutzmaske kommt. Macht ihr Komplimente. Aber eigentlich geht es nur um ihn. Der Mann sucht die Bühne. Typisch für einen Manisch-Depressiven, sagen die Ärzte ihr, lehrbuchhaft. Und Hauptmann, die Richterin, die gekommen ist, um ihn anzuhören, soll sein Publikum sein.

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