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Amerikanischer Generalkonsul Milas : „Die Stadt ist interessanter, als ich gedacht hatte“

Neuer amerikanischer Generalkonsul: Kevin Milas fühlt sich wohl in Frankfurt. Bild: Hoang Le, Kien

Ebbelwei und Grüne Soße hat er schon probiert. Auch die Saalburg und das Städel hat er besucht. Kevin Milas, neuer amerikanischer Generalkonsul, ist erst seit fünf Wochen in Frankfurt - aber schon viel herumgekommen.

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          Den ersten Ebbelwei und Grüne Soße hat er schon probiert. Bei den Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Winfried Kretschmann ist er vor ein paar Tagen gewesen, Kurt Beck hat er vorgestern getroffen. Auch den Feldberg, die Saalburg und das Städel hat er schon besucht.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kevin Milas ist erst seit fünf Wochen in Frankfurt - aber schon ganz schön herumgekommen. Das ist das Los eines jeden Generalkonsuls, der einen neuen Posten bezieht. Am Anfang der Amtszeit reiht sich Antrittsbesuch an Antrittsbesuch, folgt Interview auf Interview, jagt ein Kennenlerntreffen das nächste. So geht es auch dem 60Jahre alten Amerikaner, der sein Land zuletzt an der Botschaft im afghanischen Kabul vertreten hat und jetzt für drei Jahre das große Frankfurter Generalkonsulat führt. Dabei ist er außer für Hessen auch für Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig, weshalb er gleich nach seiner Ankunft auch nach Stuttgart und Mainz reiste. Saarbrücken folgt in der nächsten Woche.

          „Jetzt merke ich, wie lebenswert es hier ist“

          In Frankfurt ist Milas schon oft gewesen. Meistens auf dem Flughafen, ein paarmal zu Besuch bei Freunden und als Siebzehnjähriger mit seinem Vater. Der war 1969 als Marineoffizier auf dem Weg zu seinem neuen Standort in Spanien erkrankt und musste deshalb in Frankfurt behandelt werden. Sein Sohn erinnert sich noch genau an die drei oder vier Tage im alten Militärkrankenhaus in Eckenheim. Dass der Gebäudekomplex einmal sein Arbeitsplatz als oberster Vertreter Washingtons werden würde, hat er sich damals nicht träumen lassen. „Aber jetzt hat sich in gewisser Weise ein Kreis geschlossen.“

          Sein Eindruck nach den ersten Wochen in Frankfurt? „Die Stadt ist viel, viel interessanter, als ich gedacht hatte.“ Er habe immer das Bild einer sehr wirtschaftsorientierten, von Banken und großen Unternehmen dominierten Stadt im Kopf gehabt, sagt Milas. Einer Stadt, in der die Menschen arbeiten, aber nicht leben. „Aber jetzt merke ich, wie lebenswert es hier ist.“ Abgesehen davon, sei Frankfurt natürlich von besonderem Interesse für die Vereinigten Staaten. Nicht nur als zentraler europäischer Finanzplatz und Verkehrsknotenpunkt, sondern auch weil das hiesige Generalkonsulat mit seinen rund tausend Mitarbeitern eine der größten amerikanischen Vertretungen im Ausland überhaupt sei. „Wir kümmern uns von hier aus um zahllose Konsulate, Botschaften und andere Vertretungen praktisch weltweit.“

          „Die Amerikaner lieben Deutschland“

          In den diplomatischen Dienst trat Milas 1980 ein, nach seiner Zeit beim Militär, das ihn von 1975 bis 1978 als Leutnant auch nach Regensburg entsandte. Mittlerweile hat er viel von der Welt gesehen: Sierra Leone und Moçambique in Afrika, El Salvador und Peru in Mittel- und Südamerika, später Dublin, Moskau und Ankara, schließlich Kasachstan und Afghanistan. „Es waren einige ziemlich anstrengende Stationen darunter“, sagt der Berufsdiplomat und lächelt vorsichtig. Nicht nur deshalb kommt ihm Frankfurt sehr gelegen. „Ein bisschen weniger Aufregung kann nicht schaden.“

          Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sieht Milas auf einem guten Weg. Trotz aller Spannungen, die es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder einmal gegeben habe, sei die Freundschaft heute enger denn je. „Und wissen Sie: Die Amerikaner lieben Deutschland!“ Viele liebten das reale Land, manche wohl leider nur das Bild, das sie von den Deutschen hätten, als Menschen, die in Lederhosen herumlaufen, Bier trinken, Wurst essen und Blasmusik hören. Dass Frankfurt und Umgebung mehr als das zu bieten haben, weiß Milas. Er persönlich möchte vor allem die hiesigen Weine kennenlernen, die in Amerika, wie er meint, noch immer unterschätzt werden.

          Nach Kabul jetzt in Frankfurt

          Seine Frau Eileen, eine Lehrerin, wird ihn dabei begleiten. Sie ist wie nach Kabul auch mit nach Frankfurt gekommen. Die beiden erwachsenen Kinder leben in Amerika, haben aber versprochen, bald zu Besuch nach Deutschland zu kommen. Bis es so weit ist, hat der neue Generalkonsul allerdings noch einige Antrittsbesuche zu absolvieren. Der Termin mit Oberbürgermeister Peter Feldmann ist schon vereinbart.

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