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Am Hopfengarten in Mainz : Nur die Sitzpolster fehlen noch

Treffpunkt: Am neugestalteten Hopfengarten haben die Händler donnerstags wieder ihre Stände geöffnet. Bild: Michael Kretzer

Am Hopfengarten wird wieder Markt gehalten, sogar bis abends. Was in Mainz eher die Ausnahme ist. Dabei bleiben die Händler frühmorgens oft unter sich.

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          Er ist wieder da. Der kleine Altstadtmarkt auf dem neu gestalteten Platz am Hopfengarten nimmt schon deshalb eine Sonderstellung ein, weil die Standbetreiber dort donnerstags von 11 bis 18 Uhr ausharren. So lange halten es die Händler, darunter viele Selbsterzeuger, auf kaum einem der Mainzer Wochenmärkte aus: weder auf dem Domplatz noch in den Stadtteilen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Die Frage nach den „optimalen Marktzeiten“ wird in der Stadt kontrovers diskutiert. „Die Betriebsabläufe der Landwirte passen leider immer weniger zu den Geschäftszeiten in der Stadt, wo viele Läden erst am späteren Vormittag öffnen“, sagte Hans Peter Brümmendorf, Leiter des Wirtschaftsamts, am Donnerstag bei der Wiedereröffnung des Altstadtmarkts. Vor 10 Uhr seien im Zentrum oft nur wenige Passanten zu sehen; etwa jene Menschen, die einen Arzttermin hätten.

          Quartiersplätze und Begegnungsstätten

          Auch habe sich der Tagesablauf vieler Menschen verändert: Da es in vielen Familien kein gemeinsames Mittagessen mehr gebe, sei es nicht nötig, schon früh am Morgen auf dem Markt frische Produkte zu holen. Für die Marktbeschicker dagegen, deren Tag oft gegen 4.30 Uhr beginne, weil sie ihren Wagen beladen, nach Mainz fahren und den Stand aufbauen müssten, sei es bis gegen 14 Uhr ein langer und harter Arbeitstag. Zudem seien viele als Selbsterzeuger nachmittags noch auf dem Feld, im Stall oder an den Bienenstöcken im Einsatz, um für Nachschub zu sorgen.

          Von den gut 110 Standbetreibern auf dem großen Mainzer Wochenmarkt wird von der Stadt per Vertrag verlangt, dass sie – von Ausnahmen abgesehen – dreimal die Woche, nämlich dienstags, freitags und samstags, jeweils von 7 bis 14 Uhr die Kundschaft bedienen und Obst, Gemüse, Wild, Käse, Wurst oder Blumen verkaufen. Nach dem jahreszeitlich bedingten Schrumpfen des zentralen Handelsplatzes, auf dem sich im Winter erkennbar Lücken auftun, geht es von April an wieder los mit dem Saisongeschäft – Spargel und Erdbeeren sei Dank. Nach Einschätzung des Wirtschaftsdezernenten Christopher Sitte (FDP) dienen alle Wochenmärkte, für die mit einer neugestalteten roten Fahne und dem Versprechen „Frische und Tradition“ geworben wird, als Quartiersplätze und Begegnungsstätten für das Miteinander.

          Marktfrühstück bei jungen Leuten beliebt

          Ob der für den Hopfengarten ausgewählte Bodenbelag, eine sogenannte wassergebundene Decke also Schotter, tatsächlich den Dauerbelastungen eines Stadt- und Marktplatzes standhalten werde, will man laut Sitte beobachten. Nach starken Regenfällen, fürchten Kritiker, könnte die Freifläche wenig einladend wirken und dafür sorgen, dass von Kunden viel Dreck in angrenzende Geschäfte, Büros und Restaurants getragen werde.

          Am Donnerstag, bei strahlendem Sonnenschein, zeigten sich alle Anwesenden, darunter der Altstadt-Ortsvorsteher Brian Huck (Die Grünen), angetan von dem neuen Verweilort am Ende der Augustinerstraße, an dem sogar Platz wäre für acht Marktstände statt bisher fünf. Wie häufig in Mainz darf die Sondernutzungsfläche für Weinverkauf nicht fehlen, die verwaltungsrechtlich zwar getrennt zu betrachten ist, von den meisten Besuchern aber als Teil des Markts angesehen wird. Während der Ausschank von Wein, Sekt oder auch Kaffee auf den kleinen Märkten eher eine nette Ergänzung darstellt, droht das beim jüngeren Publikum äußerst beliebte Marktfrühstück samstags auf dem Liebfrauenplatz längst alle Grenzen zu sprengen.

          Länger geöffnet dank Platanen

          Das wöchentlich zelebrierte Volksfest zwischen Gutenberg-Museum und Dom ist mittlerweile eher störend für jene, die nur Kartoffeln oder Schwarzwurzeln kaufen und verkaufen wollen. Weil am Rheinufer, etwa am Fischtorplatz, demnächst zusätzliche Weinstände eröffnet werden, hofft Marktmeister Thomas Krebs auf „baldige Entspannung“, wenn sich die Kundenströme entsprechend verteilten. Mit rechnerisch 600 Markttagen im Jahr sollte es in Mainz eigentlich jederzeit – selbst an einem Montag von 11 bis 18 Uhr auf dem Leichhof in der Altstadt – ein passendes Angebot zum Einkaufen, Plaudern und Verweilen geben.

          Für den Hopfengarten ist angekündigt, dass die betonierten Einfassungen der Hochbeete bis zum Wochenende Sitzpolster erhalten sollen, damit sich Passanten und Marktbesucher fortan gemütlich niederlassen können. Die dort stehenden Platanen, die von japanischen Zwergstechpalmen und nicht, wie schon behauptet, anfälligen Buchsbäumchen umgeben werden, sind übrigens ein Grund dafür, dass das Marktgeschehen am Hopfengarten länger dauern darf als anderswo. Denn unter den schattenspendenden Bäumen lässt sich empfindliches Obst und Gemüse selbst an heißen Sommertagen so präsentieren, dass es auch abends noch gut aussieht.

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