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Amerikanische Generalkonsulin : „Es ist ein bisschen wie in einer Ehe“

Freundliche Art, deutliche Worte: Als Karrierediplomatin hat Lacina viel Erfahrung gesammelt. Bild: Wolfgang Eilmes

Seit dem Sommer ist Patricia Lacina die amerikanische Generalkonsulin in Frankfurt. Dabei ist sie mit einer ganzen Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Allen voran kommt der Diplomatie in Zeiten transatlantischer Verstimmungen eine besondere Bedeutung zu.

          Die ersten Wochen des Jahres waren für Patricia Lacina ziemlich ruhig. Kaum Termine, keine Besucher, alles auf Sparflamme. Der sogenannte Government Shutdown, der die amerikanische Regierung über den Jahreswechsel insgesamt 35 Tage lang bis zum 25. Januar praktisch lahmlegte, ging auch an der neuen amerikanischen Generalkonsulin in Frankfurt und ihren Mitarbeitern nicht spurlos vorüber. Im Gegenteil: Wie ihre vielen Kollegen in den Vereinigten Staaten, so mussten auch am Main zahlreiche Regierungsangestellte die Arbeit einstellen und auf eine Einigung zwischen dem Kongress und dem Präsident warten. Für die 1960 geborene Lacina bedeutete das vor allem eins: keine dienstlichen Treffen, keine öffentlichen Auftritte, keine offiziellen Äußerungen.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei ist gerade das eigentlich ihr Kerngeschäft auf dem Posten, den sie seit dem Sommer innehat. Von dem Vertreter beziehungsweise der Vertreterin Washingtons in Frankfurt wird nämlich – nicht nur, aber auch – das verlangt, was die Amerikaner unter den Begriffen „outreach“ und „public diplomacy“ verstehen: das Eintreten für und Erklären von amerikanischen Positionen und Interessen sowie die Aufnahme und Pflege von Kontakten aller Art, von Besuchen in deutschen Schulen über Treffen mit Politikern und Amtsträgern bis zu Gesprächen mit Wirtschaftsvertretern und Unternehmern. In Zeiten, in denen das transatlantische Verhältnis unter Druck steht und mit einer ganzen Reihe von Herausforderungen konfrontiert ist, kommt dieser Art der Diplomatie eine besondere Bedeutung zu.

          Erfahrung auf dem Parkett

          Und deshalb dürfte es für Lacina, die aus Iowa stammt und deren Mann ebenfalls Karrierediplomat und momentan in Mailand stationiert ist, sicher ein großer Vorteil sein, dass sie auf diesem Parkett in den vergangenen knapp drei Jahrzehnten mehr als genug Erfahrung gesammelt hat. Unter anderem war sie für das State Department in Kairo, Wien, Brüssel, Mexiko-Stadt, Bogotá, Buenos Aires, Nairobi und Moskau – und vor gut zwölf Jahren auch schon einmal in Frankfurt. Zuletzt trug sie in Washington im Büro des Außenministers die Verantwortung für die allgemeine Politik- und Managementkoordination.

          Die dort erworbenen und gezeigten Fähigkeiten als Managerin dürften ein weiterer Grund dafür sein, dass Lacina ihren Vorgesetzten als besonders qualifiziert für den Posten in Frankfurt erschien. Denn die Vertretung im früheren Militärhospital in Eckenheim mit ihren rund 1.000 Mitarbeitern ist nicht nur das mit Abstand größte Generalkonsulat der Vereinigten Staaten weltweit, sondern auch eine der größten diplomatischen Einrichtungen Amerikas überhaupt und für den konsularischen und diplomatischen Betrieb von enormer Bedeutung. Das Generalkonsulat dient als zentrale Drehscheibe zur Versorgung und Unterstützung praktisch aller amerikanischen Auslandsvertretungen. Täglich starten Maschinen mit Mitarbeitern und Material auf dem Frankfurter Flughafen in Richtung Osteuropa, Nahost, Afrika und Asien. Während die Botschaft in Berlin die Vereinigten Staaten vor allem politisch vertritt, geht es in Frankfurt zu einem großen Teil um pures Management.

          „Berlin kontrolliert alles bis ins Detail“

          Wobei der Begriff des Politischen vom aktuellen Botschafter Washingtons in der Bundeshauptstadt, Richard Grenell, offenbar deutlich breiter ausgelegt wird als von vielen seiner Vorgänger. Der frühere Fox-News-Kommentator hat seit seinem Amtsantritt im Mai schon häufig mit undiplomatischer Deutlichkeit Aufsehen erregt, und nicht nur aus dem Frankfurter Generalkonsulat, sondern auch aus den Vertretungen in anderen deutschen Städten wie München ist zu hören, er bringe seinen Apparat mit klaren Ansagen „auf Linie“ und nehme anders als seine Vorgänger massiven Einfluss. „Berlin kontrolliert alles bis ins Detail“, sagt ein Konsulatsmitarbeiter, der nicht genannt werden will.

          Dieser verschärfte Weisungsdruck wird offiziell natürlich nicht thematisiert. Aber Hinweise darauf lassen sich durchaus auch in Lacinas Äußerungen hineininterpretieren. Etwa wenn sie ihren Job als Generalkonsulin charakterisiert und sagt, sie sei eine Repräsentantin der Vereinigten Staaten und ihrer Verfassung, aber eben auch der Politik des Außenministeriums und des Präsidenten. Vor allem aber, wenn sie hinzufügt, dass das Generalkonsulat als eine Art Zweigstelle der Botschaft auch für die Umsetzung der Agenda und politischen Vorgaben des Botschafters verantwortlich sei.

          Und so nimmt es nicht wunder, dass Lacina bei aller Offenheit, Freundlichkeit und Verbindlichkeit, die sie ausstrahlt, bei ihren öffentlichen Auftritten mitunter sehr deutliche Worte im Sinne ihres Botschafters findet und zentrale Forderungen ihres Präsidenten gegenüber den Deutschen mit Vehemenz unterstreicht: mehr Geld für die Verteidigung, keine Geschäfte mit Iran, keine neue Gas-Pipeline mit Russland, fairer Handel mit Amerika, gemeinsamer Kampf gegen Chinas „ökonomische Aggression“. Angesprochen darauf, sagt sie, diese Positionen seien nicht neu und auch schon unter Präsident Obama Teil der amerikanischen Agenda gewesen. „Aber vielleicht haben wir jetzt eine andere Art, sie deutlich zu machen.“ Präsident Trump sage einfach sehr deutlich, was er wolle und was er erwarte. „Aber die Message ist im Grunde die gleiche.“

          Auf die Frage, wie sie das deutsch-amerikanische Verhältnis beurteilt, sagt die Generalkonsulin, unterschiedliche Standpunkte und strittige Fragen habe es auch unter anderen Präsidenten gegeben. „Und vielleicht sprechen wir Amerikaner derzeit offener aus, dass es uns in erster Line um unsere eigenen Interessen geht.“ Aber das stelle die partnerschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland natürlich nicht in Frage. „Es ist ein bisschen wie in einer Ehe.“ Da sei man schließlich auch nicht immer einer Meinung – aber füreinander da, wenn es drauf ankomme.

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