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Box-Verein : „Unser Training ist kein Rocky-Film“

  • -Aktualisiert am

Traumatisierte Mädchen und Jungen trainieren zusammen

In dem Verein trainieren auch Mädchen und Jungen, die in der Schule gemobbt wurden. Der Trainer kennt ihre Geschichten, weiß von ihren Sorgen und Nöten. Senkal spricht von teilweise tragischen Fällen; von jungen Menschen, die Hilfe brauchten und manchmal durch Gewalt auch traumatisiert seien. „Wir können ihnen helfen. Wir bringen ihnen bei, sich durchzubeißen." Aber, es müsse auch klar sein, dass es Zeit brauche, um Boxen zu lernen. „Unser Training ist kein Rocky-Film." Wer dabeibleibe, der verbessere nicht nur seine Kondition, sondern steigere auch sein Selbstwertgefühl, hebt Senkal hervor.

Unterdessen wechseln in der Halle die Partner. Technische Übungen stehen als Nächstes auf dem Programm. Aus Sicht Senkals sind diese Übungen sehr wichtig, denn es könne sich nur verteidigen, wer die Bewegungsabläufe blind beherrsche. „Angst lähmt, die Verteidigung muss daher aus dem Unterbewusstsein kommen", erklärt er. Was aber passiert, wenn Straßenschläger ins Training kommen? „Wer zu uns kommt und meint, dass er sehr stark ist, dem zeigen wir, wie schwach er ist", stellt Senkal klar.

„Wer stört, der muss gehen."

Manchmal hat er es auch mit Kindern zu tun, die sich einfach nicht integrieren lassen. „Wir hatten hier mal Zwillinge, die permanent störten. Ich habe der Mutter dann angeboten, die beiden etwas härter anzufassen, damit sie bei uns Disziplin lernen, aber das hat sie abgelehnt", erinnert er sich. Damit blieb nur eine Konsequenz: „Wer stört, der muss gehen." Die Zwillinge mussten.

Bei den Taunusstein Boxern geht es aber auch um sportliche Erfolge. Zabi und Danylo haben bereits Wettkämpfe bestritten und die meisten gewonnen. Etwa zehn aktive Kämpfer schickt der Verein in den Ring, Senkal ist sichtlich stolz auf seine Jungs. „Das ist wichtig. Sie müssen auch Erfolge haben, um weiter mit Spaß bei der Sache zu bleiben", sagt er. Dann kommt ein junger Mann, entschuldigt sich, dass er zu spät ist und erhält die knappe aber präzise Ansage: „Kein Problem, mach sofort 20 Liegestütze." Der Jugendliche geht widerspruchslos auf den Boden und legt los. „Disziplin", sagt Senkal. Mehr ist nicht nötig.

Gegenseitiger Respekt ist wichtig

Ilko ist 19 Jahre alt und trainiert seit drei Jahren in Taunusstein. „Hier haben alle Respekt voreinander, auch wenn jemand neu dazu kommt", schwärmt er. Ilko trainiert fast täglich, er geht zusätzlich noch ins Fitnessstudio. Der junge Deutsche weiß um die Verantwortung, die daraus resultiert, einen Kampfsport zu beherrschen. Aber er sei auch schon einige Mal froh gewesen, sich auf der Straße verteidigen zu können, sagt er. Deswegen wirbt er bei seinen Freunden für den Verein, denn auf der Straße sei die Atmosphäre rauher geworden. Im Gegensatz zum Training. „Das sind hier alles Freunde", sagt er, überlegt einen Moment und ergänzt: „Eigentlich wie eine Familie."

Wer beim Amateur-Box-Verein trainieren möchte, kann dies donnerstags von 19 bis 21 Uhr, freitags von 20 bis 22 Uhr und sonntags von 11 bis 12.30 Uhr. Das Training ist in der Sporthalle der Regenbogenschule, Adolfstraße 1, in Taunusstein-Bleidenstadt.

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